Es gibt Angebote, die man nicht ausschlagen kann. Zum Beispiel 2play von Unitymedia (früher iesy): Ein DSL-6000-Anschluss inklusive Internet- und Telefonflatrate lockt für nur 30 Euro im Monat. Für einen Euro mehr werden auch noch die Auslandsgespräche deutlich günstiger. Statt aus der Telefondose kommen Bits und Bytes nun per Kabelanschluss ins Haus. Die Installation übernimmt der Anbieter, die Hardware liefert er gleich mit. Telekom, adieu! Endlich! Doch der Wechsel vom Telefon- ins Kabelnetz birgt unvorhergesehene Schwierigkeiten.
Schon kurz nach Vertragsabschluss meldet sich ein Techniker, um einen Termin für die Installation des Kabelmodems zu vereinbaren. Ein paar Tage später steht das Gerät schon in der Wohnung - zusätzlich allerdings auch ein Netzteil, ein WLAN-Router für das Funknetzwerk, ein weiteres Netzteil, ein LAN-Kabel und zwei Telefonadapter. Da sich der Fernsehanschluss nun im Wohnzimmer befindet statt wie der alte Telefonanschluss im Flur, braucht es zudem ein zusätzliches Telefon-Verlängerungskabel (5,99 Euro). Und weil sich nun Fernseher, DVD-Rekorder, Kabelmodem, Telefon und WLAN-Router um zwei mickrige Steckdosen streiten, muss eine neue Mehrfachsteckdosenleiste her (4,99 Euro) - der Kabelsalat ist kaum noch zu bändigen. Um ihn wenigstens halbwegs hinter dem Vorhang zu verbergen, braucht es... ja, was eigentlich? Wie versteckt man elegant drei elektrische Kleingeräte und gefühlte hundert Meter Kabel nebst diversen Steckern und Adaptern?
Im Baumarkt nur ratlose Blicke. Ich entscheide mich für einen flachen Sicherungskasten aus Kunststoff (21,48 Euro) und einen schlichten Kabelkanal (4,98 Euro). Drei Stunden und acht Bohrlöcher später steht das Kunstwerk.
Mittlerweile naht der Stichtag für die Umstellung. Am Monatsersten, einem Freitag, habe ich tatsächlich Zugang zum Internet, aber das Telefon gibt keinen Laut von sich. Die Telekom hatte den alten Anschluss pünktlich abgeschaltet, der neue ist aber noch nicht aktiviert. Dabei hatte ich frühzeitig vier Wochen zuvor alles in die Wege geleitet und sogar noch einmal nachgefragt, was wäre, wenn vielleicht die sogenannte Portierung - die Mitnahme der alten Rufnummer zum neuen Anbieter - nicht reibungslos verliefe. Kein Problem, versicherte mir Unitymedia, denn dann würde eine Übergangsnummer vergeben bis die eigentliche Nummer verfügbar sei.
Die Telekom hatte die Mitnahme einer Einzelrufnummer schon schriftlich bestätigt und dafür sogleich 6,92 Euro in Rechnung gestellt, allerdings kein konkretes Datum für die sogenannte Portierung angegeben. Hat nun die Telekom geschlafen oder Unitymedia den Anschluss nicht rechtzeitig freigeschaltet?
Als das Telefon auch am Nachmittag noch tot ist, rufe ich wieder bei meinem neuen Anbieter an. Was los sei, wisse man auch nicht, aber ein Techniker werde sich melden. Allerdings sei es auch schon Freitagnachmittag, man müsse das verstehen, also vor dem Wochenende werde das wohl nichts mehr. Immerhin war das eine verlässliche Auskunft: Am Wochenende passierte tatsächlich nichts mehr.
Irgendwann im Laufe des Montags lässt sich das Telefon endlich das vertraute Freizeichen entlocken. Dafür gibt es Probleme bei der Inbetriebnahme des WLAN-Routers. Die Funkkarte des direkt vor dem Sender aufgestellten Laptops meldet hartnäckig keine oder eingeschränkte Konnektivität. Erster Anruf bei der Hotline des Herstellers D-Link. Aus ungeklärten Gründen werde die TCP/IP-Adresse nicht automatisch zugeteilt. Wahrscheinlich helfe es, die Karte umzukonfigurieren und eine Adresse manuell zuzuweisen. Die Idee war gut, das Problem aber hartnäckiger.
Neuer Anruf, neues Glück. Man möge bitte ein Firmware-Update vornehmen, heißt es jetzt. So nennt der Hotline-Techniker die Software, die den Router steuert. Gesagt, getan. Mittlerweile läuft das Biest mit der neuesten Firmware-Version, aber noch immer instabil: Mal wird eine Verbindung hergestellt, dann wieder nicht, und schließlich fliegt der Rechner ohne Vorwarnung wieder aus dem Netz.
Beim dritten Anruf bei der Hotline - immerhin entstehen kaum Wartezeiten - erhalte ich endlich den Tipp, den Funkkanal zu wechseln. Da gleich eine Handvoll WLAN-Router in meiner Umgebung funken, darunter auch Produkte desselben Herstellers, könnten die Geräte einander ins Gehege kommen. Vermutlich ein Treffer. Denn seit ich das Gerät von Kanal 6 auf Kanal 2 umgepolt habe, scheint die Verbindung stabil. Ob es auch so bleibt?
Der zweite Schreck kommt ein paar Tage später per Post: Unitymedia berechnet die Monatsgebühr vom Tag der Installation der Anschlussdose an, obwohl ich das Internet- und Telefonpaket ausdrücklich zum Monatsersten bestellt hatte - schließlich wollte ich nicht doppelt zahlen. Ein Servicemitarbeiter der Hotline muss mit sanft gesteigerter Hartnäckigkeit überzeugt werden, dass hier ein Fehler vorliegt, verspricht dann aber eine Rückerstattung. Immerhin war die Hotline schnell zu erreichen und mit 14 Cent je Minute auch nicht übermäßig teuer. Trotzdem: Warum zahlt der Kunde eigentlich selbst dann, wenn der Anbieter den Fehler verschuldet hat?
Rechnet man die Gebühren für diverse Anrufe bei diversen Hotline ein, bin ich unversehens noch einmal fast fünfzig Euro losgeworden. Dafür bin ich jetzt WLAN-Experte - und um eine Erfahrung reicher: Nächstes Mal werden die versteckten Kosten eines Systemwechsels vorher eingeplant.
Fast jeder hat schon mal nervige Erfahrungen mit Internet- und Telefonanbietern gemacht. Die Mitglieder der Redaktion von FAZ.NET sind da keine Ausnahme. Zugegeben: Nicht alles war immer völlig katastrophal. In loser Folge veröffentlichen wir die schlimmsten Erfahrungen - und auch ein paar vereinzelte gute Begegnungen.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: Cinetext/Marco, Unitymedia