Absetzung des Wetzlarer Bezirksdekans

Ein Macht-Wort

Von Peter Lückemeier

Lässt den abgesetzten Bezirksdekan als Priester im Amt: Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst

Lässt den abgesetzten Bezirksdekan als Priester im Amt: Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst

22. August 2008 Wahrscheinlich ist der am Niederrhein erzkatholisch sozialisierte neue Bischof von Limburg sich nicht im Klaren darüber, wie abstoßend, mitleidslos, realitätsfern seine Maßregelung des Wetzlarer Dekans aufs großstädtische Publikum wirken muss. Homosexuelle Lebenspartnerschaften werden in Frankfurt, Darmstadt oder Wiesbaden anders bewertet als im Westerwald. Der liberale Normalbürger wird sich sagen: Du liebe Güte, da lebt ein homosexuelles Paar seit langem zusammen, besiegelt diesen Bund vor dem Standesamt für immer und erbittet dazu göttlichen Segen – warum sollte die Kirche solch einen Akt des Wohlwollens verweigern?

Doch Bischof Tebartz-van Elst sieht die Sache anders, und zum größten Teil muss er sie so sehen, auch sein Vorgänger Franz Kamphaus hätte kaum anders handeln können. Denn Ehe und Familie stehen nicht nur laut Grundgesetz unter besonderem Schutz des Staates, die katholische Ehe zwischen Mann und Frau ist sogar ein Sakrament, allerdings gespendet von den beiden Beteiligten. In diesem Lichte kann es nicht angehen, dass die Ehe, die nach kirchlicher Sicht dem Zwecke dient, Kinder zu zeugen, gleichrangig mit einer homosexuellen Partnerschaft behandelt wird. Überdies hat der Bischof in der Bestrafung des bisherigen Dekans die mildeste Form gewählt, die ihm zur Verfügung stand, denn der Wetzlarer Priester bleibt im Amt, wird weder abgesetzt noch versetzt.

Haarspalterischer Theologismus

Hat laut Bistum Limburg seinen Fehler eingesehen: der trotzdem abgesetzte Wetzlarer Bezirksdekan Peter Kollas

Hat laut Bistum Limburg seinen Fehler eingesehen: der trotzdem abgesetzte Wetzlarer Bezirksdekan Peter Kollas

Das eigentliche Problem aber bleibt ungelöst. Es lautet: Wie soll die Kirche, Repräsentant eines liebenden Gottes, mit Homosexuellen umgehen, zumal mit homosexuellen Gläubigen? Die offizielle Linie der römischen Glaubenskongregation, Homosexualität an sich sei keine Sünde, nur ihre Ausübung sei es, muss als haarspalterischer Theologismus verstanden werden.

Die katholische Kirche täte gut daran, für seriöse dauerhafte gleichgeschlechtliche Partnerschaften, die sich nicht nur die Billigung des Staates, sondern auch die Sympathie ihrer Kirche wünschen, einen Akt, eine symbolische kirchliche Handlung oder eine Feier auszudenken. Dass Gott die Qualität eines Menschen nach dessen sexuellen Präferenzen beurteilen könnte, muss als unwahrscheinlich gelten.

Text: F.A.Z.

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2009.
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte erwerben
FAZ.NET - Facharzt- und Kliniksuche

Sie suchen einen Facharzt in Hessen?

Finden Sie jetzt mit der Facharzt-und Kliniksuche von FAZ.NET den richtigen Spezialisten. Hier erhalten Sie umfangreiche und wertneutrale Informationen zu Fachärzten und Kliniken in Ihrer Umgebung.

Immer mehr Infizierte: Lassen Sie sich gegen Schweinegrippe impfen?

Ergebnis
In 
Anzeigen des Monats
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche