04. August 2008 Vieles ließe sich darüber sagen, warum es öffentlich-rechtlichen Sendern so schwer fällt, mit den Gebühren auszukommen. Warum sie selbst die letzten Sekunden vor der Tagesschau“ für Werbung vermarkten müssen. Oder warum bei der Ankündigung, diese Sendung werde mit freundlicher Unterstützung“ eines Schmerzmittelherstellers präsentiert, mittlerweile auch noch gesagt werden darf, gegen welche Zipperlein die Pille des Sponsors hilft. Für diese Auswüchse sind immer neue Begriffe erfunden worden, die kaschieren sollen, wie dringend man angeblich zusätzliche Einnahmen braucht, um den Verfassungsauftrag, die Grundversorgung“ mit Information und Meinung sicherzustellen.
Die Verhandlung gegen den früheren Sportchef des Hessischen Rundfunks Jürgen Emig wird wohl nicht zum Forum, bei dem das sich wandelnde Selbstverständnis des Staatsrundfunks“ zu beleuchten ist. Darauf deutet schon, dass der Angeklagte als Amtsträger“ eingestuft wird – gleich dem Mann auf der Führerscheinstelle, der gegen Bares im Briefumschlag bei Temposündern ein Auge zugedrückt hat.
Ein Skandal ist bisher nicht zu erkennen
Das mag ein Anachronismus sein gemessen an dem, wie wenig die Öffentlich-Rechtlichen und die Privaten sich inzwischen im alltäglichen Kampf um Quoten unterscheiden. Aber es rückt andererseits die Verhältnisse in dieser Affäre wieder etwas zurecht. In erster Linie ist darüber zu urteilen, ob ein leitender Angestellter seine Position, seine Freiräume und die mangelnde Kontrolle dazu missbraucht hat, illegale Nebeneinkünfte letztlich auf Kosten des Gebührenzahlers zu erwirtschaften.
Ein Skandal, der weitere Kreise zieht, ist bisher nicht zu erkennen. Dass ein Regionalsender Jahr für Jahr sechs- bis siebenstellige Summen Drittmittel“ akquirieren und als Beistellungen“ verschleiern musste, um Großereignisse wie Marathon, Triathlon, Reiten und Tanzen zu übertragen, stellt die Frage nach dem öffentlich-rechtlichen Auftrag. Aber die haben Parlamente und Rundfunkräte zu beantworten.
Text: F.A.Z.
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