Kommentar

Endlich eine Initiative

Von Luise Glaser-Lotz

09. Mai 2008 Nun will es Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) wissen. Nach den vielen Querelen und Ungereimtheiten der vergangenen Jahre bei den Planungen für die Innenstadt hat er sich nun - anderthalb Jahre vor dem Ende seiner ersten Amtszeit - einem Vorhaben verschrieben, das das Gesicht der Innenstadt über viele Jahrzehnte prägen könnte. Die Entwicklung der zentralen Achse von der niederländisch-wallonischen Kirche über den Marktplatz und den Freiheitsplatz bis hin zum Schlossplatz in der Altstadt soll nun also von einem Investor oder einer Investorengemeinschaft zu einem Riesenprojekt zusammengefasst werden - von der Planung im Zusammenwirken mit der Stadt über die Verwirklichung bis zum Betrieb der neu entstehenden Einrichtungen.

Anders als bei früheren Hanauer Projekten, die oft genug ohne Ergebnis blieben, ist im Fall des vorgesehenen "wettbewerblichen Dialogs" der große Paukenschlag zur Ankündigung ausgeblieben. Eine unscheinbare Pressemitteilung hier oder eine kleine Bürgerinformation da genügten, um die Öffentlichkeit zu unterrichten. Gleichzeitig fühlte Kaminsky, offenbar mit Erfolg, beim politischen Gegner CDU vor, um eine breite Basis der Zustimmung zu gewinnen.

Allein deshalb verdient das Vorhaben einen gewissen Vertrauensvorschuss. Auch die Tatsache, dass die Stadt bereit ist, ausgetretene Wege zu verlassen und gänzlich neue Möglichkeiten zu suchen, lässt hoffen. Endlich ist Bewegung in die festgefahrenen Planungen für die Innenstadt gekommen, die sich im Wettbewerb der Städte im Rhein-Main-Gebiet dringend profilieren muss.

Bei herkömmlichen Architektenwettbewerben ist die Verwirklichung des Ergebnisses oft unpraktikabel oder unrentabel. Das kann vermieden werden, wenn, wie beim "wettbewerblichen Dialog", der Geldgeber von Anfang an eingebunden ist. Doch das Verfahren birgt auch Risiken und Nachteile. Bedauerlich ist beispielsweise, dass es keinen Raum für moderne Verfahren der Bürgerbeteiligung lässt, wie sie Kaminsky bei seinem Amtsantritt angekündigt hatte. So müssen sich die Bürger ganz auf ihre gewählten Volksvertreter verlassen, die in das Prozedere nicht nur eingebunden sind, sondern auch das letzte Wort haben werden.

Die Stadtverordneten sind zudem gefordert, während der Planungen für Transparenz zu sorgen und später peinlich darauf zu achten, dass die städtischen Bedingungen erfüllt werden. Fatal wäre es, wenn sich die Stadt über viele Jahre an einen Investor bände, der sich auf die lukrativen Teile der Vereinbarungen konzentrierte und die städtebaulichen "Pflichtaufgaben" vernachlässigte.



Text: F.A.Z.

 

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