Kommentar

Mit dem Blick nach vorn

Von Manfred Köhler

09. Juni 2007 Es ist keine leichte Aufgabe, die sich der erfolgsverwöhnte Volksbank-Chef zumutet. Die ersten Stolpersteine, die vor Hans-Joachim Tonnellier liegen, so er denn am 27. Juni zum Präsidenten der Industrie- und Handelskammer Frankfurt gewählt wird, hat der mächtige Präsident des Einzelhandelsverbands, Frank Albrecht, schon benannt.

Es geht weiter um den Rechtsstreit, wer überhaupt die Wirtschaft Frankfurts vertreten darf, und es geht weiter um die Frage, wie sich die IHK als wichtigste Vertretung der Wirtschaft zum Urban Entertainment Center stellt, dem umstrittenen Einkaufszentrum an der Peripherie der Frankfurter Mitte.

Den Streit begraben

Der ohne Zweifel unternehmerisch tätige Tonnellier wird sich, so ist anzunehmen, dieser Fragen mit der gleichen Mischung aus Durchsetzungskraft und Diplomatie, aus Vorwärtsstürmen und Vorsicht annehmen, die ihn zu einem der besten Manager der Region gemacht hat. Die Frankfurter Volksbank, die er seit zehn Jahren führt, ist eine der erfolgreichsten in Deutschland und für andere Regionalbanken im hartumkämpften Ballungsraum Frankfurt die Messlatte, was Wachstum und Ertrag betrifft.

Zwölf Fusionen mit kleineren Häusern sind Tonnellier gelungen – in einem etwas übermütigen Moment empfahl er kürzlich seine geschickte Vorgehensweise sogar den Frankfurter Politikern, wenn sie mit dem Umland ins Gespräch kommen wollten.

Mit dem Bankchef an der Spitze, so er denn die Mehrheit bekommt, könnte die IHK nach einem halben Jahr der Lähmung wieder nach vorn blicken. Das ist wichtig für die Beschäftigten dort. Es ist aber auch wichtig für die Frankfurter Wirtschaft, deren Interessen im Römer nicht immer etwas gelten (man sehe sich nur das Desaster um die Neugestaltung der Zeil an). Gelänge es, unter dem neuen Präsidenten den Streit zu begraben, wäre aber mehr gewonnen als Frieden in der Kammer. Es zeigte auch, dass die Stadtgesellschaft trotz allem funktioniert. In Frankfurt wird gestritten, vielleicht manchmal zu viel, vielleicht zu verletzend, aber in Frankfurt rauft man sich auch wieder zusammen. So soll es sein.



Text: F.A.Z.

 

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