Kommentar zu Mainz 05

Alles möglich

Von Uwe Martin

08. Mai 2008 Hallo, Mainzer, aufwachen! Ja, ihr, dort überall in der Landeshauptstadt auf der anderen Rheinseite, es gibt keinen Grund für Depressionen. Denken Sie bitte an den Werbespruch eines japanischen Automobilkonzerns. Nichts ist unmöglich, oder? Ja, wir wissen es, den letzten Teil der Wegstrecke in die Bundesliga hatten sich alle anders vorgestellt, gewissermaßen war die Niederlage gegen Aachen der größte anzunehmende Sportunfall. Angesichts dieses veritablen Ungeschicks war der tröstende Rat eines 05-Fans an Chadli Amri („Das nächste Mal ein bisschen tiefer“) wirklich gut gemeint, der Stürmer aus Algerien hat die perspektivische Unterstützung ja auch mit einem süffisanten Lächeln und dem Daumen-hoch-Signal zur Kenntnis genommen. Aber lassen Sie uns nicht über diesen Lattenball in der 38. Minute sprechen, etwas tiefer gezielt wäre es das 1:0 und womöglich der Sieg gewesen, bitter.

Doch nichts ist unmöglich, immer daran denken. Deshalb sehen wir schon jetzt die Schlagzeilen des Wochenendes vor uns: Schicksalsspiel für Jürgen Klopp! Läuft es extrem ungünstig am Sonntag, wird es also nichts mehr mit dem Aufstieg. Dann geht der Modernisierer des Mainzer Profifußballs einige Tage später seiner Wege. Aber warum sollte Mainz nicht gewinnen können in Köln? Hätte irgendjemand auch nur einen Cent gewettet auf den zurückliegenden Auswärtssieg von Kickers Offenbach in Freiburg?

Wollitz als Klopp-Nachfolger?

Sollte es an Pfingsten für Mainz 05 zum abschließenden „worst case“ kommen, der verpassten Versetzung, möchten wir trotzdem kein Wehklagen hören. Denn schließlich bringt jeder Abschied auch einen Anfang mit sich. Wie wäre es denn beispielsweise mit Claus-Dieter Wollitz als neuem Mainzer Trainer? Wir wissen nicht, ob er überhaupt zu haben ist, Lust hat und schon die fachliche Reife besitzt. Derzeit betreut er jedenfalls mit einigem Erfolg den VfL Osnabrück.

Der Mann ist authentisch, trägt überragend lässige Klamotten und ist rhetorisch unterhaltsam bis Sonderklasse. Was im medialen Showbiz der angelernten Phrasendrescher und/oder ewigen Langweiler schon eine ganze Menge wert ist. Kürzlich hat sich Wollitz darüber aufgeregt, wie anbiedernd einige Privatfernsehkollegen über den Osnabrücker Abstiegskonkurrenten 1. FC Kaiserslautern berichten. Hut ab, diese Chuzpe haben nicht viele.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Imago

 

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