20. Februar 2006 Die Zahl der Produkte, die mit Nanotechnologie hergestellt und wegen überlegener Eigenschaften kleinster Strukturen aktiv als Nanotechnologie vermarktet werden, nimmt schnell zu. Auf Sonnencremes, Imprägniersprays, Fensterreinigern und Lackschutzmitteln ist inzwischen von den besonderen Vorteilen von Nanopartikeln zu lesen. Alfred Oberholz, Vorstandsmitglied der Degussa, zeigte am Freitag im Bundesforschungsministerium in Berlin stolz Prototypen neuartiger Autobatterien vor, die nanotechnologisch hergestellte Keramikfolien enthalten und in umweltfreundlichen Hybridfahrzeugen zum Einsatz kommen sollen. Stefan Marcinowski, Forschungsvorstand des Chemiekonzerns BASF, berichtete von Nano-Dämmstoffen mit dreifach erhöhter Energiesparleistung.
Schon heute wird das Weltmarktvolumen von Produkten, bei deren Herstellung Nanotechnologie eine Rolle gespielt hat, dem Bundesforschungsministerium zufolge auf hundert Milliarden Euro geschätzt. Branchenkenner rechnen mit einer Verzehnfachung in den kommenden Jahren. Da erscheint es logisch, so früh wie möglich der Frage nachzugehen, ob die besonderen Eigenschaften von Nanomaterialien auch mit besonderen Risiken für Mensch und Umwelt einhergehen.
NanoCare will das Risiko prüfen
Zu diesem Zweck hat der Forschungsstaatssekretär Thomas Rachel am Freitag gemeinsam mit Partnern aus Industrie und Forschung das Projekt "NanoCare" auf den Weg gebracht, bei dem es um Risikoprüfung und Gefahrenvorsorge geht. 7,6 Millionen Euro stehen dafür in den kommenden drei Jahren zur Verfügung, zwei Drittel der Kosten trägt die Bundesregierung. Ziel des Projekts ist es, herauszufinden, ob Nanopartikel ein besonderes Gefahrenpotential für Wissenschaftler in Forschungsabteilungen und für die Arbeiter in der Fertigung bergen.
Sind Nanopartikel einmal in einem Produkt verarbeitet, gelten sie bisher als völlig unbedenklich, doch solange sie unverarbeitet vorliegen, müssen sie als Feinststäube betrachtet werden, die besonders tief in die Lunge eindringen können und dort eine außerordentlich starke Wirkung entfalten können. Harald Krug vom Institut für Toxikologie und Genetik am Helmholtz-Forschungszentrum Karlsruhe, der "NanoCare" wissenschaftlich koordiniert, will Luftmessungen an Arbeitsplätzen bei Degussa, Bayer und der BASF vornehmen, die Nanopartikel genau charakterisieren und standardisierte Testsysteme für Wechselwirkungen mit dem Körper entwickeln.
Krug zufolge wird mit dem Projekt international Neuland betreten: "Es gibt keine Informationen darüber, welche Eigenschaften von Nanopartikeln entscheidend für eine biologische Wirkung sind", sagte er. Er hoffe, mit "NanoCare" weltweit gültige Standards zur Evaluation der Nanotechnologie zu entwickeln. An dem Projekt sind sechs Unternehmen, die Universitäten Münster, Bielefeld und Saarbrücken und spezialisierte Institute beteiligt. CHRISTIAN SCHWÄGERL
Text: F.A.Z., 20.02.2006, Nr. 43 / Seite 34
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