Hurrikan „Ernesto“

Kuba bleibt verschont

28. August 2006 Der mit Bangen erwartete Tropensturm „Ernesto“ hat Kuba nicht mit der erwarteten Wucht getroffen. Der Sturm brachte zwar schwere Regenfälle mit sich, schwächte sich jedoch deutlich ab, wie das kubanische
Metereologische Institut in Havanna am Montag mitteilte. Nach Angaben des Zivilschutzes wurden im ganzen Land vorsorglich mehr als 300.000 Menschen evakuiert. Nach Einschätzung des Nationalen Hurrikan-Zentrums der Vereinigten Staaten (NHC) in Miami sollte der Sturm zwar den amerikanischen Bundesstaat Florida, nicht aber die Gebiete am Golf von Mexiko erreichen. In Florida rief Gouverneur Jeb Bush den Notstand aus.

„Ernesto“ sei beim Durchzug durch die Bergregionen von Santa Domingo und Haiti deutlich schwächer geworden, bevor er die Küste Kubas erreicht habe, sagte der Meteorologe José Rubiera im kubanischen Fernsehen. Der Wirbelsturm sei „nur noch ein Schatten seiner selbst“. Im weniger hügeligen Zentrum des Inselstaates könne der Sturm allerdings wieder etwas an Stärke gewinnen, warnte Rubiera. „Ernesto“ werde innerhalb der kommenden 24 Stunden über Kuba hinwegziehen. Der Sturm hatte zeitweise Windgeschwindigkeiten von 75 Stundenkilometern erreicht.

Entwarnung für Küstengebiete

Das Hurrikan-Zentrum der Vereinigten Staaten gab zunächst nur für die Küstengebiete am Golf von Mexiko Entwarnung. In Florida drohte „Ernesto“ zu einem Sturm der gefährlichen Kategorie drei heranzuwachsen. Er könnte am späten Dienstag oder Mittwoch mit mehr als 200 Stundenkilometern Windgeschwindigkeit über die Inselgruppe der Florida Keys hinwegfegen. Die amerikanischen Behörden forderten alle Urlauber und Besucher zum Verlassen der Region auf.

Flucht vor Ernesto: Viele Menschen verlassen Florida Dem Sturm trotzen - in Villa Altagracia, Dominikanische Republik Überflutete Straßen in Port au Prince, Haiti “Ernesto“ bereitet den Amerikanern Sorge Die von “Katrina“ angerichteten Schäden sind noch immer nicht beseitigt

Der Tropensturm „Ernesto“ war auf seinem Weg durch die Karibik bereits über Haiti hinweggezogen. Hohe Wellen des stürmischen Meeres zerstörten nach Angaben eines haitianischen Behördenvertreters das Haus einer Frau auf einer südlich gelegenen Insel. Die Frau kam dabei ums Leben. 13 weitere Unterkünfte wurden dem Erdboden gleichgemacht, Berichte über weitere Todesopfer wurden bisher nicht bestätigt werden.

Shuttle-Start abgesagt

Die amerikanische Raumfahrtbehörde Nasa hat wegen „Ernesto“ inzwischen den in dieser Woche geplanten Start der Raumfähre „Atlantis“ in dieser Woche abgesagt. Zugleich sollen die Vorbereitungen weitergeführt werden, die Raumfähre in einer 160 Meter hohen Montagehalle in Sicherheit zu bringen.

Der gesamte Zeitplan der Nasa gerät durch die Startverschiebung in Gefahr. Der bisherige Zeitrahmen sah vor, daß der Space Shuttle bis spätestens 7. September startet. Bei einem späteren Start der „Atlantis“ müßte die russische Raumfahrtbehörde ihren für den 14. September geplanten Start der „Sojus“-Kapsel mit der neuen Langzeitbesatzung für die Internationale Raumstation ISS ebenfalls verschieben.

Bush gesteht Fehler beim Umgang mit „Katrina“

Die amerikanische Regierung hat bisher nach eigenen Angaben rund 118 Milliarden Dollar (92,5 Milliarden Euro) für die Hilfe in der von „Katrina“ betroffenen Katastrophenregion in New Orleans ausgegeben. Das Geld sei unter anderem für den Wiederaufbau und Verstärkung der Dämme, für andere Infrastruktur-Maßnahmen sowie die Schuttbeseitigung und direkte Hilfe für die Betroffenen verwendet worden. Präsident George W. Bush gestand in einer Radioansprache am Wochenende ein, daß die Regierungen des Bundes, der Staaten und der Regionen nicht vorbereitet gewesen seien, „auf dieses außergewöhnliche Desaster zu reagieren“.

Die oppositionellen Demokraten halten Bush vor, nichts aus den Fehlern nach „Katrina“ gelernt zu haben. Nach wie vor gebe es zu wenig Vorsorge im Katastrophenfall. Auch heute funktioniere in New Orleans noch immer die Trinkwasserversorgung oder die Müllbeseitigung nicht ausreichend. Es gebe auch Zweifel, ob diesmal die Dämme bei einer ähnlichen Naturkatastrophe wie „Katrina“ halten würden.



Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AP, dpa, REUTERS

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