Kommentar

Schrittmacher

Von Stefan Toepfer

09. Mai 2008 Der Pfarrer der kleinen Gemeinde mitten im Bistum Limburg ist etwas ungehalten. Es ist Pfingsten, aber er darf nicht predigen – obwohl er vieles zu sagen wüsste über den Heiligen Geist und die Aufbruchstimmung unter den Jüngern, damals in Jerusalem. Aber er wird, wie seine Kollegen, den Bischof sprechen lassen. Franz-Peter Tebartz-van Elst hat, was ungewöhnlich ist, seinem Hirtenbrief zu Ostern einen zweiten folgen lassen. Dessen Zusammenfassung wird in den Pfingstmessen vorgelesen, die längere Version gibt es dann zum Mitnehmen oder zum Nachlesen im Internet (www.bistumlimburg.de).

Der Hirtenbrief wird (und soll) für Diskussionen sorgen, denn zum ersten Mal gibt der Bischof deutlich zu verstehen, wie er sich die Seelsorge der Zukunft vorstellt. Er hält sie nur in größeren Einheiten, den „Pastoralen Räumen“, für vorstellbar, eine andere Möglichkeit sieht er nicht.

Debatte über geistliche Vitalität der Kirche

Das ist an sich nicht unbedingt eine neue Erkenntnis. Aber das Hirtenwort lässt sich durchaus so lesen, dass die Pastoralen Räume, die heute lediglich Zusammenschlüsse von Gemeinden sind, langfristig selbst Großpfarreien werden. Das brächte zwar einschneidende Änderungen für das bisher gewohnte kirchliche Leben mit sich. Aber anders lässt sich das Dilemma zwischen dem zentralen Platz, den Tebartz-van Elst der priesterlich geleiteten Eucharistiefeier als gemeinschaftsstiftendem Sakrament beimisst, dem von ihm als „beunruhigend“ empfundenen Priestermangel und der weiter zurückgehenden Zahl der Gläubigen wohl nicht auflösen. Zudem hält der Bischof die klassischen Gemeinden oft für „theologisch überbewertet“ – ein Wort, das an Klarheit nichts zu wünschen übriglässt.

Darüber, was das in dem äußerst disparaten Bistum zwischen Frankfurt, Montabaur und Biedenkopf für einzelne Gemeinden und die geistliche Vitalität der Kirche in einer bestimmten Region konkret bedeutet, soll im Bistum nun geredet werden. Auch wenn die Gefahr besteht, dass manches zerredet wird – der Bischof, seit knapp vier Monaten im Amt, wird sich, wie es das Hirtenwort erahnen lässt, weiter als Schrittmacher erweisen.



Text: F.A.Z.

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