10. Juni 2008 In der chinesischen Erdbebenregion Sichuan sind 15 Regierungsvertreter wegen ihres schlechten Krisenmanagements entlassen worden. Den Behördenmitarbeitern werde unter anderem vorgeworfen, zu langsam auf die Katastrophe Mitte Mai reagiert zu haben, meldete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua am Dienstag.
Manche der Beschuldigten sollen sich zudem bei den Hilfs- und Aufräumarbeiten gesetzeswidrig verhalten haben. Details wurden nicht bekannt. Die Volksrepublik hatte im vergangenen Monat ein Gesetz erlassen, wonach etwa der Handel mit Hilfsgütern, die als Teil der Erdbeben-Hilfe geliefert wurden, bestraft werden kann.
Kontrollierte Sprengungen
Bei dem Beben am 12. Mai kamen im Südwesten des Landes fast 87.000 Menschen ums Leben oder werden noch vermisst. Hunderttausende sind obdachlos und müssen in Zelten ausharren.
Die Hauptsorge gilt derzeit einem riesigen - durch das Beben entstandenen - Stausee, dessen Wasserpegel zuletzt bedrohlich gestiegen ist. Mit kontrollierten Sprengungen haben die chinesischen Behörden den Abfluss der Wassermassen aus dem Stausee massiv beschleunigt. Nach Berichten der Nachrichtenagentur Xinhua vom Dienstag lief das Wasser aus dem künstlichen See im südwestlichen Tangjiashan am Dienstag sechzigmal schneller ab als zu. Durch die sinkenden Pegelstände sei die Überschwemmungsgefahr gesunken.
Das Militär hatte den Angaben zufolge Geröllhaufen weggesprengt, die einen zuvor gegrabenen Abflusskanal blockiert hatten. Bei einem Dammbruch des Stausees wäre das Leben von mehr als einer Million Menschen gefährdet. Etwa 250.000 Anwohner wurden bereits aus der näheren Umgebung des Stausees in Sicherheit gebracht.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AP, dpa, REUTERS