Frau Simeoni schreibt: "Die Sportler leben in einer vermeintlich elitären Traumwelt." Das hat mich dann doch geärgert. Kennen Sie einen, Frau Simeoni? Ich lebe in Deutschland, stehe sehr früh auf, fahre in die Schwimmhalle, gehe danach in die Uni, von da aus wieder in die Schwimmhalle und dann fahre ich ziemlich spät nach Hause. Das war jetzt ein Satz mit einem Ich am Anfang, aber gerne dürfen die Weltverbesserer der Leserbriefschreiberfraktion mal Schätzwerte abgeben, auf welchen Prozentsatz der deutschen Spitzensportler dieser Tagesablauf ungefähr zutrifft.
Diskutieren Sie auch bitte ganz frei und objektiv über einen Boykott der Olympischen Spiele. Fraglich ist für mich, ob man als Sportler bei einer Olympiateilnahme ein schlechtes Gewissen haben muss - so erscheint es hier ja an manchen Stellen - und wieso ein Sportler eine größere Verantwortung trägt, für die Verbesserung der Welt einzutreten, als Menschen, die richtig gute Leserbriefe schreiben können.
Wie nahezu alle anderen Sportler dieses Planeten bin ich bereit, alle Sportarten abzuschaffen und alle Medaillen(-träume) in den Wind zu schlagen, falls dadurch ein Tibeter weniger leiden muss. Frohe Ostern! Sören Mackeben, Kapitän der Deutschen Wasserball-Nationalmannschaft
... bemerkenswerte Wende Ihrer Zeitung in die richtige Richtung (Internas sind mir nicht bekannt).
Denn vor einigen Tagen las es sich noch anders.
Gruss aus der Schweiz
Ich denke, diese Frage zieht sich durch alle Konflikte dieser Erde. Es geht um das Haben-Wollen oder das Sein-Wollen, Realist oder Gut-Mensch. Es ist die Frage, beuge ich mich den Umständen oder bin ich Teil der kritischen Masse, die Veränderung bewirkt. Und das ist eine wirklich tiefgreifende persönliche Entscheidung, die heute mehr zu Gunsten des angeblichen Realismus bzw. Egoismus gefällt wird. Bei den olympischen Spielen geht es nicht nur um Tibeter, Uiguren, sondern auch um chinesischen Arbeiter ohne Ausbildung, die ohne Krankenversicherung, die unter menschenunwürdigen Bedingungen diese Prachtbauten hochziehen. Die Konflikte um die Minderheiten sind nur das sichtbare Zeichen einer Menschenverachtenden Politik, die selbst vor den eigenen Leuten nicht halt macht. Wenn man schon nicht verzichten möchte, kann man als Zeichen sein, die Medaille Tibet widmen, die tibetische Fahne hochhalten oder Orange als Zeichen des Widerstand gegen die Menschenrechtsverletzungen in China tragen. Ich denke, es gibt in uns allen ein Gewissen, eine Art innerer Wahrheit, der wir etwas folgen sollten. Das Gewissen ruht nie und lässt entgegen aller Betreuungen weder durch rationale Argumente noch Schönreden täuschen. Alle Großmächte sind diesem Gewissen irgendwann zum Opfer gefallen. In Tibet, denke ich, töte China gerade seine Seele. Können wir unsere Mitmenschen guten Gewissens einen derartigen Fehler machen lassen?
Was wir gegenüber einem Chinesen vehement abstreiten werden, dass die Politik jeglichen Bereich des gesellschaftlichen Lebens durchsetzen muss, propagieren wir für das Verhalten gegenüber den Chinesen. Wir tragen totalitären Gedanken vor, wir lassen den Sport durch das Politische bestimmen. Den Olympier wollen wir zu einem Träger des politischen Gedankenguts machen. Mann würde denken, dass mit dem Fall der Mauer diese Instrumentalisierung auch gefallen ist, aber wie man merkt, hat sie sich durch den Fall nur verbreitet.
Dieser Ausspruch eines Deutschen Außenministers ist Angesichts der Situation und des Diskussionsgegenstandes die wahrscheinlich dümmste Aussage des Jahrzehnts.
Dahinter steckt eine widerliche Anbiederung an ein totalitäres Regime verbunden mit einer verachtenswerten feigen, lauen Haltung eines Appeacement-Möchtegern-Politikers der besser im Hinterzimmer seines Gazprom Managers geblieben wäre. Es gibt Politiker, die sich ohne das geringste Charisma hochdienen und nicht in der Lage sind, eine eigene Stellung zu beziehen und diese dann auch noch zu vertreten.
Joschka Fischer, war gegen Steinmeier ein Staatsmann, der in die Geschichte eingehen wird. Er hätte sich niemals zu so einer niveaulosen Äußerung herabgelassen.
Es geht um so ungeheure Summen Geld, daß keiner der Organisatoren darauf verzichten würde.
Und die Sportler sind dabei eigentlich nur nützliche Idioten, die sich tatsächlich einer einer "Parallelwelt" aufhalten, jenseits von Gut und Böse.
Es sind die neuen Gladiatoren und sie sind stolz darauf. Sie sind den römischen, barbarischen Kämpfern, viel näher als den Athleten des hellenistischen Altertums. Auf den Kampfplätzen kämpft jeder für sich und jeder gegen jeden. Hinzu kommen noch die klammheimlichen Kämpfe der Nationen gegeneinander.
Die verlogenen Sprüche über ein quasi schwereloses, herrliches Spiel der "Jugend der Welt" sind schon am Ausgang des 19. Jahrhunderts zur Makulatur degeneriert.
Mannomann, wie tief sind wir gesunken. Da wird diskutiert ob es Sinn macht die Augen zu schließen über die Unterdrückung, und weit mehr, eines 'Landesteils' Chinas. Damit die armen Spitzensportler auch ja nicht umsonst trainiert haben. Würde mich mal interessieren wenn seinerzeit bei der Olympiade in Berlin (zu Adolfzeiten) die Weltmehrheit nein zu Berlin gesagt hätte, was die Deutschen gedacht hätten. Zumindest wäre ihnen in den Kopf gekommen, dass es wohl einen Grund dafür geben muß. In heutiger Zeit, wo alle Ausländer Tibet verlassen müssen, wo Internet eingeschränkt wird usw, müßte die chinesische Politik schon ziemlich tief in die Lügenkiste greifen um das dem Volk zu erklären.
Wie sieht's nun aus? Das Chinesische Fernsehen strahlt die strahlenden Helden bei der Siegesfeier , mit chinesischer Flagge im Hintergrund, aus und wenn dann ein Athlet die Stimme erhebt um die ehrenhaft, fair erkämpfte Medallie dem Tibetanischen Volke zu widmen wird abgeblendet. Keiner erfährt etwas, nur die eh schon informierten Länder fühlen sich groß, Dank so einer Heldentat. Warum wird überhaupt diskutiert ? Sagt doch gleich es geht ums Geld, die paar Tibetaner die auf der Strecke bleiben, weil sie noch Courage haben, zählen doch nicht viel
Die Begeisterung über sezessionistische Tendenzen hält sich nicht nur in China in Grenzen. Dass Tibet annektiert wurde ist völkerrechtlich inakzeptabel, hilft aber auch nicht recht weiter. Die Probleme des Völkerrechts sind bekannt.
Wichtiger ist aber der Aspekt, an den der Leser Burgstaller erinnert. Ein Sportler kann in einem kurzen Sportlerleben vielleicht nur eine Goldmedallie gewinnen. Soll sein persönlicher Lebenstraum zu Gunsten von politischen Demonstrationen geopfert werden? Mir ist das Glück eines Sportlers lieber als eine Machtdemonstration eines Politikers. Die Machtdemonstration ist auch auf anderem Wege möglich. Sein Gold Tibet zu widmen ist ein schöner Gedanke und wird genauso viel ändern wie eine Demonstration vor dem Brandenburger Tor (ein kleiner Schritt). Die klischeehafte Bezugnahme auf die Mächtigen mutet im Übrigen lächerlich an. Wer sind die Mächtigen denn, ist das der Herr Zumwinkel, oder der Herr Lewis, der mit Bear Sterns gerade eine Milliarde verloren hat? Ist das der amerikanische Konsument oder der Dalai Lama oder sind es die Journalisten? Oder ist es die Auslandspresse, die nach Ansicht der chinesischen Regierung den Aufruhr in Tibet verursacht hat?
Ihr Kommentar spricht mir nach all den verlogenen "Die Sportler können doch sowieso nichts ändern"- und "Die Spiele dürfen nicht zum Politikum werden"- Beiträgen, die ich leider hier in der FAZ gelesen habe, geradezu aus der Seele.
Tatsächlich wäre es sogar Pflicht der Sportler, die ja auch große Vorbilder für die Jugend der Welt sind, sich zu gewissen Anlässen auch einmal politisch zu zeigen.
Stattdessen verkörpern die Athleten die Einstellung, dass man sich mit jedem Verbrecherregime arrangieren sollte, solange es für die eigene (sportliche) Karriere notwendig ist...
Es ist tatsächlich an der Zeit, dass Sportler, Sportfunktionäre und die übrigen Herrschaften, die sehr stark an einer Austragung der Spiele um jeden Preis interessiert sind, "erkennen ..., dass es Menschen gibt, denen die politischen Machtverhältnisse noch viel größere Opfer abverlangen als den Verzicht auf eine Medaillenchance".
Sicher, diese Olympiniken, die 1968 auf dem Siegerpodest ihre Faust gereckt haben, und damit auf die Black-Phanter-Bewegung und dem in den USA immer noch grassierenden Rassismus hinwiesen, haben das Richtige getan und sich dadurch erst wirklich unsterblich gemacht.
Die Namen der anderen siegreichen Athleten müsste man erst nachschlagen.
Aber jene fallen einem sofort ein, wenn es um die Verquickung von Sport und Politik geht.
Sie haben für ihr Engagement mit schlimmen persönlichen Diffamierungen im eigenen Land leben müssen.
Und ihre Gesichter tauchten nie in irgendeiner Werbung auf.
Es wäre zu hoffen, dass der eine oder die andere 2008 sich dennoch in dieser Weise für Tibet engagieren würde...
Ich war selber mal in Richtung Hochleistungssport unterwegs, wobei sich die elitäre Welt in Grenzen hielt. Viel mehr darf eine politische Aktion nicht auf Kosten des Sportlers gehen. Die meisten Sportler haben nur 1-3 Teilnahmen an olympischen Spielen, die oft über deren Zukunft entscheiden. Somit ist naheliegend, dass sich ein Sportler der einen Startplatz für Olympia ergattert hat nicht wirklich für einen Boykott einsetzten wird. Der Gedanke, dass man seinen Sieg Tibet widmet stößt schon viel mehr auf nährhaften Boden, da dies nicht auf Kosten des Sportlers geht. Machen dies viele Sportler, wird das Medienecho meiner Meinung nach mehr bewirken als ein Boykott.
lg ecosimo
Eine ehrenvolle Absicht, Amnesty International sei Dank. In real? Brot und Spiele für Kommerz, für die Politik, für Macht, für Alle? Bin gespannt, wie viele Beteiligte, Sportler, Betreuer, Funktionäre sich klar zu den unbequemen aber nicht zu übersehenden brutalsten Menschenrechtsverletzungen ihres Gastlandes äußern.
Es bleibt nur zu hoffen, dass den Verantwortlichen in Bejing mehr einfällt als das traditionelle Totschlag-Vorgehen. Es bleibt, was so gar nicht gern gesehen wird, auch nicht in Gut-Mensch-Deutschland, Mund auf, klare Ansprache, auch an unsere "Olympioniken"!!!