„Mail for Exchange“

Nokia bringt Outlook vom Büro auf das Handy

Von Michael Spehr

Unser Versuchsobjekt: Das Nokia E90

Unser Versuchsobjekt: Das Nokia E90

17. November 2007 An allen Ecken und Enden wird es eng für die Blackberrys. Das ungemein praktische Push-Verfahren des kanadischen Herstellers Research in Motion hat sich nicht nur weithin durchgesetzt, sondern mittlerweile auch Dutzende von Nachahmern gefunden. Dabei wird die E-Mail, die auf einem Unternehmensserver oder im privaten Postfach eintrifft, sofort an das Handy oder den Taschencomputer weitergeleitet. Wenn man irgendwo gerade eine Pause einlegt - sei es an der Bushaltestelle oder abends auf dem Sofa -, nimmt man nur das Gerät zur Hand und sieht sofort sämtliche neue Post. Das Verfahren ist ausgereift, sicher und zuverlässig. Aber die Konkurrenz schläft nicht. Jetzt hat Nokia sein „Mail for Exchange“ modernisiert und in einer neuen Version 2.0 vorgelegt. Es arbeitet mit allen Modellen aus der E-Serie und einigen aus der N-Reihe zusammen und lässt sich unentgeltlich laden (www.businesssoftware.nokia.com). Wir haben es mit dem E90 ausprobiert.

Diese Software stellt eine permanente Synchronisation zwischen dem Outlook im Büro und dem Handy her. Damit das Ganze funktioniert, braucht man einen Server, der mit Microsofts Exchange 2003 und Service Pack 2 oder Exchange 2007 bestückt ist. Das dürfte in den meisten Unternehmen der Fall sein, man kann einen solchen Server aber auch als privater Nutzer oder Selbständiger aufziehen. Will man einen beruflichen Anschluss in der Firma mit dem Handy synchronisieren, braucht man zunächst einen Zugang aus der Ferne mit einem Login. Ist die Nokia-Software auf dem Handy installiert, erstellt man mit seinen Login-Daten ein Profil auf dem Gerät. Die wichtigsten Parameter sind dabei der Name des Exchange-Servers (meist identisch mit der Start-Adresse von Outlook Web Access), Benutzername und Kennwort. Ferner gibt man einen Zugriffspunkt an, also typischerweise die bestehende Internetverbindung.

Längere Übertragungszeit und höhere Kosten

Viele Nokias bieten auch Wireless-Lan, es lässt sich hier ebenfalls angeben, allerdings bricht dann die Verbindung ab, sobald man den Sendebereich des Routers verlässt. Das Nokia-typische Menü „immer fragen“ (um zu Hause das günstige W-Lan zu wählen und unterwegs die Mobilfunkverbindung) fehlt leider in „Mail for Exchange“. Es lässt sich nur ein Zugangspunkt einstellen, ein automatischer Wechsel zwischen W-Lan und Mobilfunk - wie bei den Windows-Mobile-Geräten - ist nicht vorgesehen. Sind die ersten Hürden der Konfiguration genommen, kann man synchronisieren. Bei uns gab es gleich eine Fehlermeldung: Es fehle ein Sicherheitszertifikat. Dieses ließen wir uns von der IT-Abteilung zukommen, eine kleine CER-Datei, die sich automatisch auf dem Handy installiert. Bevor man zur Tat schreitet, gilt es zu überlegen, was man synchronisieren will. Nur die E-Mail oder auch Kalendereinträge, Aufgaben und Kontakte? Und was ist dann mit den bestehenden Einträgen auf dem Handy oder Taschencomputer? Bestenfalls wird alles zusammengemischt, schlimmstenfalls entsteht ein riesiges Durcheinander. Wir empfehlen, zunächst nur die E-Mail abzugleichen. Dabei kommt es nicht zu einem Chaos mit vorhandenen Nachrichten auf dem Mobilgerät, weil ein eigener Exchange-Ordner in den „Mitteilungen“ angelegt wird.

Wenn der Datenabgleich klappt, ist trotzdem eine gewisse Vorsicht angebracht: Was man auf dem Nokia löscht, verschwindet auch auf dem Server. In „Mail for Exchange“ lässt sich einstellen, dass nur Nachrichten der letzten Tage oder Wochen abgeholt werden, und ein sehr flexibler Zeitplan hilft, Übertragungskosten zu sparen. Mit „Immer ein“ bleibt die Verbindung zum Server stets an, es gibt also eine sofortige Push-Mail-Zustellung. Wer das nicht unbedingt braucht, nimmt ein Abrufintervall (“alle 30 Minuten“) und kann auch eine „Nebenzeit“ für abends und das Wochenende mit längeren Intervallen programmieren. Vom Gerät verschickte Nachrichten werden mit dem Server synchronisiert, sind also dort unter „Gesendete Objekte“ sichtbar. „Mail for Exchange“ handhabt auch Besprechungsanfragen und E-Mail-Anhängsel wie Word-Dokumente oder Excel-Tabellen. Sie werden allerdings nicht - wie beim Blackberry-System - von einem zwischengelagerten Server aufbereitet und in kompakter Form versandt, sondern landen im Originalformat auf dem Endgerät. Das bedeutet: längere Übertragungszeit und höhere Kosten. Ferner bietet „Mail for Exchange“ ein Menü, um das Unternehmensadressbuch auf dem Server zu durchsuchen.

Gute Alternative zum Blackberry

Was fehlt, ist eine Reihe von Kleinigkeiten: Auf Unterordner im Outlook-Posteingang kann man nicht zugreifen. Hat eine Outlook-Regel die neue Nachricht in einen solchen Ordner verschoben, landet sie nicht auf dem Handy. Das kann allerdings auch vorteilhaft sein (um beispielsweise alle E-Mails auszusortieren, bei denen man nicht der direkte Empfänger ist). Outlook-Notizen werden nicht synchronisiert, und es gibt Probleme bei ganztägigen Terminen. Ferner fehlt ein Zugriff auf E-Mail-Verteilerlisten. Alles in allem ist jedoch „Mail for Exchange“ ein Gewinn. Es arbeitet sehr stabil und ist eine gute Alternative zum Blackberry. Wer das Programm einsetzt, sollte einen Zusatzvertrag für die Datennutzung abschließen. Sonst kostet schon ein Megabyte mehr als 20 Euro, und bei intensiver Nutzung fallen 30 bis 100 Megabyte im Monat an.

Text: F.A.Z., 13.11.2007, Nr. 264 / Seite T2
Bildmaterial: Hersteller

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