US Open

Platz für neue Gesichter

Von Peter Penders, New York

Sie spielte zwar nicht wie eine Nummer eins, erreichte aber Runde zwei: Dinara Safina

Sie spielte zwar nicht wie eine Nummer eins, erreichte aber Runde zwei: Dinara Safina

02. September 2009 Spielt so eine Nummer eins? Dass dieser Platz in der Weltranglisten eigentlich Serena Williams gebührt, ist nicht nur für Amerikaner ein klarer Fall, aber die Titelverteidigerin bei diesen US Open wird vom Computer eben nur als die zweitstärkste Spielerin ausgewiesen. Auf die Frage, wer ist die stärkste im ganzen Land, gibt es seit Mai immer dieselbe Antwort, nämlich Dinara Safina.

Im Gegensatz zur ihrer amerikanischen Konkurrentin, die unter anderem mit ihren Siegen im vergangenen Jahr in New York und 2009 in Melbourne und London drei der letzten vier wichtigsten Veranstaltungen gewonnen hat, kann die Russin aber noch keinen einzigen Grand-Slam-Titel vorweisen. Zuletzt wurde sie im Wimbledon-Halbfinale von der älteren Williams-Schwester Venus beim 0:6, 1:6 ziemlich gedemütigt, aber sie blieb, was sie ist: Die angeblich beste Tennisspielerin der Welt.

Kristina Barrois fordert nun Dinara Safina heraus

Kristina Barrois gewann gegen Urszula Radwanska aus Polen in zwei Sätzen

Kristina Barrois gewann gegen Urszula Radwanska aus Polen in zwei Sätzen

Davon war bei ihrem ersten Auftritt in New York allerdings wieder nicht viel zu sehen, auch wenn ihr nebenbei beinahe etwas Historisches gelungen wäre. Gegen die Australierin Olivia Rogowska, die in der Weltrangliste nur auf Platz 167 geführt wird und deshalb nur wegen des Freifahrtscheins in Form einer wild card überhaupt mitmachen darf, stand sie gleich dicht vor dem Ausscheiden. Im dritten Satz lag die Russin schon 1:3 und 2:4 zurück, profitierte danach mehr von der Fehlerquote ihrer ob des drohenden Erfolges plötzlich übernervösen Gegnerin und konnte den Satz noch die Wende zum 6:4 geben. So früh aber wäre in der Profizeit noch nie eine an Nummer eins gesetzte Spielerin in New York ausgeschieden - die Bestmarke hält damit weiterhin Ana Ivanovic, die es im vergangenen Jahr in Runde zwei erwischte.

In genau dieser Runde hat nun die deutsche Fedcup-Spielerin Kristina Barrois die Chance, sich mit der vermeintlichen Top-Spielerin zu messen. Die 27-jährige Barrois, in der Weltrangliste an Platz 67 notiert, besiegte in ihrem Auftaktmatch Urszula Radwanska (Polen) mit 6:4, 6:4 und trifft nun auf Safina.

Die Damentour aber ist so weiterhin auf der Suche nach so Aufsehen erregenden Duellen, wie sie zuletzt die Herren boten. Hinter den Williams-Schwestern tut sich mit Ausnahme der Russin Jelena Dementjewa nicht viel, und auch das erfolgreiche Comeback der Belgierin Kim Clijsters wirft einige Fragezeichen auf die Szene. Die ehemalige Weltranglistenerste pausierte 18 Monate, kehrte in diesem Monat zurück und besiegte auf Anhieb gleich ein paar Gegnerinnen, die zur Weltspitze zählen.

Sabine Lisicki wird sich zumindest nicht verschlechtern

Da aber scheint nur Platz für neue Gesichter zu sein, und eins davon möchte gerne die Berlinerin Sabine Lisicki sein. Ob das Talent dazu reicht, wird sich noch weisen, an der Einstellung und dem Willen aber wird es gewiss nicht hapern. Nach mehrwöchiger Verletzungspause gewann sie ihr Auftaktspiel gegen Aravane Rezai mit einiger Mühe 7:6, 6:7 und 6:1, aber die Französin ist mit Weltranglistenposition 38 auch nur 13 Ränge schlechter eingestuft und somit fast eine Gegnerin auf Augenhöhe. „Dass ich hier überhaupt spiele, ich ein Geschenk für mich“, sagt die ehrgeizige Deutsche, die wegen der Probleme mit ihrer Schulter fürs erste ihren Aufschlag umstellen musste. Damit aber ist ihr eine der größten Waffen in ihrem Spiel genommen, allerdings soll es ja nicht gleich für immer sein. „Wir wissen, wo die Probleme herkommen“, sagte Sabine Lisicki, behielt dieses Wissen aber hartnäckig für sich.

Auch so aber wird sie sich nach New York in der Weltrangliste zumindest nicht verschlechtern - im vergangenen Jahr war nach Runde zwei Schluss, diesmal könnte es sogar weiter gehen, womit sie in der Weltrangliste von Platz 25 aus weiter voran käme. Ihre nächste Gegnerin, die für Australien spielende Russin Anastasia Rodionova, wird in der Weltrangliste 114 Plätze hinter geführt, das könnte also auch mit einem noch ungewohnten neuen Aufschlag machbar sein. „Außerdem“, sagt Sabine Lisicki, „gewöhnt man sich ja an alles“ - warum also nicht an eine neue Aufschlagbewegung, auch wenn vor den US Open zum Üben nur fünf Tage Zeit blieben. „Die anderen haben gespielt, ich habe Fitness trainiert“, sagt die Neunzehnjährige zur ihrer Vorbereitung, was aber im Damentennis nicht sofort zwingend ein Nachteil sein muss.

Pech mit der Auslosung für Görges und Grönefeld

Julia Görges schied gegen Swetlana Kusnezowa aus

Julia Görges schied gegen Swetlana Kusnezowa aus

Eine Gegnerin, die auf Platz 139 geführt wird, das wäre auch mal ganz nach dem Geschmack von Julia Görges, und es müsste nicht einmal in Runde zwei sein. Wie schon so oft, war Losglück für die 20 Jahre alte Schleswig-Holsteinerin aus Bad Oldesloe ein Fremdwort: In Melbourne hatte sie gleich gegen die damalige Weltranglistenfünfte Ana Ivanovic antreten müssen, in Wimbledon gegen die Weltranglistensechste Jelena Jankovic und nun in New York mit der French-Open-Siegerin Svetlana Kusnezowa wieder gegen eine Weltranglistensechste. Das 3:6 und 2:6 relativiert sich da, die Deutsche hielt phasenweise gut mit. „Es ist wichtig, dass ich mein Spiel mache und versuche, mich zu verbessern“, sagt sie, allerdings bringen Erstrundensiege bei Grand-Slam-Turnieren jemanden schneller voran, der auf Platz 92 geführt wird.

Weil sie sich verbessern will, spielt sie auch Doppel in New York, aber das Pech blieb ihr treu: Mit ihrer spanischen Partnerin trifft sie auf die an Position vier gesetzten Williams-Schwestern, von denen jeder annimmt, dass sie eigentlich das beste Doppel der Welt sind. Nur der Computer sagt wieder etwas anderes.

Ganz gut in Form, aber es hat nicht gereicht: Anna-Lena Grönefeld

Ganz gut in Form, aber es hat nicht gereicht: Anna-Lena Grönefeld

Auch Anna-Lena Grönefeld (Nordhorn) ist ausgeschieden. Mit 3:6, 2:6 unterlag die 24-Jährige der an Nummer 21 gesetzten Chinesin Jie Zheng, die im fünften Vergleich den vierten Sieg feierte. Dennoch durfte die weiter verbesserte Fed-Cup-Spielerin mit ihrem Auftritt in New York durchaus zufrieden sein. Um acht Kilo leichter und damit erheblich beweglicher hielt sie gegen die stark aufspielende, zwei Jahre ältere Jie Zheng prächtig mit. Nur in den entscheidenden Momenten war die Weltranglisten-49. zu ungestüm und überhastet. „Ich hätte ihr eine bessere Auslosung gewünscht“, sagte Fed-Cup-Chefin Barbara Rittner. Mit der Leistung Grönefelds war sie absolut einverstanden. „Wenn sie so weiter macht, wird sie bald auch wieder mit den Besten mithalten.“

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa, REUTERS

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09.02.2010 | 17:45
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