Kommentar

Keine Feuerwehr

Von Matthias Alexander

20. August 2008 Köln hat ihn schon, Stuttgart auch, nun bekommt also auch Frankfurt einen Rat der Religionen. Die Aufgabenbeschreibung für das Gremium ist noch ein wenig schwammig, um es zurückhaltend zu formulieren. Der interreligiöse Dialog solle gefördert werden, heißt es bei den Initiatoren, zu denen Vertreter der beiden großen christlichen Kirchen, von Judentum, Islam, Buddhismus und Hinduismus zählen. Repräsentanten vieler anderer Glaubensgemeinschaften sollen hinzukommen.

„Dialog“ kann vieles heißen. Um eine Gesprächsrunde unter Theologen geht es der Vorstandsvorsitzenden des Evangelischen Regionalverbands und dem katholische Stadtdekan offenbar nicht. Aus ihrer Sicht soll der Rat als Vermittler in Konflikten auftreten, wie sie sich regelmäßig etwa an Neubauplanungen für Moscheen entzünden. Das Gremium müsste also dort tätig werden, wo sich religiöse, soziale und ethnische Konfliktpotentiale durchdringen. Es ist aus diesem gesellschaftspolitischen Blickwinkel nur konsequent, dass nicht Kirchendezernent Uwe Becker (CDU), sondern Integrationsdezernentin Nargess Eskandari-Grünberg (Die Grünen) dem Gremium als Gast angehört.

Förderung von gegenseitigen Gemeindebesuchen

Nun haben sich die großen christlichen Kirchen in der Auseinandersetzung um die Moschee in Hausen auf die Seite der bauwilligen Muslime geschlagen, ohne dass es eines Rats bedurft hätte. Ihr Wort hätte in dieser Sache nicht mehr Gewicht gehabt, wenn sich Protestanten und Katholiken mit der Vielzahl von kleineren Religionsgemeinschaften zu einem Chor vereinigt hätten, im Gegenteil.

Gerade der Sprecher der Islamischen Religionsgemeinschaft Hessen denkt denn auch nicht vorrangig an die Bewältigung von Konflikten, wenn er die Aufgaben des Rats beschreibt. Ünal Kaymakci, der mit seiner Gemeinde die Hausener Moschee baut, will auch „positive Akzente“ setzen. Was das im Einzelnen ist, wäre zu prüfen. Es könnte die Förderung von gegenseitigen Gemeindebesuchen sein oder die Ausrichtung von Tagungen, auf denen über politische Implikationen der jeweiligen Glaubensgrundsätze diskutiert wird. Auch Stadtdekan Raban Tilmann hat sich in dieser Richtung geäußert.

Der Rat sollte sich nicht als Feuerwehr verstehen, die erst tätig wird, wenn irgendwo Streit ausgebrochen ist. Er kann auch keine welttheologische Instanz werden. Er hätte dazu beizutragen, das religiöse Wissen von Gläubigen und Atheisten zu vermehren. Und alle daran zu erinnern, was Religionsfreiheit bedeutet und wo sie durch das Grundgesetz begrenzt ist.

Text: F.A.Z.

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