Klima

Klimaforscher zweifeln nicht mehr an Erderwärmung

30. September 2005 Die Erde heizt sich so schnell auf, daß bis zum Ende des Jahrhunderts das Eis am Nordpol geschmolzen sein könnte. Nach der jüngsten Studie des Hamburger Max-Planck-Instituts (MPI) für Meteorologie wird es bis zum Jahr 2100 weltweit im Schnitt bis zu vier Grad wärmer. Der Meeresspiegel steigt um 30 Zentimeter, Deutschland bekommt heiß-trockene Sommer und nasse Winter, der Mittelmeerraum wird von Dürren heimgesucht und die Wüsten in Australien und Afrika breiten sich aus. Dies geht aus der neuen MPI-Studie hervor.

Neuste Eis-Messungen von amerikanischen Forschern untermauern die Vorhersage der Hamburger Forscher: Im September gab es in der Arktis 5,27 Millionen Quadratkilometer Seeeis, wie Satellitendaten ergaben. Das waren 20 Prozent weniger als im Durchschnitt der vergangenen Jahre und der niedrigste Stand seit Beginn der wissenschaftlichen Aufzeichnungen 1978, wie die Universität von Colorado mitteilte. Gleichzeitig lag die Durchschnittstemperatur von Januar bis August bis zu vier Grad über dem Durchschnitt.

Forscher von den Daten überzeugt

Nach Einschätzung des Hamburger Max-Planck-Institutes ändert sich das Klima auf der Erde so schnell wie nie zuvor. „Unsere neuen Ergebnisse sind robuster als bisher. Wir sind von der Zuverlässigkeit überzeugt“, sagte der Geschäftsführende Direktor des Instituts, Jochem Marotzke, am Donnerstag.

Das Hamburger Institut stützt sich in seiner Vorhersage auf neueste Modellrechnungen des Deutschen Klimarechenzentrums (DKRZ). Darin sind den Angaben zufolge auch jüngste Erkenntnisse über Nebel und Staub in der Luft eingeflossen, sowie über den Kohlenstoff-Kreislauf. Im Vergleich zu früheren Klimamodellen seien viele neue Erkenntnisse berücksichtigt worden.

Nordpol im Sommer eisfrei?

Die Wissenschaftler erwarten unter bestimmten Bedingungen, daß das Eis der Nordpolregion im Sommer völlig schmilzt. Dort sei sogar ein Anstieg von zehn Grad möglich. Die Auswirkungen des Klimawandels werden sich nach Einschätzung der Forscher nicht gleichmäßig über die Erde verteilen, sondern einige Kontinente mehr, andere weniger treffen. So soll die Antarktis kaum von den Änderungen betroffen sei.

50 Forscher arbeiteten mehrere Jahre an der Studie, die ein Beitrag für den internationalen IPCC-Report ist. In diesem Report werden seit 1988 in regelmäßigen Abständen die wichtigsten Forschungsergebnisse zum Klimawandel gebündelt und Politikern als Grundlage von Entscheidungen zur Verfügung gestellt.

Alle Klimaforscher von Erwärmung überzeugt

Institutsdirektor Guy Brasseur machte klar, das praktisch alle Klimaforscher von einer Erderwärmung überzeugt seien. „Wir sagen vier Grad mehr, andere sagen 3,7 oder 3,8 Grad mehr“, sagte er. Der Klimawandel wird für die Einwohner vieler Regionen gefährlich: „Wettersituationen, in denen extremes Hochwasser auftreten kann, nehmen zu“, sagte Studienleiter Erich Roeckner. Für Deutschland erwartet er mehr anhaltende Wolkenbrüche, die dann die Flüsse über die Ufer treten lassen könnten. Außerdem soll es im Winter mehr Westwindlagen geben. Das begünstigt Sturmfluten an der Nordsee. Der Pegel der Nordsee soll bis 2100 mit 43 Zentimetern überdurchschnittlich stark steigen. Anderseits werde es mehr heiße und lange Sommer geben. „Eine Hitzewelle wie im Jahr 2003 wird in 50 Jahren der Normalfall sein“, sagte Roeckner.

Grund des Klimawandels ist nach Überzeugung der Wissenschaftler der Mensch, der durch die Verbrennung von Holz, Kohle, Öl und anderen Energieträgern das Gas Kohlendioxid (CO2) in die Luft ausstößt. Dieses Gas führt zur Erwärmung der Atmosphäre. Seit 1850 ist die Durchschnittstemperatur laut Institut aus diesem Grund bereits um 0,7 Grad gestiegen.



Text: FAZ.NET mit Material von AP
Bildmaterial: dpa/dpaweb, MPG/Michael Böttinger

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