Von Matthias Alexander
13. Juni 2006 Wolf Prix ist Architekt und nicht Diplomat. Auch der weiche Wiener Tonfall konnte den Eindruck nicht mildern, den seine schroffen Worte in Frankfurt hinterlassen haben. Die Großmarkthalle im Ostend sei ein unwirtlicher Ort, ließ sich der Chef des Büros Coop Himmelb(l)au im Ortsbeirat vernehmen. Eine neue Funktion für die Halle zu schaffen und gleichzeitig den Denkmalschutz zu akzeptieren sei die Quadratur des Kreises.
Nun schätzt der Architekt Prix, nach dessen Entwurf der Neubau der Europäischen Zentralbank auf dem Areal der Großmarkthalle entstehen soll, weder Quadrat noch Kreis. Prix ist ein Pionier des Dekonstruktivismus, also jener Architektursprache, die die Zerrissenheit der (post-)modernen Welt in stürzenden Linien und spitzen Winkeln spiegelt. Der tradierte Formenkanon wird zertrümmert, um die Einzelteile neu zusammenzusetzen. Noch in den in sich verdrehten Turmhälften, die Prix entworfen hat, läßt sich eine investorengerecht gemäßigte Form jener radikalen Haltung erkennen.
Halle bleibt originalgetreu erhalten
Dem 180-Meter-Turm läßt sich seine suggestive Wirkung nicht absprechen. Es war durchaus nachvollziehbar, daß die EZB bei der Entscheidung für Prix auf einen architektonischen Kontrast gesetzt hat, damit sich das Hochhaus neben der gewaltigen Großmarkthalle von 1928 behaupten kann. Und es war dann nur konsequent, die Großmarkthalle in einer dramatischen Geste mit dem Hochhaus zu verklammern, anstatt den neuen und den alten Baukörper verbindungslos nebeneinander zu plazieren. Ein Gebäudekeil soll nun quer durch die Großmarkthalle hindurchgetrieben werden. Er markiert den neu zu schaffenden Haupteingang im Norden der Halle und bildet eine Art Brücke zum Turm im Süden.
Die Denkmalpfleger haben dem Vorschlag nach langem Zögern und mit einigem Unbehagen zugestimmt. Er bedeutet einen tiefen Eingriff in die Struktur der Halle, eines der bedeutendsten Baudenkmäler in Frankfurt. Andererseits ist die Lösung in funktionaler Hinsicht schlüssig. Und darum geht es in der Denkmalpflege - abzuwägen zwischen dem Schutz der originalen Bausubstanz und der Anpassung an die Forderungen der neuen Nutzer. Soll ein Bauwerk nicht als ganzes musealisiert werden, was in den seltensten Fällen zu finanzieren ist, sind Kompromisse unumgänglich.
Es liegt nun an Prix und an der EZB, sich das Entgegenkommen der Denkmalpfleger zu verdienen. Abgesehen vom neuen Durchstich muß die Halle möglichst originalgetreu erhalten bleiben: Dazu zählt die Betonrasterfassade, die nicht durch eine Glasfront ersetzt werden darf, wie es Prix gerne hätte. Dazu zählen auch die Anbauten, die jetzt zur Disposition gestellt werden. Er wolle keinen Kompromiß, sondern eine Lösung, hat der Architekt stolz verlauten lassen. Einverstanden: Die Lösung hat er zu liefern, in demütiger Haltung gegenüber dem Denkmal.
Text: F.A.Z., 14.06.2006
Krieg in Georgien: Russische Streitkräfte beschuldigen ![]()
Solarunternehmen: Schott Solar strebt an die Börse
Rote Hilfe: Linksextreme Kadergruppe“
Waldbrände in Georgien: Patriotischer Regen über der Schlucht von Borschomi
Das fortgesetzte Nein der SPD-Rebellin Metzger zu einer Duldung durch die Linke ist...
