Von Michael Spehr
10. Juni 2007 Als Nokia vor genau einem Jahr das E61 auf den Markt brachte, waren wir von diesem Gerät im Blackberry-Format so begeistert, dass wir gleich eins gekauft haben. Bereut haben wir das nie. Der Apparat mit Mini-Tastatur ist vor allem für mobile E-Mail wunderbar geeignet.
Man sieht auf der großen Anzeige zehn Nachrichten mit Absender und Betreff, das Symbian-Betriebssystem ist modern und schnell, man kann Office-Dokumente lesen und bearbeiten, viel zusätzliche Software zur Nachrüstung steht im Internet parat. Nach einjährigem Dauereinsatz ist nur der etwas wacklige Akkudeckel und das dadurch bedingte Knarzen des Gehäuses beim Schreiben von SMS und E-Mail zu kritisieren.
Nicht die Finessen des N95
Nun ist der Nachfolger E61i im Handel. Wieder kostet er etwas weniger als 350 Euro. Wir waren also sehr gespannt. Er hat die gleiche Bauform, ist aber etwas flacher, und die wichtigsten Neuerungen sind sofort zu erkennen: Der Akkudeckel ist nun sehr stramm mittels zweier Schienen mit dem Gehäuse verbunden, und die Tasten haben ebenfalls einen straffen Sitz. Der Joystick des E61 ist einer Vier-Wege-Wippe mit Druckpunkt in der Mitte gewichen, und daneben gibt es zwei zusätzliche Tasten, von denen eine frei belegbar ist. Ob die ebenfalls neu hinzugekommene Kamera ein Gewinn ist, sei dahingestellt. Es ist ja schließlich ein Business-Modell, und in vielen Unternehmen ist die Mitnahme von Kamera-Handys untersagt. Auch Auflösung (2 Megapixel) und Bildqualität überzeugen nicht. Das E61i speichert nun seine Daten auf einer Micro-SD-Karte, es wird aber keine mitgeliefert. Und schließlich sei erwähnt, dass sich das Hinweis-Lämpchen an der Gehäusefront programmieren lässt.
Damit sind die wichtigsten Unterschiede schon auf den Punkt gebracht. Wir hatten gehofft, dass das E61i in Sachen Bedienung, Internet und E-Mail ebenso schnell ist wie das Nokia N95. Davon kann allerdings keine Rede sein. Das allgemeine Tempo entspricht genau dem Vorgängermodell. Auch die vielen kleinen Finessen des N95 hat man nicht übernommen, etwa den Mini-USB-Port zur PC-Anbindung.
Hier hätten wir uns mehr versprochen
Allerdings sollte man das E61i eher mit einem Blackberry oder Smartphone mit Microsoft-Betriebssystem vergleichen. Hier schlägt es sich im täglichen Einsatz als Kommunikationszentrale ganz hervorragend. Dank UMTS (HSDPA fehlt leider) und Wireless-Lan holt man neue Post schnell ab, liest Nachrichten in RSS-Feeds und kann sogar auf Internetseiten zugreifen, die mit Frames oder Java-Script bestückt sind. Hinsichtlich Ausdauer (bis zu vier Tage), Bedienung und Arbeitstempo ist das E61i einem Microsoft-Gerät weit überlegen, besonders wenn man an die fummelige Stiftbedienung der meisten Modelle denkt.
Ob das E61i besser ist als ein Blackberry? Das bleibt Geschmackssache. Zu erwähnen ist jedenfalls, dass sich das Nokia mit Blackberry-Software nachrüsten lässt. Insgesamt ist das E61i empfehlenswert. Ärgerlich bleibt jedoch, dass viele bekannte Fehler des Vorgängers nicht ausgemerzt wurden. Um hier nur einige aufzuzählen: dass zwei verschiedene Internet-Browser vorhanden sind, einer für Wap und einer für den Rest, dass Links in E-Mails mit dem falschen geöffnet werden. Oder dass der Audio-Rekorder maximal eine Minute aufnimmt und es keine automatische Tastensperre gibt. Die Sprachwahl berücksichtigt nur eine Rufnummer je Kontakt, ebenfalls nicht mehr Stand der Technik bei einem Business-Gerät. Hier hätten wir uns mehr versprochen.
Vermutlich stecken die Entwickler von Nokia derzeit alle Kraft in das E90, den neuen Communicator, der noch in diesem Monat auf den Markt kommen soll - und nach allem, was man hört, als Mini-Notebook für Manager neue Maßstäbe setzen wird.
Text: F.A.Z., 05.06.2007, Nr. 128 / Seite T2
Bildmaterial: Hersteller
