19. Februar 2009 Wer bisher dachte, der klassische Telefonanschluss hätte ausgedient, hat sich offenbar geirrt. Denn dem Festnetz wird eine glänzende Zukunft prognostiziert. Dieser Eindruck jedenfalls entsteht, wenn man Bundeskanzlerin Angela Merkel zuhört. Im zweiten Konjunkturpaket ist die Bundesregierung mit ambitionierten Vorschlägen auf die Branche zugegangen. Das Motto lautet: 50 Megabit je Sekunde für alle. Bis zum Jahr 2018 soll es so weit sein, dass alle Haushalte in Deutschland an ein solches hochleistungsfähiges sogenanntes VDSL-Netz angeschlossen werden können. Schon 2014 sollen drei Viertel der Bevölkerung damit ausgestattet sein. Rund 40 bis 50 Milliarden Euro müssten die Unternehmen dafür investieren und damit die Konjunktur ankurbeln.
Um diese Bandbreiten bereitstellen zu können, müssen die Telekom und ihre Wettbewerber das Glasfasernetz näher an den Kunden bringen. Bisher enden die Lichtleiter in den rund 8000 zentralen Vermittlungsstellen der Telekom. Von dort geht es mit der Kupferader auf der letzten Meile weiter. Künftig sollen die rund 300.000 näher am Kunden liegenden Kabelverzweiger an die Glasfaser angebunden werden, um die hohen Übertragungsgeschwindigkeiten zu ermöglichen. Später steht dann die Verlegung der Faser in jedes Haus auf dem Programm. Gerade diese Arbeit aber macht das gesamte Unterfangen so teuer.
Ausbauen, ohne dafür Subventionen zu bekommen

Kooperationspartner gesucht: Die Investitionen in den Ausbau der Netze ist für die Telekom allein zu hoch
Trotzdem sind die Anbieter alle miteinander dem Vorhaben gegenüber nicht abgeneigt. Sie wollen sogar ausbauen, ohne dafür Subventionen zu bekommen. Ein Grund dafür ist der fulminante Aufstieg der Kabelnetzbetreiber, die ihre Netze inzwischen in vielen Gebieten internet- und telefontauglich gemacht haben und den Telekommunikationsanbietern kräftig Konkurrenz machen. Rund 25 Prozent des DSL-Neugeschäftes haben diese Anbieter in den vergangenen Monaten für sich gewinnen können - Tendenz steigend. Das ist kaum verwunderlich, da die Kabelgesellschaften mit ihren Pauschalangeboten preiswerter sind als die klassische Festnetzkonkurrenz und dabei noch höhere Bandbreiten bieten. Auch diese neuen Wettbewerber haben bei den bisherigen Netzbetreibern die Einsicht reifen lassen, dass sie um eine Aufrüstung des Netzes nicht herumkommen, wenn sie auf längere Sicht konkurrenzfähig bleiben wollen.
Dabei ist noch gar nicht klar, woher die Milliardensummen kommen, welche die Telekom und ihre Wettbewerber in die neuen Netze stecken sollen. Die Preiskämpfe der vergangenen zwei Jahre haben den Wettbewerbern der Telekom zwar eine große Zahl von Kunden gebracht, die Margen sind allerdings in dieser Zeit in den Keller gerutscht. Angesichts der vielen Vergünstigungen für Neukunden dauert es teilweise bis zu 24 Monate und damit über die gesamte Laufzeit des Vertrages, bis ein solcher Anschluss für den Anbieter profitabel wird. Wechselt der Kunde zu diesem Zeitpunkt, verdient der Anbieter nichts. Zu allem Überfluss fordert die Telekom jetzt auch noch die Erhöhung der Miete für die letzte Meile - was die Marge der Konkurrenz weiter schmälern würde.
Die Zahl der Verbindungen ist rückläufig
Insgesamt geht der Gewinn im Festnetz zurück. Dazu trägt auch bei, dass das einstige Stammgeschäft mit der Sprachtelefonie schon länger schwächelt. Die Zahl der Verbindungen ist rückläufig - auch weil die Kunden immer mehr Gespräche in den Mobilfunk verlagern. Hinzu kommt, dass sich die Pauschaltarife für die Inlandsgespräche ins Festnetz weitgehend durchgesetzt haben und dadurch das Wachstumspotential im Sprachgeschäft fast gegen null tendiert. Nur durch Zusatzoptionen wie die unterschiedlich schnellen DSL-Anschlüsse sind noch Zuwächse möglich.
Insgesamt ist der Festnetzumsatz im vergangenen Jahr nach Schätzungen der Duisburger Marktbeobachter von Dialog Consult auf 35 Milliarden Euro gefallen. Das sind knapp 2 Milliarden Euro weniger als im Vorjahr, und der Rückgang geht vor allem zu Lasten der Deutschen Telekom. Diese hat auch im vergangenen Jahr rund 2,4 Millionen Festnetzkunden an die Konkurrenz verloren. Auf der anderen Seite hat sie immer noch bei weitem die meisten Kunden und daher einen ansehnlichen Mittelzufluss, der ihr noch am ehesten Investitionen ermöglicht.
Dieses Kooperationsmodell folgt einer einfachen Logik
Sicher ist aber, dass die Investitionen in den Ausbau der Netze selbst für die Telekom allein zu hoch sind und daher Kooperationen den Ausbau prägen werden. Zumindest wahrscheinlich ist auch, dass die Unternehmen, die nicht in der Lage sind, größere Investitionen zu tätigen, Gefahr laufen, aus dem Markt auszuscheiden, da für sie in dem Modell kaum Platz ist. Dieses Kooperationsmodell folgt einer einfachen Logik: Die Unternehmen bauen ihre Glasfasernetze regional selbständig aus und gewähren sich dann wechselseitig Zugang zu den Hausanschlüssen in den jeweiligen Gebieten.
Allen voran ist es derzeit sogar die Deutsche Telekom, die diese Kooperationen sucht und schon mit der Vodafone-Tochtergesellschaft Arcor in Heilbronn und Würzburg zur Zusammenarbeit gefunden hat. In Norddeutschland kooperiert sie in einigen Städten mit EWE-Tel, und auch Netcologne und M-Net aus München haben entsprechende Vereinbarungen mit der Telekom getroffen. Andere Unternehmen stehen in mehr oder weniger fortgeschrittenen Verhandlungen mit dem ehemaligen Monopolisten. Die Telekom allein hat schon 50 Städte an ihr neues VDSL-Netz angeschlossen, legt den weiteren Ausbau der eigenen Infrastruktur allerdings zunächst auf Eis und konzentriert sich auf die Kooperationsmodelle.
Gespannt schaut die Branche auf die Cebit
Die entscheidende Frage in diesem künftigen Netz lautet: Zu welchen Konditionen und an welchen Punkten erhalten Unternehmen, die sich nicht oder nur marginal an dem Netzausbau beteiligen, Zugang zu der neuen Infrastruktur? Über die Rahmenbedingungen gibt es Streit, und eine Einigung ist nicht in Sicht. Gespannt schaut die Branche daher auf die Computermesse Cebit in der kommenden Woche: Während der Veranstaltung will die Telekom einen Preis und die Konditionen nennen, zu denen sie die Wettbewerber auf ihr VDSL-Netz lassen will.
Neben den Glasfaser-Investitionen auf der letzten Meile zum Endkunden wird das Festnetz aber auch in anderen Bereichen aufgerüstet werden müssen. Paradoxerweise ist es ausgerechnet der Mobilfunk, der dafür verantwortlich ist. Auch Mobilfunknetze brauchen Hochgeschwindigkeitsleitungen, um die Handytelefonate und vor allem den inzwischen wachsenden mobilen Datenverkehr zu vermitteln. Die Datenübertragung mit UMTS oder der Nachfolgetechnik HSDPA überfordert an mancher Basisstation die festnetzbasierte Zuleitung. Als Folge können Kunden in der Mobilfunkzelle nicht so schnell surfen, wie sie es wollen. So fördert die steigende Nachfrage im Mobilfunk den Festnetzausbau - um dann noch mehr Kunden gewinnen zu können.
Sonderseite Branchen und Märkte: Alle Folgen
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z., picture-alliance/ dpa
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