Erhard und Keynes

Peter Bofinger will Staat und Markt wieder versöhnen

02. Juni 2009 Peter Bofinger arbeitet an seinem Image: Früher war er stolz darauf, einer der wenigen Keynesianer in Deutschland zu sein. Heute hat er sicher nichts dagegen, wenn ihn die Zeitschrift "The International Economy", wie auf dem Buchrücken zu lesen ist, als neuen "Star-Ökonom in der Tradition Ludwig Erhards" bezeichnet. Dass das eine mit dem anderen zusammenpasst, ist ein wichtiges Anliegen seines neuen Buches, zu dem die aktuelle Krise nicht viel mehr als ein Aufhänger ist, und ihre Schilderung nimmt mit rund 65 Seiten daher auch nur einen übersichtlichen Teil in Anspruch.

Bofinger, Mitglied des Sachverständigenrats und Professor an der Universität Würzburg, präsentiert eine Botschaft, die er schon lange vertritt: In Deutschland sind seit langem die Koordinaten, die das Verhältnis von Markt und Staat kennzeichnen, verrückt. Bofinger postuliert, dass die Wirtschaftspolitik der Vergangenheit die Kontrolle über die Märkte preisgegeben habe, worunter nun das Gemeinwesen leiden müsse. Immer mehr Bürger stellten daher sowohl die Marktwirtschaft als auch die Demokratie in Frage. Bofingers These, wonach sich ein Marktradikalismus besonders in Deutschland ausgetobt habe, dürfte viele Liberale erstaunen, die mit Blick auf Staatsquoten und Regulierungen die Regierungszentrale nicht unbedingt auf dem Mont Pèlerin verorten würden.

Der Ökonom fordert ein "Ende des Prozesses der Entstaatlichung" und "ausreichende Handlungskompetenzen" für den Staat, um die wirtschaftliche Dynamik wiederzugewinnen und die Menschen mit Demokratie und Marktwirtschaft wieder zu versöhnen.

gb.

Buchshop
Ist der Markt noch zu retten?
von Bofinger, Peter
Kaufen bei
amazon.deLibri.de

Buchtitel: Ist der Markt noch zu retten?
Buchautor: Bofinger, Peter

Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.06.2009, Nr. 125 / Seite 12

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2009.
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte erwerben