Pocket-PC

Geballte Technik im Taschenbuchformat

Von Michael Spehr

16. Februar 2007 Wow, das ist ein dicker Brummer. Wer diesen Pocket PC mit Windows-Betriebssystem Mobile 5 das erste Mal in den Händen hält, ist beeindruckt. Zunächst von der schieren Größe: 133 × 97 × 20 Millimeter misst die Haupteinheit des Ameo von T-Mobile, und mit 300 Gramm ist sie auch verflixt schwer. Da führt die Bezeichnung „Taschencomputer“ schnell in die Irre. Ein zweites „Wow“ hört man, wenn es um die technischen Details geht: Etwa die hohe Bildschirmauflösung von 640 × 480 Pixel, die kaum ein anderer Pocket PC bietet. Oder die eingebaute 8-Gigabyte-Festplatte, die endlich genug Platz für Musik, Word-Dateien oder Excel-Tabellen im Einsatz unterwegs parat hält.

Und dann kommt die ultimative Entzückung beim Anbringen der mitgelieferten externen Mini-Tastatur. Sie ist 4 Millimeter flach und wird mit einem Magnet an der Seite des Ameo angesetzt. Das Display schaltet aufs Querformat um, und dann steht er da wie ein Mini-Notebook: ein Gadget für die Besprechung, das an Coolness wohl kaum zu übertreffen ist. Wer den Ameo gesehen hat, ist auf Anhieb von ihm fasziniert. Wir hatten ihn mehrere Wochen im Einsatz: Er hält, was er verspricht.

GPS-Empfänger und 3-Megapixel-Kamera

Zunächst zu den inneren Werten: Der Ameo hat zunächst die übliche Ausstattung aller Windows-Apparate: E-Mail- und Office-Software mit Word, Excel und Powerpoint für mobile Geräte sowie Datensynchronisation mit dem Windows-PC und Outlook. Er wird mit dem Stift bedient, die angeflanschte Tastatur ist eine Option, es geht auch ohne sie. Bei der technischen Ausstattung hat der taiwanische Hersteller HTC jedoch aus dem Vollen geschöpft: Die Telefonabteilung beherrscht nicht nur UMTS, sondern auch die beiden Datenturbos Edge und HSDPA. Darüber hinaus stehen Bluetooth und Wireless Lan parat. Man kann also im Büro oder zu Hause günstig und schnell die E-Mail abholen und unterwegs zumindest flink. Ein einziges Programm - der Comm-Manager - steuert sämtliche Funktechnik.

Der Prozessor ist ein ebenfalls schneller Intel Bulverde mit 624 MHz, 128 Megabyte Ram sind eingebaut. Nicht nur die Festplatte dient als externer Speicher, es gibt zudem auch einen Schacht für Mini-SD-Karten. Dazu kommt ein GPS-Empfänger (man braucht also nur noch die passende Navi-Software) und eine 3-Megapixel-Kamera, die durchaus ordentliche Bilder macht, wenn man einen ruhigen Finger beim Betätigen des schwergängigen Auslösers hat.

Fix an die Wand geworfen

Im täglichen Einsatz zeigten sich allerdings auch Einschränkungen: Telefonieren kann man mit dem Gerät nur über die eingebaute Freisprecheinrichtung, via Bluetooth oder mit Hilfe des beiliegenden Headsets, aber nicht direkt am Ohr. Ferner lässt sich die Startseite des Browsers nicht ändern. Es gibt auch keine sprecherunabhängige Sprachwahl oder Profile für verschiedene Situationen, geschweige denn einen Vibrationsalarm. Hingegen wird das Bluetooth-Sim-Access-Profil für beste Gesprächsqualität mit entsprechenden Fahrzeug-Anlagen unterstützt. Von diesen kleinen Minuspunkten abgesehen, hält der Ameo alles parat, was man unterwegs braucht. E-Mail-Konten sind dank eines Assistenten schnell eingerichtet (es gibt allerdings bei manchen Providern wie AOL Probleme mit der Zuweisung einer Postausgangs-Portnummer), die Datensynchronisation ist perfekt, und eine Blackberry-Software findet sich auf der beiliegenden CD.

Der Umgang mit Windows Mobile ist nicht ganz so einfach und selbsterklärend wie bei anderen Produkten. Aber selbst wenn man das Microsoft-Betriebssystem für Kleincomputer nicht mag, überzeugt einen doch seine Leistungsfähigkeit. Nicht zuletzt bringt der Ameo einige kleine Verbesserungen mit, etwa die Einstellung, dass mit dem „X“-Button ein Programm tatsächlich geschlossen (und nicht wie bei Mobile üblich: in den Hintergrund geschoben) wird. Noch wichtiger und besser ist der Opera-Browser fürs Internet, der vor allem in Kombination mit der großen Anzeige gefällt. Mit Hilfe eines Bewegungssensors kann man sich hier durch umfangreiche Seiten bewegen. Kippt man das Gerät nach unten oder zur Seite, rollt auch der Inhalt nach unten oder in die entsprechende Richtung. Derselbe Sensor aktiviert zudem einen Festplattenschutz, wenn das Gerät beispielsweise vom Tisch fällt. Ebenfalls praktisch ist ein kleiner Mini-Joystick am unteren Gehäuserand, mit dem man sehr schnell in allen Anzeigen und Listen navigiert. Und schließlich lassen sich sogar Präsentationen direkt vom Ameo auf den Beamer ausgeben.

Nichts für Vielschreiber

Enttäuscht waren wir, dass sich die Festplatte via USB nur dann vom PC ansprechen lässt, wenn Active Sync auf dem Rechner installiert ist. Schnell mal eben bei Kollegen oder Freunden seine Fotos, MP3-Titel oder Dokumente austauschen: das geht also nicht. Auch die Tastatur kann trotz ihrer pfiffigen Befestigung am Gerät nicht ganz überzeugen. Ein schnelles Tippen erlaubt sie nicht, die Umlaute sind gewöhnungsbedürftig verteilt. Da sollte der Hersteller doch mal einen Blick auf die Communicator-Modelle von Nokia werfen, mit denen man deutlich besser arbeitet. Lob verdient hingegen der Akku, der bis zu drei Tage durchhält - bei diesem großen Display und der geballten Funktechnik an Bord ist das eine sehr ordentliche Leistung.

Der Preis des Ameo beträgt 500 Euro mit Kartenvertrag. T-Mobile bietet ihn derzeit mit „Relax 100“ an, hier fallen jeden Monat allein 28 Euro Grundgebühr an, und das Gerät hat zudem einen Sim-Lock, lässt sich also nur im T-Mobile-Netz einsetzen. Mit 900 Euro ohne Kartenvertrag ist der opulente Alleskönner recht teuer. Ein Nokia Communicator 9500 (ohne GPS, UMTS und Festplatte, aber mit W-Lan) ist derzeit ohne Kartenvertrag für weniger als 400 Euro zu bekommen und deutlich kompakter. Wer sich für den Ameo entscheidet, sollte sich das Gerät zuvor wegen seiner opulenten Maße im T-Punkt ansehen.

Ein Notebook-Ersatz ist der Ameo in erster Linie für denjenigen Konsumenten, der passiv auf Daten, Musik, E-Mails und Internetseiten zugreift. Hier punktet das Gerät mit seiner Funktechnik, und dass es mit passender Software auch als Navi-System arbeitet, ist ein weiterer Pluspunkt. Für den Vielschreiber ist der T-Mobile-Mini wegen der Mini-Tastatur weniger geeignet. Gewiss kann man schnell eine kurze E-Mail verfassen. Aber beim Schreiben eines längeren Berichts wird man hier nicht glücklich. Alles in allem ist der Ameo aber ein schönes und faszinierendes Business-Tool, das zeigt, was derzeit alles möglich ist.



Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 11.02.2007, Nr. 6 / Seite V16
Bildmaterial: DIETER RÜCHEL, Hersteller

 
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