Motofone F3

Kein Kult ohne Kraft

Von Marco Dettweiler

Dünner geht's kaum: Motofone F3

Dünner geht's kaum: Motofone F3

14. Mai 2007 Es sind schon seltsame Wege, die das Motofone F3 hinter sich hat. Anfangs für den indischen Markt entwickelt, wird das Mobiltelefon erst jetzt in Europa verkauft. Dabei warten Handynutzer schon lange auf ein günstiges Gerät, das zum Telefonieren und vielleicht noch SMS-Versand gut ist - und sonst nichts. Das ist jedenfalls die Idee, die hinter dem Motofone steckt. Ob es das wenige, das es kann, auch gut kann, muss sich zeigen.

Auf den ersten Blick sieht man dem Motofone F3 gar nicht an, dass es der Auftakt einer neuen Motorola-Serie mit günstigen und einfachen Modellen ist. Eher wirkt es wie ein Exemplar aus der bekannten Serie, die durch schlichtes und schlankes Design in Riegelform auffällt, wie etwa das bekannte L7. Doch schon beim Preis merkt der Käufer, dass der Handy-Hersteller ein echtes Einsteigergerät präsentiert. Nach einem aktuellen Handy für 49,95 Euro ohne Vertrag - bei Ebay „sofort & neu“ auch schon ab 40 Euro - sucht man bei den anderen Herstellern sehr lange.

Rudimentärer SMS-Versand

Schick und schlank

Schick und schlank

Spätestens beim Blick auf das Schwarz-Weiß-Display fällt auf, dass das F3 nicht so komfortabel wie übliche Handys ist - und es auch nicht sein will. Allein schon eine Aussage über die Auflösung des „elektrophoretischen“ Displays hat keinen Sinn. Zahlen und Buchstaben erscheinen einzeilig und riesig groß, ihre LCD-Darstellung erinnert an die Schrift von alten Taschenrechnern oder Digitaluhren. Mehr als sechs Zeichen passen nicht auf das Display, bereits für längere Wörter muss nach rechts gescrollt werden.

Doch die grobe und sperrige Darstellung hat einen Vorteil: Sie ist kontrastreich und lässt sich auch bei direktem Sonnenlicht sehr gut ablesen. Der Grund ist, dass das Handy eben in heißen und sonnigen Ländern verkauft werden sollte. Aus diesem Vorteil der guten Lesbarkeit folgt direkt ein Nachteil bei der Handhabung: Die Schrift ist sehr gewöhnungsbedürftig, zudem kann sie bestimmte Zeichen nicht abbilden. Die eingegangene SMS „:-) Größenwahn!“ mit dem sehr verbreiteten „Smiley“ sieht so aus: „< - - GRoESSENWAHN -“.

Außerdem fehlt die T9-Texteingabe (die automatische Vervollständigung von Wörtern), Umlaute lässt das Motofone auch nicht zu, im geschriebenen Text kann man nicht hin- und herspringen. Weiteres Manko: Gesendete SMS werden nicht gespeichert. Nicht alle SMS-Schwächen sind durch die Display-Funktionalität zu erklären. Insofern muss man Motorola den Vorwurf machen, hier nicht konsequent genug entwickelt zu haben.

Die Sprachqualität ist gut

Mit welchen Funktionen könnte das Motofone nun noch überzeugen? Mit der Sprachqualität zum Beispiel. Die ist gut. Allerdings vibriert manchmal das Gehäuse, wenn das Gegenüber lauter spricht. Das kann manchmal stören. Doch es gibt teure Handys, deren Sprachqualität wesentlich schwächer ist. Auch über die Menüführung kann man sich nicht beschweren. Es gibt wenig zu bedienen, deswegen findet man sich schnell zurecht. Es tut mal wieder gut, ein minimalistisches Menü zu bedienen, das sehr logisch aufgebaut ist. Die Druckpunkte der Tasten sind angenehm.

Auch die Verarbeitung macht einen soliden Eindruck. Motorola wirbt damit: „Die extrem staubabweisende Verarbeitung ermöglicht eine lange Lebensdauer des Gerätes selbst unter schwierigsten Umweltbedingungen.“ Ob das Handy wirklich so unverwüstlich ist, wird sich erst nach ein paar Jahren zeigen. Die ersten Erfahrungen deuten daraufhin, dass sich die Herstellerangabe durchaus bewahrheiten könnte.

Magere Ausstattung

Klar und deutlich: das Display in LCD-Darstellung

Klar und deutlich: das Display in LCD-Darstellung

Was fehlt - aber nicht kritisiert werden kann -, ist die mittlerweile übliche Ausstattung, denn es gehört natürlich zum Konzept, dass Motorola nur die wesentlichen Funktionen eingebaut hat. Außer Telefonieren mit Telefonbuch, der Liste von ein- und ausgehenden Anrufen, Vibrationsbereitschaft und SMS-Versand, bleibt nur noch eine Weckfunktion. WAP, Datenschnittstelle, Java-Applikation, Kamera oder UMTS sind nicht integriert.

Das Motofone F3 hätte ein Kult-Handy werden können. Oder etwas sachlicher ausgedrückt: Ein billiges Handy für alle, die schickes Design schätzen, keinen Knochen in der Hosentasche haben wollen und ab und zu mal telefonieren. Die manchmal unbequeme SMS-Funktionalität wäre zu verschmerzen.

Sehr schwacher Akku

Doch Motorola hat eine Schwäche zugelassen, die bei solchen Modellen einfach nicht auftreten darf: die geringe Leistung des Akkus. Die Energieversorgung hält nur wenige Tage bei kurzen Telefonaten und seltener Bedienung. Da normalerweise bei modernen Handys das hell leuchtende und bunte Display dafür verantwortlich ist, dass der Akku schnell nachlässt, ist diese Schwäche umso ärgerlicher.

Motorola hat mit dem Motofone F3 ein sehr interessantes Handy-Konzept auf den Markt gebracht. Wer ein billiges Gerät braucht, weil er von seinem Anbieter kein subventioniertes bekommt, muss mit knapp 50 Euro nicht viel Geld ausgeben. Für Telefonieren ist es auch bestens geeignet, SMS-Fans werden irgendwann genervt sein, allerdings kann man sich daran gewöhnen. Die Menüführung ist logisch und übersichtlich. Bis dahin hat Motorola vieles richtig gemacht. Doch einen solch schwachen Akku mitzuliefern, lässt das Konzept scheitern. Zudem fragt man sich, wie man ein Handy für Entwicklungs- und Schwellenländer entwickeln kann, das alle drei oder vier Tage eine Steckdose braucht.

Text: FAZ.NET
Bildmaterial: Hersteller

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