Photo-Handy

So schnell waren die Fotos noch nie im Netz

Das Kamerahandy K800i von Sony Ericsson mit guten Schnappschüssen, nicht nur für Bild-Blogger

Von Michael Spehr

Photo-Handy mit 3,2 Megapixel

Photo-Handy mit 3,2 Megapixel

03. Juli 2006 Daß sich über kurz oder lang Digitalkamera und Handy zu einem Gerät verbinden, haben wir hier schon oft geschrieben. Bisher war der Fotoapparat im Handy allerdings eher schnappschußtauglich und keine Alternative zur eigenen Kamera, wenn es um das Festhalten schöner Momente ging. Nun ist das anders. Mit dem Sony Ericsson K800i gelingen Fotos in einer Auflösung von bis zu 3,2 Megapixel, die für den privaten Bedarf vollkommen ausreichend sind. Oder, andersherum: Wir hatten gleichzeitig eine kleine Digitalkamera in der 500-Euro-Preisklasse dabei, und die lieferte keine besseren Fotos.

Das K800i für 450 Euro ohne Kartenvertrag ist die Weiterentwicklung des K750i, das bereits verflixt gute Bilder schoß. Jetzt haben die Leute von Sony Ericsson die Auflösung erhöht, die Optik und den Autofokus verbessert, ihm ein Hilfslicht für dunkle Umgebung spendiert, viele Motivprogramme dazugepackt, ferner einen halbwegs brauchbaren Blitz und etliche Details eingebaut, die man sonst nur bei "richtigen" Kameras findet. Etwa einen Selbstauslöser, die Einstellung des Weißabgleichs, einen Makromodus, Verwacklungsschutz und zwei Meßmethoden für die Belichtung.

Was man vergeblich sucht, ist die manuelle Vorgabe von Blende und Belichtungszeit sowie ISO-Empfindlichkeit. Aber das können viele Digitalos aus der Einsteigerklasse auch nicht. Die Bildqualität ist nicht nur bei Außenaufnahmen gut. In geschlossenen Räumen bekommt man ebenfalls ordentliche Resultate, sogar ohne Blitz, wenn man den Nachtmodus aktiviert. Für sich bewegende Motive gibt es eine Best-Pic-Funktion, die 9 Aufnahmen in Serie schießt, die beste läßt sich speichern. Das alles überzeugt. Kleine Wermutstropfen: Der Autofokus ist langsam. Weiterhin muß man eine Speicherkarte dazukaufen, und man hat sich dafür wieder einmal ein ganz neues Format ausgedacht, das nun Memorystick Micro heißt.

Fotohandy: Das bedeutet nicht nur, daß man sich den Kauf einer einfachen Digitalkamera sparen kann und immer einen Fotoapparat dabei hat. Aus der Verknüpfung mit dem Mobilfunk entstehen ganz neue Perspektiven, vor allem hinsichtlich des mobilen Bloggens. Weblogger stellen ihre Texte ins Internet, und mit der Blog-Funktion des K800i landen noch während der Party die besten Fotos im Netz. Dazu werden die Aufnahmen kleingerechnet (bleiben aber in ursprünglicher Auflösung im Gerät erhalten) und via GSM oder UMTS versandt. Selbst im GSM-Netz dauert das nur ein paar Sekunden. Man kann mit der Tastatur kurze Texte zusätzlich verfassen, und das alles klappt prima. Auch hier gibt es jedoch einen Haken: Das Blog muß bei blogger.com liegen, einer Tochter von Google, oder künftig bei einem der Netzbetreiber. Es lassen sich keine anderen Blogs auswählen. Wer sich das Ganze ansehen will, werfe einen Blick auf http://spehr.blogspot.com.

Was die übrige Handy-Ausstattung betrifft, folgt das K800i dem bewährten K750i: Es ist vollständig ausgestattet mit E-Mail-Software, Internet-Browser, MP3-Wiedergabe, Bluetooth. Dank UMTS gelingt der Abruf neuer Nachrichten etwas schneller, was noch fehlt, sind ein Leseprogramm für Word- oder Excel-Dateien, eine Sprachwahl ohne vorheriges Anlernen und ein W-Lan-Modul. Neu dazugekommen ist ein RSS-Reader, der unterwegs das Lesen von Schlagzeilen oder Weblogs erleichtert. Wer das Vorgängermodell kennt, kommt mit der Bedienung schnell zurecht, und das Display mit einer Auflösung von 240 x 320 Pixel begeistert. Daß das Neue nun etwas größer (105x47x22 Millimeter) und schwerer geworden ist (115 Gramm), ist ein kleines Zugeständnis an den technischen Fortschritt. Auch muß man sich daran gewöhnen, daß der Akku bei intensiver Nutzung schon nach zwei, drei Tagen erschöpft ist. Aber alles in allem ist das K800i ein Meilenstein bei den Fotohandys. Kein anderes Gerät liefert so gute Bilder und ist im Alltagsgebrauch so ausgereift und zuverlässig.

Text: F.A.Z., 04.07.2006, Nr. 152 / Seite T2
Bildmaterial: AFP

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2009.
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte erwerben
Verlagsinformation

Mit einer Rechtsschutzversicherung sichern Sie sich vor hohen Anwalts- und Gerichtskosten ab. Jetzt vergleichen!

FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche