05. August 2007 ruh. FRANKFURT, 5. August. Seitdem die Krankenkassen die Gehälter ihrer Vorstände veröffentlichen müssen, ist die Liste der Spitzenverdiener ein beliebtes Stammtisch-Thema geworden. Obwohl die angeprangerten Jahresvergütungen von bis zu 270 000 Euro für Vorstandsvorsitzende größerer Krankenkassen gezahlt werden, deren Mitgliederzahl in die Millionen geht, ist der Zorn des Boulevards geweckt. Vorstände größerer privater Krankenversicherer dürfen in anderen Kategorien denken. In der privaten Assekuranz liegt der spartenübergreifende Durchschnitt der Vorstandsbezüge bei mehr als 350 000 Euro, und selbst dieser Branchenwert ist für deutsche Spitzenmanager unterdurchschnittlich.
Auch in den unteren Etagen der Krankenkassen wird nicht überdurchschnittlich verdient. Der Sozialversicherungsfachwirt verdient etwa 25 000 Euro im Jahr. Bewährt er beziehungsweise bewährt sie sich, ist der Aufstieg zum Referenten möglich. Dann ist nach Auskunft der AOK-Rheinland ein Jahreseinkommen von etwa 40 000 bis 45 000 Euro möglich. Ein weiterer Karrieresprung würde einen AOK-Mitarbeiter in die Ebene der Geschäftsbereichsleiter in einer der Generaldirektionen bringen. Das Jahreseinkommen liegt dann bei etwa 80 000 Euro, allerdings übernimmt die Führungskraft dann schon Personalverantwortung für 300 bis 400 Mitarbeiter. In den beiden höchsten Führungsebenen - Bevollmächtigte und schließlich Vorstand - sind die Gehälter offenbar auch vom Verhandlungsgeschick abhängig.
Der Karriereweg in die Spitze ist unterschiedlich: Johannes Vöcking zum Beispiel, Vorstandsvorsitzender der Barmer, ist studierter Jurist, hat zuvor lange als Ministerialbeamter und Staatssekretär im Bundesinnenministerium gearbeitet. Wilfried Jacobs, Chef der AOK-Rheinland, ist ein Eigengewächs der Krankenkasse. Wie andere große Kassen unterhalten die AOK eigene Ausbildungszentren, die Sozialversicherungsfachangestellte ausbilden. Es folgen der AOK-Fachwirt und der AOK-Betriebswirt. Wer dann noch höher hinaus will, studiert an der Fachhochschule weiter.
Einige Krankenkassen - vor allem solche, die Wahltarife anbieten oder den privaten Versicherern direkt Konkurrenz machen - beginnen damit, sich auch für andere Berufsgruppen zu interessieren. So sind zum Beispiel die ersten Versicherungsmathematiker bei einzelnen Kassen eingestellt worden. Fachleute für Marketing und Werbung dürften ebenfalls gute Aussichten bei den Krankenkassen haben. Daneben beschäftigen die Krankenkassen schon immer Ärzte unter anderem für die Beurteilung von Leistungsfällen in den Medizinischen Diensten der Krankenkassen (MDK). Der Trend zu Fusionen reduziert die Zahl der Krankenkassen schon seit Jahrzehnten. Eigentlich würden auch 30 statt der derzeit 250 Krankenkassen reichen, sagen einige Vorstände. Dennoch rechnet keiner der Experten damit, dass sich die Zahl der Beschäftigten in größerem Umfang verringern wird. Die Krankenkassen haben derzeit rund 140 000 Beschäftigte. Zum Vergleich: In der privaten Assekuranz sind es ohne die selbständigen Vertriebsmitarbeiter in allen Sparten zusammen etwa 230 000.
Text: F.A.Z., 06.08.2007, Nr. 180 / Seite 21
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