19. Februar 2009 Larry Scott, der Chef der WTA Tour, hat markige Worte gewählt. Der Empörung und Verärgerung der Dachorganisation des Profitennis der Damen über die Einreiseverweigerung für die Israelin Shahar Peer werde ein deutliches Signal folgen (siehe auch: Tennis-Eklat in Dubai: Rückzug von Fernsehpartner und Sponsor). Es kann nur heißen: Politisch motivierte Aussperrungen von Turnieren können nicht geduldet werden.
Bleibt als Konsequenz nur die Alternative: Entweder finden künftig keine Damen- oder Herren-Tennisturniere mehr in Dubai statt, oder die Regierung der Vereinigten Arabischen Emirate erklärt verbindlich, dass in Zukunft allen Profis, egal welcher Nationalität, die Teilnahme und Einreise erlaubt wird, sofern sie sportlich qualifiziert sind.
Bei Visumsverweigerung wäre Dubai nicht mehr zu halten
Die Nagelprobe, ob eine solche Zusage auch in der Realität Bestand hätte, kann schon in der kommenden Woche folgen, wenn der israelische Doppelspezialist Andy Ram beim Herrenturnier in Dubai antreten will. Sollte auch ihm ein Visum verweigert werden, wäre der Tennisstandort Dubai kaum mehr zu halten.
Denn nicht nur die jüdische Lobby in den Vereinigten Staaten will die arabische Willkür nicht hinnehmen. Der Spartenkanal Tennis Channel hat seine Übertragung vom Damenturnier schon abgebrochen. Der Titelsponsor, die Barclays Bank, ist unter Druck geraten, dem Beispiel des Wall Street Journal zu folgen und sein finanzielles Tennis-Engagement am Persischen Golf zu beenden.
Fühlt sich Qatar verpflichtet und gibt das Turnier zurück?
Das alles bringt die WTA Tour in eine heikle Lage, denn sie ist in den vergangenen Jahren dem Lockruf der Petrodollars gern gefolgt. Das Abschlussturnier der WTA Tour findet auch in diesem Jahr vom 27. Oktober bis 1. November in Doha in Qatar statt. Derzeit liegt Shahar Peer im Qualifikationsrennen, dem Race to Doha, nur auf dem 35. Platz. Die Chance, dass sich die 45. der Weltrangliste am Ende des Jahres unter den acht besten Damen befindet, scheint also gering.
Aber auch wenn die Qatarer vermutlich nicht in die Bedrängnis geraten werden, ihre Solidarität mit den Palästinensern durch eine Visumsablehnung für die ehemalige israelische Soldatin Shahar Peer zu demonstrieren, so bleibt doch die Gefahr, dass bei einer Streichung der Dubaier Turniere aus dem Kalender Qatar sich einer anderen arabischen Allianz verpflichtet fühlt und die Veranstaltung zurückgibt.
Dem Amerikaner Scott und seiner WTA Tour bleibt nur die Hoffnung, dass Dubai in Sachen Ram klein beigibt, sich öffentlich entschuldigt, vielleicht noch an eine Menschenrechtsorganisation eine erkleckliche Summe spendet - und dabei auch daran denkt, dass die gesamte Region ihre großen sportlichen Ambitionen, die bis hin zu einer Olympia-Bewerbung reichen, nicht durch politisch motivierte Aussperrungen selbst torpedieren kann.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP