Von Tobias Rösmann
14. Juni 2008 Wer Steuerzahlen oder Vermögenswerte beurteilen will, muss sie in Relation setzen. Das geht am einfachsten mit einem Blick auf das Vorjahr, das Vorjahrzehnt oder das vergangene Steuerquartal. Das Schwierige an der Eröffnungsbilanz, die Frankfurt jetzt vorgelegt hat, ist daher, dass sie eben die erste ist und ein solcher Vergleich damit unmöglich. Die Stadt hat schließlich noch nie zuvor ihr Vermögen bewertet. In Teilen muss die Gesamtsumme sogar noch präzisiert werden, weil sich die Kultureinrichtungen der größten Stadt Hessens trotz jahrelanger Vorlaufzeit nicht in der Lage sahen, den Wert der Kunstwerke, Denkmäler und musealen Sammlungen pünktlich anzugeben.
Was sagt es also über die Finanzlage der Stadt, wenn sie ein Vermögen von gut 12,5 Milliarden Euro ausweisen kann? Zunächst einmal nicht viel, weil im neuen doppischen Buchungssystem der Kaufleute absolute Zahlen noch weniger Aussagekraft haben als in der alten Kameralistik. Das neue System hat andere Kennziffern; eine der wichtigsten ist die Eigenkapitalquote. Sie liegt in Frankfurt bei 66,2 Prozent, was nichts anderes heißt, als dass die Stadt zwei Drittel oder 8,29 Milliarden Euro ihres Vermögens selbst finanziert hat.
Spannend wird es im nächsten Jahr
Ob das viel oder wenig ist, kommt auf die Perspektive an. Manch ein Unternehmer wäre froh über einen solchen Anteil. Kämmerer Uwe Becker (CDU) aber weist zu Recht darauf hin, dass die hohen Sachvermögenswerte der Stadt nur auf dem Papier stehen und im Notfall nicht zu Geld gemacht werden könnten. Um ein neues Museum der Weltkulturen zu finanzieren, werden sicher weder der Dom noch die Paulskirche verkauft.
Spannend wird es im nächsten Jahr. Dann wird sich zeigen, wie sich die Eröffnungsbilanz verändert hat. Jeder Wertverlust einer nichtsanierten Schule wird über die Abschreibungen sichtbar, aber auch jede Reparatur einer Straße schlägt sich nieder, weil dieses Stück höher bewertet werden kann. Schafft es Frankfurt außerdem, ein Plus aus dem Betrieb heraus zu erwirtschaften und weiter Schulden zu tilgen, wird die Eigenkapitalquote steigen. Schon jetzt gibt es Anzeichen dafür, dass es so kommen wird – wegen der hervorragenden Steuereinnahmen 2008, die ja noch nicht in die Eröffnungsbilanz eingegangen sind.
Das ist nicht der einzige Hinweis darauf, dass die Stadt verhältnismäßig gut dasteht. Bei aller Vorsicht wegen der Unterschiede beim Erfassen der Daten in den einzelnen Ländern: Wer die Eigenkapitalquote Frankfurts mit Städten vergleicht, die auch schon Eröffnungsbilanzen präsentiert haben, stellt fest, dass sich Hamburg und München für Anteile von acht beziehungsweise 40 Prozent loben. Darüber kann Frankfurt nur schmunzeln.
Text: F.A.Z.
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