07. Juli 2008 Das deutsche Wirtschaftswunder ist lange vorbei, der VW Käfer ein Relikt. Viele konnten den sagenumwobenen Boom der jungen Bundesrepublik nicht miterleben. Kein Grund, sich zurückzulehnen, findet Leon Müller, denn es werden in diesem Jahrhundert noch große Veränderungen auf die Anleger zukommen. Wer findig ist, weiß schon jetzt, dass er es vielleicht noch besser treffen kann als die Glückseligen der Nachkriegsjahre: mit einer Kapitalanlage in die sogenannten Emerging Markets, die aufstrebenden Märkte dieser Welt. Das sei jedoch kein Kinderspiel und bedürfe neben Wachsamkeit und Risikobereitschaft auch eines profunden Grundlagenwissens, meint der Autor.
Und so bietet er dem interessierten Privatanleger einen "Crashkurs Emerging Markets", der diesen kurz und bündig in die wichtigsten Gesetze der finanziellen Schlaraffenländer der Zukunft einweist. Nach einer Einführung in die Emerging Markets und deren Abgrenzung zu Entwicklungs- sowie Industrieländern stellt er neben den wichtigsten Zukunftsmärkten Brasilien, Russland, Indien und China, den sogenannten BRICs, auch exotischere Länder vor. Wer käme als Laie darauf, sein Erspartes in Kasachstans Chromindustrie oder in türkische Bekleidungsunternehmen zu stecken? Übersichtliche Grafiken mit Länderdaten und Zahlen zur Weltwirtschaft füttern den Anleger zusätzlich mit Informationen.
Etwas ausführlich fällt das Kapitel zu den Chancen und Risiken neuer Märkte aus, dessen Botschaft lautet: Niedrige Löhne, geringer Umweltschutz und geringe Steuersätze machen Länder attraktiv für Investitionen; politische Unsicherheit, Terror und große soziale Unterschiede hingegen sollten ein Signal für finanzielle Zurückhaltung sein.
Ergiebiger wird es wieder, wenn Leon Müller ans Praktische geht: Wie komme ich an exotische Aktien, die in Deutschland nicht gehandelt werden? Welche Anlageformen in die Emerging Markets gibt es überhaupt, wie funktionieren sie, und für welchen Anlegertyp sind sie geeignet? Wo findet man Informationen über diese Finanzprodukte? Kann man die Strukturierung eines Emerging-Markets-Depots delegieren? Der Vollständigkeit halber gibt der Autor dem Leser neben einem Anhang mit Internetquellen einige grundlegende Verhaltensregeln an die Hand: Kapitalerhalt steht ganz oben, Diversifikation ist der Schlüssel zur Risikobegrenzung, und mit den Chancen steigen auch die Risiken. Das sind zwar oft erwähnte, aber oft auch nicht beachtete Selbstverständlichkeiten.
RUTH NEUMANN
Buchtitel: Crashkurs Emerging Markets
Buchautor: Müller, Leon
Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.07.2008, Nr. 156 / Seite 12