25. Oktober 2005 Ihre Hochzeitsreise haben sich Alexandra und Carsten Wagner anders vorgestellt: Erst schweben sie in der mexikanischen Karibikregion im Himmel der Liebe - dann fliehen sie vor den verheerenden Verwüstungen des Wirbelsturms Wilma am Boden. Urlaub jäh zu Ende, Hotel zerstört, Gepäck verloren. Wir sind sieben Stunden Bus nach Mérida gefahren. Dort waren wir mehrere Tage zu 30 Leuten in einem Raum der Universität untergebracht, berichtet die junge Frau vom zähen Ende der Flitterwochen.
Am Dienstag kam das Paar aus hessischen Ober-Mörlen mit dem ersten Sonderflug deutscher Heimkehrer aus der mexikanischen Katastrophenregion in Frankfurt am Main an. Bis zum kommenden Wochenende sollen in einer gemeinsamen Aktion der deutschen führenden Reiseveranstalter vorerst weitere sieben Maschinen von der mexikanischen Halbinsel Yucatán folgen - mit psychologischer Betreuung beim Abflug und bei der Landung. Der Flughafen der Touristen-Hochburg Cancún ist wegen des Unwetters geschlossen worden - die Starts wurden daher ins rund 300 Kilometer entfernte Mérida verlegt.
Ungewißheit machte Angst
Lange liegen sich viele Heimkehrer und Angehörige, die sie abholen, in den Armen. Tagelang haben sie nichts mehr voneinander gehört - der Hurrikan hat auch das Telefonnetz zerstört. Das Schlimmste war die Ungewißheit, daß wir tagelang nicht wußten, was auf uns zukommt. Das machte uns am meisten Angst, erzählt Alexandra Wagner.
Auch Melanie Vogel aus Karlsruhe ist noch geschockt: Unser Hotel direkt am Strand ist einfach weggeblasen worden. Wir wären ertrunken, wenn wir geblieben wären. Da sich der Reiseveranstalter nicht um sie und ihre Freundin Silke Kern gekümmert habe, hätten beide mit anderen Urlaubern einen Bus ihres Hotels nach Mérida organisiert. Die Spanier und Amis und andere Deutsche waren schon vorher von ihrer Reiseleitung abgeholt worden. Das war ein blödes Gefühl, erst mal zurückbleiben zu müssen, sagt die 34 Jahre alte Frau. Es folgten mehrere Tage Warten in einer einfachen Pension in Mérida: Das war ein Loch mit Kakerlaken.
Die haben jetzt nichts mehr
Nur einen einzigen unbeschwerten Urlaubstag genossen haben Kerstin Drews aus dem fränkischen Klingenberg und ihre Freunde. Wir sind am vergangenen Dienstag in Mexiko angekommen, hatten einen schönen Mittwoch und wurden schon am Donnerstag evakuiert. Eigentlich wollten wir zwei Wochen bleiben, berichtet die 28 Jahre alte Frau. Stattdessen mußte sie in einem 250-Mann-Lager in einer Halle auf dem Boden schlafen. Duschen gab es nicht: Darauf freue ich mich jetzt am meisten.
Am Flughafen von Mérida habe Chaos geherrscht, berichten die Rückkehrer. Die Halle war überfüllt ohne Ende. Reserviert war da nichts. Wer ein Ticket ergatterte, hatte Glück, sagt Drews. Viele Urlauber mußten auf eine spätere Maschine warten. Ein paar von denen haben schon einen richtigen Hals geschoben.
Auch Horst Bürdel aus Meißen ist froh, wieder deutschen Boden betreten zu können: Da sind in einer Küste 600 Hotels platt oder schwer beschädigt, das ist unvorstellbar. Er bedaure die Einheimischen: Neun von zehn leben in der Region vom Tourismus. Die haben jetzt nichts mehr.
Text: FAZ.NET mit Material von dpa
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