Von Stefan Toepfer
28. November 2007 Ich kenne ihn ja noch nicht.“ Dieser Satz fiel häufig, als vor dem Limburger Dom Gläubige über ihren neuen Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst sprachen. Was hat er vor? Wie kommt er an? Vieles spricht dafür, dass das Domkapitel am Samstag eine kluge Wahl getroffen hat, als es den erst 48 Jahre alten Weihbischof zum Bischof kürte. Er gilt als intelligenter Mann auf der Höhe der Zeit“, der seelsorgerlich-spirituelle Akzente setzen kann, der aber auch weiß, was kirchliche Strukturveränderungen bedeuten. Das Bistum darf auf eine wichtige Neubelebung hoffen.
Die Theologie des Mannes, der in der kirchlichen Hierarchie rasch aufstieg, kreist um den Gedanken einer missionarischen Ausrichtung der Kirche. Oft wurde diese in der Vergangenheit schon gefordert, ohne dass sich Wesentliches geändert hätte. Trotzdem könnte es Tebartz-van Elst, einem Schüler des Altbischofs Franz Kamphaus, gelingen, neue Wege aufzuzeigen, auch wegen seiner Studienaufenthalte in Amerika und Frankreich.
Gewinnendes Auftreten
Seine Wahl galt vielen als Überraschung. Sein Name war in den jüngsten Spekulationen kaum aufgetaucht, genannt wurden eher andere Weihbischöfe. Die Vermutung liegt nahe, dass Tebartz-van Elst nicht zuletzt im vormaligen Nuntius – der Vatikanbotschafter in Deutschland hatte qua Amt eine Schlüsselstellung in dem Verfahren der Kandidatenfindung und kennt die Diözese Münster gut – einen starken Fürsprecher im Vatikan hatte. Schließlich geriet auch sein Name auf die dort zusammengestellte Dreierliste, aus der das Domkapitel wählte und die, so Beobachter, klare kirchenpolitische Alternativen geboten hat.
Das Interesse des Kölner Erzbischofs Joachim Kardinal Meisner, einen von ihm favorisierten Mann durchzusetzen, blieb jedenfalls ohne Folgen. Dem Vernehmen nach hatte er massiv gegen mögliche Kandidaten aus dem Umfeld des Mainzer Bischofs Karl Kardinal Lehmann protestiert. Aber auch Lehmann hatte Tebartz-van Elst offenbar nicht auf der Rechnung, kann sich nun aber eines Nachbarn in Limburg gewiss sein, der bischöfliches Selbstbewusstsein mit einem gewinnenden Auftreten verbinden kann.
Gemeinsam sind Tebartz-van Elst und Kamphaus nicht nur ihre Herkunft aus bäuerlichen Familien, ihr Werdegang im Bistum Münster und eine ähnlich lange Amtszeit, die dem neuen Oberhirten bevorsteht. Kamphaus war fast 25 Jahre lang Bischof. Auch Tebartz-van Elst sind die Zuwendung zu Armen und der Blick auf die Weltkirche wichtig, wie er sagt. Auch deswegen lässt diese Wahl hoffen.
Text: F.A.Z.
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