Von Mechthild Harting
08. Juli 2008 Urlaubszeit ist Zeit zum Träumen, zum Entspannen. Dass sich dahinter eine Branche, ein hartes Geschäft verbirgt, ahnt man. Aber dass sich auch Politiker in den Städten, Kreisen und auf Landesebene mit dem Tourismus in zahlreichen Sitzungen und Arbeitskreisen beschäftigen, das vermuten wohl die wenigsten. Dabei ist der Tourismus in Hessen mit seinen rund 26 Millionen Übernachtungen im vergangenen Jahr natürlich ein nicht unbedeutender Wirtschaftszweig. Rund 200.000 Arbeitsplätze sollen direkt oder indirekt vom Tourismus in Hessen abhängig sein, die Industrie- und Handelskammern schätzen den Jahresumsatz der Branche auf zehn Milliarden Euro, wobei der größte Brocken auf die Tagesgäste entfällt.
Verständlich, dass sich diesem Zweig auch das Wirtschaftsministerium widmet und mit ihm die eigens mit der Tourismusförderung beauftragte Hessen-Agentur. Doch derzeit werden Stimmen laut, die dem Land vorwerfen, die falschen Akzente zu setzen: Nicht Hessen gehöre vermarktet, sondern die Tourismusregionen, und dazu müssten natürlich die größeren Städte gehören, die für sich anders werben als ländliche Gebiete.
Städtetourismus boomt
Dieser Kritik begegnet die Landes-Tourismusförderung mit dem Hinweis, dass man sehr wohl auf Tourismusregionen und Themen setze, eine Agentur aber nur Angebote vermarkten könne, die es auch tatsächlich gebe. Wenn nichts von den Tourismusregionen komme, sei das Ergebnis, wie es derzeit eben sei.
Es steckt zu viel Politik im hessischen Tourismus. Die Landesebene will natürlich damit punkten, dass sie ihre Arbeit herausstreicht. Da gibt es dann die Broschüren Wandern in Hessen“, Kulturreiseland Hessen“, Familienspaß in Hessen“, die Liste ließe sich noch lange fortsetzen, und man ahnt, warum die Arbeitsgemeinschaft hessischer Industrie- und Handelskammern aufschreit, dass Hessen doch keine Marke“, das Bundesland nicht in den Mittelpunkt der Werbung zu rücken sei. Das klingt überzeugend.
Dazu passt, dass eine Untersuchung der deutschen Tourismus-Zentrale ermittelt hat, Hessen sei als Reiseland profillos, womit man bei den Angeboten ist, die von den Regionen kommen sollen. Dass diese sicherlich noch einiges leisten könnten, um bessere, innovativere Angebote zu machen, daran gibt es keinen Zweifel. Doch dazu müssten auch die Tourismusregionen unabhängiger von der Politik aufgestellt werden, dürften die Gedanken nicht an Kreisgrenzen haltmachen, nicht Politiker die Steuerung übernehmen. Und natürlich müsste den Städten Gelegenheit gegeben werden, sich ausreichend zu präsentieren und Förderung zu erhalten. So schön Aufenthalte in ländlichen Urlaubsregionen sein können, es ist der Städtetourismus, der derzeit boomt. Es gibt also noch viel zu besprechen – in den politischen Tourismus-Arbeitskreisen.
Text: F.A.Z.