Kommentar

Emig und die Folgen

Von Peter Lückemeier

07. Juli 2008 Der Fall Emig wirft zwei Fragen auf. Die eine ist die individuelle. Da wird danach gefragt, ob und wie sich der ehemalige Sportchef des Hessischen Rundfunks schuldig gemacht hat beim Kassieren von Provisionen. Hat er sich persönlich bereichert? Sind Sendungen nur deshalb ins Programm gekommen, weil Emig persönlich davon profitierte? Das muss das Gericht klären.

Die interessantere Frage lautet: Was hat der Hessische Rundfunk aus der Causa Emig gelernt? Wie es scheint, doch eine ganze Menge. Als Erstes sind die wunderbar harmlos „Beistellungen“ genannten Unsittlichkeiten abgeschafft. Dabei handelte es sich um die Übernahme von Produktionskosten mit der kaum zu kontrollierenden Gefahr der Einflussnahme der Auftraggeber auf die Inhalte.

Grund zur Hoffnung

Zweitens hat die Erfahrung der Sportredakteure, Staatsanwälte zu Gast gehabt zu haben und von der Polizei verhört zu werden, sicherlich das Bewusstsein vergrößert für die Grenzgängerei zwischen Wünschenswertem und Unerlaubtem. Drittens scheint die Praxis, Sponsoren für die Übertragung von sportlichen Großereignissen durch die HR-Werbetochter zu suchen, solchen Sponsoren allerdings keine Schleichwerbung, sondern genau definierte Formen der Öffentlichkeitsarbeit zu erlauben, wesentlich offener und nachprüfbarer zu sein als das „System Emig“.

Auch die Öffentlichkeit ist durch die Ermittlungen gegen Emig darauf aufmerksam geworden, dass Übertragungen sportlicher Großereignisse teuer sind: Für die Sendung über einen Ironman-Wettbewerb sind zwei Hubschrauber als Relaisstationen erforderlich, und bei der Fußball-EM war aufwendige Technik nötig, damit die Zuschauer sich jede Szene sekundenschnell aus mehreren Kamerablickwinkeln anschauen konnten.

Für solche teure Technik sich Sponsoren zu suchen ist auch für öffentlich-rechtliche Anstalten so lange legitim, als sich daran keine unanständigen Bedingungen knüpfen. Beim WDR hat sich die Sportredaktion verpflichtet, „keine Geschäfte mit Akteuren des Sports“ einzugehen. Dass HR-Chefredakteur Alois Theisen dies gesprächsweise eine gute Idee nannte, lässt hoffen.

Text: F.A.Z.

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