Von Jörg Hahn
06. Juli 2008 Auf dem Prüfstand stehen nicht nur die Tour de France und der Radsport, zu bewähren haben sich auch - zumindest hierzulande - die Fernsehsender. Ein Jahr nach dem Dopingdebakel und dem Ausstieg aus der Live-Berichterstattung wollen und müssen ARD und ZDF beweisen, dass sie es ernst meinen mit ihrem Null-Toleranz-Kurs. Den Auftakt machte das ZDF, mit Grundsatzerklärungen von Chefredakteur und Radsport-Chefreporter.
Ihre Ausführenden klangen nachdenklich und glaubwürdig. Chefredakteur Brender erlaubte sich jedoch auch einen triumphierenden Unterton, nach dem Motto: Dank uns, dem Fernsehen, geht die Dopingbekämpfung voran. Veranstalter seien vertraglich verpflichtet, dem Fernsehen Sport zu liefern und nicht eine Chemie-Veranstaltung. Das wollen auch die Zuschauer nicht. Und die Veranstalter der Tour de France hätten verstanden, dass der Ausstieg im letzten Jahr ein Schuss vor den Bug war. Der zweite Schuss geht in den Bug, und dann ist's auch zu Ende.
Später am Abend: der erweiterte Bericht
Die Kommentare zu den Rennbildern klangen distanzierter als früher, weniger emotional. Optimistisch endete die Sendung am späten Nachmittag, als in einem Bericht die Dopingkontrollen nach der ersten Etappe in Plumelec untersucht wurden. Erster Befund: alles in Ordnung. Mangelhafte Kontrollen waren vor einem Jahr ja als einer der Hauptgründe für den Sendeboykott genannt worden.
Wer nun glaubte, alles gesehen und gehört zu haben, der irrte. Später am Abend war in den ZDF-Nachrichten ein neuer, erweiterter Bericht über die Dopingkontrollen in Plumelec zu sehen, und der Autor musste seine Einschätzung vom Nachmittag korrigieren. Von einem völlig orientierungslosen Kontrolleur und von einer peinlichen Panne sprach der Reporter jetzt, von genug Zeit für mögliche Manipulationen: Manuel Beltran, der spanische Radprofi vom Team Liquigas, sei 18 Minuten nicht auffindbar für einen Test gewesen.
Verantwortlich für die Schadensbilanz ist der Sport
Das lädt zu Spekulationen ein. Wer nicht den ganzen Tag bei ein und demselben Sender zugeschaut hat - und wer tut das schon? - kennt diese Fakten nicht. Verwirrende Details und gedrosselte Emotionalität sind schon jetzt ein Problem für die Live-Sportberichterstattung im (öffentlich-rechtlichen) Fernsehen. Sport lebt schließlich nicht zuletzt von Unmittelbarkeit, Nähe, spontanen Gefühlen.
Einerseits geht es für die Reporter ja gar nicht mehr anders, als sich ständig abzusichern, wie es auch die ARD-Crew am Sonntag tat (Ausgerechnet Valverde in Gelb: Mir wären zehn geläuterte Jaksches oder Sinkewitz' lieber als ein unter großem Verdacht stehender Valverde). Andererseits: Wenn Medien und Fans nicht mehr dieselbe Sprache sprechen, bleibt der Spaß auf der Strecke. Auch das ist Teil der Schadensbilanz des Dopings. Die Verantwortung dafür liegt indes beim (Rad-)Sport.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: ZB
6:0 in Liechtenstein: Podolski bringt die deutsche Elf in ![]()
US Open: Federer siegt - und jagt nun einen uralten Rekord
Deutschland-Tour: Linus Gerdemann wird Vierter - und triumphiert dennoch
Eröffnung: Sympathische Einstimmung auf Pekings zweite Festspiele
Chinas Umgang mit Behinderten: Wenn ein Handicap zur Katastrophe wird
Wie haben Ihnen die Olympischen Spiele von Peking gefallen?