06. Juli 2008 Ein Albtraum, der sich da in der S-Bahn am hellen Samstagnachmittag ereignete: Ein abgerissen wirkender Mann hält einem Fahrgast einen Bettelzettel mit dem Wort Hunger“ hin. Es kommt zum Streit, der Bettler zückt ein Messer und sticht zu. Fast drei Stunden lang werden die S- und U-Bahnen angehalten, vom Täter zunächst keine Spur. Dass er dann doch sehr schnell am frühen Sonntag gefasst wird, ist der Aufmerksamkeit des Bahnpersonals und der Effektivität einer Sicherheitskamera geschuldet.
Es ist schon richtig, dass die Grünen die Installation jeder einzelnen Kamera im öffentlichen Raum diskutieren. Es geht in Ordnung, dass die Datenschützer davor warnen, uns alle flächendeckend zu Objekten der Objektive machen zu lassen. Und es macht einen schon nachdenklich, wenn man zur Kenntnis nehmen muss, auch als unbescholtener Bürger auf dem Weg im Auto vom Frankfurter Flughafen in die Innenstadt rund zwanzigmal gefilmt oder fotografiert zu werden.
Klares Argument für den Einsatz von Überwachungskameras
Aber die Messerattacke in der S-Bahn (die jeden hätte treffen können, der öffentliche Verkehrsmittel nutzt) und ihre rasche Aufklärung sind doch ein nicht zu überhörendes Argument für den Einsatz von Überwachungskameras im sicherheitssensiblen Nahverkehr. Es ist deshalb in Ordnung, dass das Land Hessen der Verkehrsgesellschaft Frankfurt eine Menge Geld zur Verfügung stellt, um in weiteren 20 U-Bahn-Stationen Kameras und Notrufsäulen einzurichten. Sie werden umso mehr Täter abschrecken, je öfter sie zum Aufklären von Verbrechen beitrugen.
Noch herzhafter würde freilich der Ruf nach Überwachung erschallen, könnten die Bürger tatsächlich hundertprozentig sicher sein, dass die gewonnenen Daten wirklich nie für andere Zwecke genutzt werden als für die Aufklärung von und den Schutz vor Verbrechen.
Text: F.A.Z.
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