19. Januar 2009 Nach den gängigen Denk- und Verhaltensmustern im Profifußball ist die Rückkehr von Lukas Podolski ein Rückschritt. Der Abstieg vom deutschen Rekordmeister mit weltweiter Reputation zurück zu einem Aufsteiger mit international dürftigen Aussichten – das ist so betrachtet nicht weniger als eine Absage an den Leistungsgedanken des modernen Fußballs, wo Spieler und Trainer seit Jahren davon reden, ständig an sich arbeiten zu wollen, den nächsten Schritt zu machen, um sich lebenslänglich neuen Herausforderungen zu stellen.
Der einst begehrteste deutsche Nationalspieler aber, der mit seinem Wechsel vor gut zwei Jahren von Köln zu Bayern genau diesen Vorstellungen entsprach, hat nun mit dem Grundgesetz des globalisierten Fußballs gebrochen. Podolski hat sogar einen Wechsel zum HSV abgelehnt, obwohl dort ein Stammplatz und größere Erfolge miteinander gut zu vereinbaren gewesen wären. Der Stürmer will aber einfach nicht mehr dahin gehen, wo es weh tun könnte, sondern dahin, wo er sich gut fühlt.
Ein Anachronismus, der auf große Sympathie stößt
Zu dieser Entscheidung bedarf es Mut. Mehr Mut jedenfalls als die nächsten Jahre in München weiter stereotyp und wider besseres Wissen zu behaupten, er stelle sich dem Kampf um einen Stammplatz. Den hat Podolski bei den Bayern nie mit einer solchen Entschlossenheit gesucht, wie es seine Trainer gewünscht und erwartet haben. Dass ein Spieler sich ganz bewusst zurück in seine comfort zone“ begibt, die Bayern-Trainer Jürgen Klinsmann als Todfeind beruflicher Ambitionen ansieht, ist ein Anachronismus, der beim Publikum allerdings auf große Sympathie stößt.
Und das nicht nur, weil Podolski in seiner Karriere nie einen Hehl daraus machte, dass er ein besonderer, wie aus der Zeit gefallener Spielertyp ist, der das ganz normale menschliche Gefühl haben muss, gebraucht und gemocht zu werden, um seine beste Leistung zu zeigen. In der Nationalelf hat er immer wieder bekommen, was ihm der bayerische Weltklub aus guten Gründen nie bieten konnte.
In einer Linie mit Seeler und Körbel
Podolski hat auch wahr gemacht, was Präsidenten, Manager (wie Uli Hoeneß) und Fans seit vielen Jahren wünschen, aber angesichts der Marktgesetze kaum mehr zu fordern wagten: Vereinstreue und Heimatverbundenheit. Bindungen also, die seit Jahren weniger als Geld wert sind. Es handelt sich um Werte, die sich mit Namen wie Uwe Seeler oder Karl-Heinz Körbel verbinden, aber längst nicht mehr mit aktuellen Nationalspielern.
Die Rückkehr nach Köln ist somit auch eine nostalgische Reise in die Vergangenheit des deutschen Fußballs zu seinen alten Werten. Sportlich aber geht Podolski ein Wagnis für seine Zukunft ein. Nicht nur weil die Erwartungen in Köln so hoch wie der Dom sind. Aber es ist seine eigene Entscheidung. Das immerhin ist für Lukas Podolski schon jetzt ein Fortschritt.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa
VfL Osnabrück: Im Pokal gegen Schalke aus dem ![]()
Augsburgs Torjäger Thurk: Mit Haller kann ich mich nicht vergleichen
Doping-Sperre: Bundesgericht lehnt Pechstein-Antrag ab
Crashtest: Pokale statt Berichte
Susanne Riesch über Konzentration: Wer überlegt, ist schnell draußen