
Auch den Bayern, die sich ihre Position in harter Arbeit über viele Jahre erarbeitet haben, wird heute oft ähnlich begegnet. Auch ihnen wirft man ja vor, dass sie mit ihrem ganzen Geld Starmannschaften zusammenkaufen. Aber elf Spieler machen noch keine Mannschaft. Diese Erkenntnis sollte eigentlich das Begriffsvermögen keines Fußballfans übersteigen. Und doch scheinen viele zu glauben, dass mit Geld alles möglich ist. Dabei wird beim Fußball so deutlich wie an wenigen anderen Stellen: entscheidend ist, was die Menschen tun. - Auch mit Prognosen der Art, die Hoffenheim Identifikationspotential für alle Zukunft absprechen, wäre ich sehr vorsichtig. Erfolg macht sexy - auch im Fußball.

Wer auf einen Menschen schießt und ihn tötet, ist ein Mörder. Wer dazu aufruft, gehört eingesperrt. Wer Mordhetze verteidigt, hat von der Zivilisation nichts verstanden; diese beruht auf dem Gewaltmonopol des Staates. Wer zur Gewalt aufruft, ist ein schlimmer Finger. Dietmar Hopp hat das einzige neue (!) Unternehmen Deutschlands von Weltrang gegründet; er verdient es, wegen seiner zahlreichen Verdienst gewürdigt zu werden und darf nicht zum Abschuß freigegeben werden. Grausame Neider.

Meiner Meinung nach ist auch völliger Blödsinn Hopp anzufeinden. Milliardenschwere Konzerne, wie die Telekom bezahlen jedes Jahr Millionen an den FC Bayern und andere Vereine, wird deshalb der Vorstandsvorsitzende als Feindbild auserkoren? Nein, natürlich nicht, denn die "Fans" kennen dessen Namen ja auch gar nicht. Im Falle von Hopp hat er einfach Pech, denn die anderen Vereine haben - zu Recht - Angst vor Hoffenheim. Ein frisches Konzept, junge und talentierte Spieler und im Hintergrund ein potenter Mäzen, der sein Engagement langfristig angelegt hat. Nun ja, ich würde dem Herrn Hopp raten einfach abzuwarten bis Hoffenheim als etablierter Bundesligaverein anerkannt wird. Ich denke die Aufregung wird sich schneller legen, als er vielleicht denken könnte. Und nur einmal zur Information an alle, die meinen der Erfolg von Hoffenheim läge nur daran, dass der Herr Hopp soviel Geld in den Verein pumpt: Hoffenheim hat mit einem Etat von 23 Millionen Euro einen der niedrigsten der Bundesliga (Energie Cottbus hat z.B. den gleichen Etat).

Herr Eder, sie schreiben vom sportlichen und wirtschaftlichen Erfolg der TSG Hoffenheim in der Zukunft. Was das sportliche angeht, bin ich ganz bei ihnen. Hoffenheim spielt hochmodernen, schnellen Fußball - wie ich ihn in der Bundesliga und insbesondere von meinem Verein Borussia Dortmund gern häufiger sähe - weil mit dem vielen Geld eben sinnvoll umgegangen wurde, anstatt es in satte Stars zu investieren. Von einem wirtschaftlichen Erfolg- oder Konzepten- kann aber kaum die Rede sein. Hopp hat dem Verein das Geld als Darlehen überlassen, welches er nach eigener Aussage zurückhaben möchte. Bedenken Sie also bitte, daß wir hier vom am höchsten verschuldeten Club der Bundesliga reden. Selbst wenn Hoffenheim - was nicht auszuschließen ist- in naher Zukunft die Champions-League erreichen sollte, wird der Verein immer ein Zuschuss-Geschäft bleiben. Dieser Verein wird niemals die Massen faszinieren wie die von Ihnen geschmähten Platzhirsche- was letzlich der Schlüssel zur wirtschaftlichen Unabhängigkeit vom Mäzen Es liegt mir fern, daß oben gezeigte Plaktat verteidigen zu wollen. Aber man muß auch die Realität, den Umgangston in den Stadien kennen. Als Auswärtsfan hört man schlimmeres als Hopp- und das schert sie wohl nicht.

Nun ja - einerseits ist es wohl ein dummer Streich, andererseits ist es sicher enttäuschend soviel Zeit und Geld in eine Mannschaft zu investieren und dann ständig angefeindet zu werden. Allerdings handelt es sich hier um Fußball und nicht um Golf. Jedem sollte klar sein, dass hier nun mal ein anderes Klientel als auf der Driving Range und im SAP Aufsichtsrat in die Stadien strömt. Und ob nun der Schiri sich bei unpopulären Entscheidungen vom Publikum verhöhnen lassen muss, oder ob Kevin Kuranyi wieder als Sündenbock herhalten muss, so ist der Fußball nun mal - derb. Ich denke nicht, dass das Plakat als Mordaufruf dienen sollte, sondern eher in dem Sinn "wir schießen euren Verein fußballerisch ab". Ich denke Hopp sollte sich klüger zeigen und die Sachen nicht zu ernst nehmen. Ich war schon oft in Stadien und es gibt leider eine Menge Idioten, die permanent Blödsinn verbreiten und von Fußball überhaupt nichts verstehen. Viele nutzen die Stadien als eine Art, um auf sich aufmerksam zu machen. Wenn es nun die Runde macht, dass Hopp sich die dummen Sprüche zu Herzen nimmt, könnte das eher den Trend verstärken. Ich denke aber das sich die Aufregung um Hoffenheim spätestens nach ein paar Jahren wieder legen wird.