Mobiles Internet

Handy-Surfen kann teuer werden

Von Petra Kirchhoff

19. Juni 2008 Die Verlockung ist groß. Unterwegs mal eben die privaten E-Mails checken und die Nachrichtenlage. Im Urlaub den Routenplaner fragen, wie es am schnellsten weitergeht, oder bei Google nachschauen, in welchem Museum in Bozen die Gletschermumie „Ötzi“ liegt – mit einem Großteil der Mobilfunktelefone ist das inzwischen möglich.

Nicht jedes Handy arbeitet dabei so komfortabel wie das iPhone von Apple, doch auch andere Hersteller sind bemüht, benutzerfreundliche Telefone mit schnellen Datenübertragungsraten auf den Markt zu bringen. Noch sei das mobile Internet kein Massenmarkt, berichten Branchenvertreter übereinstimmend, aber das Interesse steige kontinuierlich an.

Niemals ohne Zusatztarif Daten herunterladen

Das Tarifgefüge bleibt dagegen undurchsichtig. Und das Leben für Verbraucher wird wieder einmal ein Stück komplizierter. Wer „echtes“ Internet will, also mehr als die von seinem Mobilfunkbetreiber zur Verfügung gestellten Seiten, mit der Möglichkeit, Bilder und andere Dateien herunterzuladen, der muss sich Gedanken über einen passenden Daten-Tarif machen. Sonst kann es ihm so ergehen wie Sebastian F., Student und E-Plus-Kunde aus Frankfurt, der nur einen Sprach-Tarif für sein Vertragshandy hat und neulich für das spontane Herunterladen von vier Bildern aus dem Internet bei einem Datenvolumen von vier Megabyte 84 Euro zahlen sollte. Normalerweise beläuft sich seine monatliche Handy-Rechnung auf rund 25 Euro.

Zwar stellte sich erst bei Nachfrage über die Pressestelle heraus, dass in diesem Fall – aus noch ungeklärten Gründen – zu viel Geld berechnet wurde, doch selbst wenn alles korrekt verlaufen wäre, hätte sich Sebastian F. über die Abrechnung geärgert, da ihn das Herunterladen der vier Bilder rund 24 Euro (sechs Euro je Megabyte) gekostet hätte. Niemals ohne Zusatztarif Daten in größeren Mengen herunterladen, warnen Verbraucherschützer. Und schon gar nicht im Ausland, denn dann fallen wie beim Telefonieren hohe Roaming-Gebühren an.

Doch was ist der richtige Tarif? Unter anderem hängt die Wahl davon ab, wie oft der Handykunde unterwegs mit seinem Telefon Internetseiten besuchen und E-Mails lesen will. Für Wenignutzer lohnt es sich nicht, Datenpakete mit monatlichen Festkosten zu buchen. Gelegenheitssurfern empfehlen Verbraucherportale wie Teltarif oder Verivox daher die Angebote der Mobilfunk-Discounter.

Monatliche Datenpakete buchbar

Bei Anbietern wie Simyo, Blau und Aldi Talk kostet ein Megabyte 24 Cent, ohne Grundgebühr und Mindestlaufzeit. Abgerechnet wird in kundenfreundlichen 10-Kilobyte-Schritten. Damit seien kurze Ausflüge mit dem Handy ins Internet kein finanzielles Problem mehr, heißt es bei Teltarif. Nicht immer sind Handys mit aufladbarer Karte (prepaid) so günstig. Bei der Telekom-Tochter Congstar etwa zahlen Verbraucher mit 48 Cent das Doppelte für ein Megabyte.

Wer regelmäßig und umfangreicher im mobilen Internet unterwegs ist, kann monatliche Datenpakete buchen – beim Vertragshandy als Zusatzpaket zum Sprachtarif. Wer ohne Zeit- und Mengenbeschränkung mit dem Handy ins Internet gehen will, ist mit einer Flatrate am besten bedient. Diese bieten T-Mobile und Vodafone für 34,95 Euro im Monat an, E-Plus ist mit 25 Euro deutlich günstiger.

Entscheidend sollte bei der Tarifwahl nicht nur der Preis sein, sondern auch die verfügbare Übertragungsgeschwindigkeit und die zu nutzenden Dienste. Bei einigen Volumentarifen etwa ist es nur möglich, speziell für das Handy aufbereitete Wap-2.0-Seiten zu besuchen. Der Aufruf „ganz normaler“ Internetseiten kostet dann extra.

Beim Radiohören ist das Handy besonders gefräßig

Einen guten Überblick über die Datentarife gibt der Teltarif-Tarifrechner. Danach kosten 250 Megabyte bei E-Plus zehn Euro bei einer Mindestlaufzeit von einem Monat. Nach Verbrauch des Inklusiv-Volumens werden weitere 150 Megabyte zu 0,5 Cent abgerechnet. Danach fallen keine weiteren Kosten an. Damit ist E-Plus bei dieser Datenmenge der günstigste Anbieter. Zum Vergleich: Bei Vodafone kosten 300 Megabyte 19,95 Euro, und jedes weitere 49 Cent. Die Downloadgeschwindigkeit ist allerdings höher.

Schwierig wird es für viele Handy-Surfer sein, im Vorfeld abzuschätzen, wie hoch die Datenmenge ist, die monatlich anfällt. Verivox rät unerfahrenen Handy-Nutzern, zunächst einen niedrigeren Tarif zu testen, um später eventuell aufzustocken – vorausgesetzt, der Netzbetreiber bietet dies ohne Zusatzkosten an. Als Richtschnur gibt Verivox ein paar Beispiele: Der Aufruf einer kleineren Internetseite verbraucht etwa 100 Kilobyte, eine E-Mail mit einer Powerpoint-Präsentation als Anhang und mehreren komprimierten Bildern das Zehnfache, nämlich ein Megabyte. Beim Radiohören ist das Handy besonders gefräßig: 50 Megabyte sind es in der Stunde.

Sebastian F. freilich muss sich mit solchen Berechnungen nicht mehr auseinandersetzen. Nach dem teuren mobilen Surfversuch steht für ihn fest: Nie wieder mit dem Handy ins Internet.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: ddp

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