
Das einzige, was zuverlässig gegen Abhören hilft, ist Ende-zu-Ende-Verschlüsselung: Die Ver- und Entschlüsselung erfolgt auf Geräten, die unter der unmittelbaren Kontrolle der kommunizierenden Parteien stehen. In diesem Fall hieße das: Die jeweiligen Handys ver- und entschlüsseln, keine Station dazwischen kennt die Entschlüsselung, und vor Beginn der Verschlüsselung weisen sich die Geräte einander gegenüber aus, damit sich niemand dazwischenschalten kann. Über die Leitungen und Funkstrecken der Netzbetreiber ginge nur noch unverständliches.
Technisch ist das prinzipiell möglich. Schade nur, dass es so aussieht, als müssten wir es bald realisieren.

"Allein 2006 wurden auf diese Weise 40.915 Anschlüsse überwacht. Möglich wird das Mithören durch einen sogenannten IMSI-Catcher, kurz für „International Mobile Subscriber Identity“.
Hierzu muss jedoch erst einmal die Nummer des Verdächtigen bekannt sein. Bei Festnetzen ist das einfach: Es ist die Rufnummer des Telefonanschlusses in der zu überwachenden Wohnung. Mobiltelefone hingegen lassen sich nicht immer einer Person zuordnen".
Es wird der Eindruck erweckt, als seien über 40.000 MOBIL-Telefone abgehört worden. Das ist völlig unrealistisch. Zu diesem Zweck müssen sich in der Regel zwei Überwacher in Verfolgung und unmittelbarer Nähe des Anrufers befinden. Erstens gibt es dieses Personal nicht, zweitens gibt es sicher nur relativ wenige IMSI-Catcher.
Man muss also davon ausgehen, daß nur ein höchstens einstelliger Prozentsatz der 40.915 Abhörmaßnahmen (sehr fraglich ob richterlich legitimiert) sich auf Handys und der Rest auf Festnetztelefone bezieht.
Schon schlim genug, daß so viel insgesamt abgehört wird. Wer aber ungestört über Handy telefonieren will, wird kein Problem haben, sich mit dem Auto in den Wald oder die Landschaft zu stellen und jede Basisstation ist stärker als irgend ein unsichtbarer IMSI-Catcher.

Was viel schlimmer als das, dass deutschen Behörden die Möglichkeit gegeben wird Mobilfunkgespräche abzuhören, solange diese Aktionen rechtlich gedeckt sind, finde ich die Tatsache, das ja nicht nur das gesuchten/abzuhörende Telefon lahmgelegt wird sonder ALLE Geräte die sich im Sendebereich des IMSI-Catchers befinden. Dadurch ist es auch nicht mehr möglich mit diesen Geräten Notrufe abzusetzen und das in einem Umkreis von mehreren 100m! Außer dem, sind die Geräte von Rhode&Schwarz ja nicht nur den Deutschen Diensten zugänglich, sondern auch Ausländischen Organisationen und dass die sich um deutsches Recht wenig kümmer muss wohl nicht extra betont werden. Über kurz oder lang, davon bin ich überzeugt, werden die Geräte oder deren nachbauten, auch auf dem Schwarzmarkt auftauchen.

Was technisch möglich ist, ist nicht immer erlaubt.
Wer in der DDR gelebt hat, hat immer noch nach Jahrzehnten im Hinterkopf: Sage die wichtigen Sachen nicht über ein Telefon! Das wird natürlich von unseren Jungwischen heftig belächelt, denn jeder ist heute wesentlich naiver bzw vertrauensseeliger in seinem Denken als die Alten aus ihrer Lebenserfahrung waren.
Aber, was mich vielmehr interessiert, in einem Rechtsstaat muß eine Abhöraktion von einem Gericht begründet genehmigt werden, damit diese Erkenntnisse gerichtsmassig verwendet werden dürfen, danach Erkenntnisse vernichten. Ist diese rechtstaatliche Ordnung heute außer Kraft gesetzt? Ich höre bei der ganzen Diskussion nichts über die Gesetze zum Schutz des einzelnen Menschen.
Sollte das Grundgesetz nicht mehr gelten, dann nähern wir uns nach meiner Meinung rasant der Hitlerzeit gefährlich. Dieses Regierungssystem konnte damals auch alles mit den Menschen machen, da die Verfassung und die Menschenrechte außer Kraft gesetzt waren. Und alle Richter, die sich an die erlassenen Verordnungen und Gesetze hielten, gingen nach dem Krieg straffrei aus.
Wir weichen unsere Datenschutzgesetze immer mehr auf und dazu gehört das gesprochene Wort. Also - wehret den Anfängen!!!