Mario Gomez vor dem Länderspiel

„Nur der Titel wäre bei der EM ein Erfolg“

26. März 2008 Mario Gomez gilt derzeit als „bester deutscher Stürmer“, in der Bundesliga erzielte er bisher schon 15 Tore. An diesem Mittwoch läuft der Stuttgarter neben dem „gesetzten“ Miroslav Klose beim Testspiel in Basel auf (20.45 Uhr / Live im ZDF und im FAZ.NET-Liveticker). Vor der Partie gegen EM-Mitgastgeber Schweiz spricht der 22-Jährige im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung über gigantische Momente, Angebote anderer Vereine zum Schmunzeln und seinen Platz in der deutschen Nationalelf.

Im Nationalteam ging es bisher immer nur um den Platz neben Miroslav Klose, ist das immer noch so?

Das ist immer noch so.

Klose ist gesetzt?

Ich sehe das so. Es geht um Leistung, und die hat Klose seit Jahren gebracht. Es wäre nicht fair, ihn in Frage zu stellen.

Kann es noch Zweifel geben, dass Sie im EM-Kader dabei sind?

Was heute ist, interessiert in zwei Monaten keinen mehr. Ich will spielen, aber der Trainer wird im Sinne der Mannschaft entscheiden, und ich werde das akzeptieren. Ich sehe die anderen drei, also Lukas Podolski, Kevin Kuranyi und mich auf einer Höhe.

Was wäre ein Erfolg bei der EM?

Der Titel, mehr gibt es da nicht zu sagen.

Das war’s?

Wir unterschätzen niemanden, aber wir haben eine reelle Chance, wenn wir unser Potential abrufen. Es wird aber schon in der Gruppe schwer, weil Österreich mit den Zuschauern im Rücken im eigenen Land spielt.

Bei der EM treffen Sie viele große Stürmerstars. Wie sieht der ideale Stürmer für Sie aus?

Den gibt es nicht. Eto’o ist anders als van Nistelrooy oder Ibrahimovic. Wenn einer auf hohem Niveau viele Tore schießt, ist er ideal, egal, um welchen Spielertyp es sich handelt. Oder Luca Toni, er muss nie überlegen, was er macht. Er macht es einfach, das ist eine besondere Qualität.

Sind Schnelligkeit und Athletik das Wichtigste für einen Stürmer?

Das Spiel gewinnt immer mehr an Schnelligkeit. Wichtig ist aber der Torinstinkt. Dann bist du oft schneller als der Gegner, nicht von der Laufgeschwindigkeit her, aber im Kopf.

Man sagt Ihnen einen besonderen Zug zum Tor nach?

Für mich gibt es nichts Schöneres, als ein Tor zu erzielen. Der Moment, wenn der Ball ins Netz fliegt, ist einfach gigantisch.

Es gibt nach Ihren vielen Toren zahlreiche Angebote? Wie erleben Sie diese turbulenten Tage?

Mit einem Schmunzeln.

Und das heißt?

Ich lese viel, und ich amüsiere mich darüber, was wer schreibt und wer was zu wissen glaubt. Ich nehme das nicht immer ernst.

Sie lehnten vor einem Jahr ein sehr gutes Angebot von Juventus Turin ab – Sie sollten 20 Millionen Euro für vier Jahre erhalten Warum blieben Sie beim VfB Stuttgart? Sie wären auf der sicheren Seite gewesen.

Aber so bin ich nicht, und so denke ich nicht. Würde ich so denken, würde ich nichts erreichen. Klar, ich muss Geld verdienen, aber es geht mir nicht darum, mit einem Schlag ausgesorgt zu haben. Ich hätte es mir zugetraut, und ich bin sicher, ich hätte auf Dauer auch gespielt. Im Nachhinein bin ich stolz, weil es für meine persönliche Entwicklung wichtiger war, noch in Stuttgart zu bleiben. Ich habe mich nicht nur fußballerisch, sondern auch persönlich weiterentwickelt.

Erklären Sie uns das genauer?

Zuerst lief alles sehr positiv beim VfB, und dann wurde vieles sehr hart. Daraus gestärkt hervorzugehen ist eine wichtige Erfahrung, die ich nicht missen will.

Haben Sie gespürt, dass auf Sie in der „Krise“ des VfB Stuttgart eine besondere Führungsrolle zukommt?

Da muss man fragen, was ist ein Führungsspieler? Für mich ist das einer, der nicht auf dem Platz oder in der Kabine rumschreit, sondern der die anderen mitzieht. Ich bin keiner, der rumschreit, sondern jemand, der versucht, durch Einsatz etwas zu bewegen.

Mittlerweile sind Sie reif genug, um diese Rolle auszufüllen?

Mit 20, wenn du gerade Stammspieler geworden bist, ist so etwas schwer. Man muss sich zuerst um sich selbst kümmern. Jetzt kann ich der Mannschaft helfen.

Wird Ihre Zukunftsentscheidung sehr davon beeinflusst, ob der VfB einen internationalen Wettbewerb erreicht?

Nein, absolut nicht. Wenn wir es nicht schaffen, bin auch ich daran schuld, dann kann ich nicht sagen, Jungs, ich bin weg. Das wäre charakterlich sehr schwach.


Das Gespräch führte Oliver Trust.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa

Wer soll die deutsche Nationalmannschaft verlassen?

Ergebnis