21. Januar 2008 Mitunter beschleicht den Beobachter des hessischen Wahlkampfs das Gefühl, die CDU-Strategen wollten partout die Rolle des Favoriten loswerden. Es scheint fast, als suchten sie nach einer Wiederholung des glückhaften Erlebnisses von 1999, als binnen weniger Tage ein Rückstand in einen Sieg gewendet werden konnte. Als sei er in der Opposition, setzte Ministerpräsident Roland Koch zum Auftakt der Kampagne 2008 auf das Angstthema Jugendkriminalität.
Am Sonntag nun kritisierte CDU-Generalsekretär Michael Boddenberg die Siegerposen der SPD-Kandidatin nach dem Fensehduell mit Koch. Interessant war die Begründung: Boddenberg bezeichnete nicht etwa Koch als wahren Sieger der Debatte. Vielmehr warf er Ypsilanti vor, sie verhalte sich ignorant gegenüber den Wählern, denn von diesen seien noch 43 Prozent unentschlossen. Abgerechnet wird am Schluss“ – auch Boddenberg formuliert im Stil eines Herausforderers.
Sympathiephase nach der Konfrontationsphase
Das Fernsehduell markiert die überfällige Wende im Wahlkampf Kochs. Nach der Konfrontationsphase hat nun die Sympathiephase begonnen. Es geht in den verbleibenden Tagen darum, die Erfolge der vergangenen fünf Jahre in den Vordergrund zu stellen. Innere Sicherheit, Flughafenausbau, Wirtschaftswachstum und Hochschulförderung können sich sehen lassen. In der Schulpolitik wird Koch darauf verweisen, im Prinzip das richtige gewollt zu haben.
Parallel dazu wird die CDU weiter vor dem drohenden Linksblock“ warnen. Ypsilanti bleibt nichts anderes übrig, als mit der Bemerkung zu kontern, die stets flexible FDP werde schon zur Verfügung stehen, wenn es um die Bildung einer Ampel-Koalition gehe. Die Liberalen können auf diese Provokation gelassen reagieren. Für sie zahlt sich jetzt aus, dass sie nach der Wahl von 2003 Selbstachtung bewiesen haben und die CDU mit ihrer absolute Mehrheit allein haben regieren lassen.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP