Kommentar

Keine Panik

Von Peter Badenhop

18. Februar 2008 Die Zahlen sind bemerkenswert. 2007 war der Januar in Hessen fünf Grad zu warm, in diesem Jahr fast vier Grad. Und von Eis und Schnee ist weit und breit nichts zu sehen. Dass das keine Zufälle sind, zeigt ein Blick in die Statistik: In Hessen wird es seit Jahren immer wärmer, langsam aber stetig. Während die Jahresmitteltemperaturen zu Kaisers Zeiten meist zwischen sieben und acht Grad lagen, nehmen sie inzwischen ein ums andere Mal die Neun-Grad-Grenze. Die Sommer werden immer wärmer und trockener und die Winter immer milder und feuchter. Das ist der Klimawandel und keine Laune der Natur – darüber sind sich die Experten inzwischen einig.

Und dass die Folgen für Hessen überwiegend negativ sind und sein werden, ist ebenfalls kaum umstritten. Dass Skisportorte wie Willingen dem Winter langsam ade sagen können, ist da noch von begrenzter Dramatik – so schwierig die Lage für manche vom Tourismus abhängige Kommune auch werden mag. Viel einschneidender werden die Folgen für die Gesundheit der Menschen werden, vor allem im Frühjahr und Sommer: mehr Allergien durch verlängerten Pollenflug und Veränderungen in der Pflanzenwelt, höheres Hautkrebsrisiko durch stärkere Sonneneinstrahlung, mehr gefährliche, durch Insekten übertragene Infektionskrankheiten, häufigere Herz- und Kreislaufbeschwerden durch Hitze und hohe Ozonkonzentrationen. Darüber hinaus müssen sich auch die Hessen auf mehr sogenannte extreme Wetterereignisse wie Gewitter, Sturm und Hagelschlag und als deren Folge Überschwemmungen und Hochwasser einstellen.

Das allerdings ist nur die eine Seite. Auf der anderen hat die Erwärmung durchaus auch positive Folgen und bietet sogar manche Chance. Die Möglichkeit für die Winzer im Rheingau oder an der Bergstraße, künftig auch Rebsorten wie Merlot und Cabernet Sauvignon ertragreich anzubauen, ist ein schöner Nebeneffekt. Die Potentiale einer verlängerten Vegetationsperiode für die gesamte Landwirtschaft wiegen schon schwerer. Und auch der Tourismus in Hessen könnte mit innovativen Angeboten neuen Schwung bekommen. Ausgesprochen positiv könnten im Übrigen die Auswirkungen auf den Energieverbrauch sein: Wegen der milden Winter wird nach Expertenmeinung künftig weniger geheizt – und viel Gas, Öl und Kohle gespart. „Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Schutzmauern, die anderen Windmühlen“, lautet ein chinesisches Sprichwort. Letzteres dürfte sich auch im Angesicht des Klimawandels auszahlen.



Text: F.A.Z.

 
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