Geschichten ums Geld

16. Juni 2008 Das Konzept ist nicht neu, aber immer wieder wirkungsvoll. Man entnehme der Wirtschaftsgeschichte spannende Episoden, komprimiere sie zu kurzen, aber prägnanten Beiträgen und veröffentliche eine Kompilation dieser Beiträge als Buch. Alessandro Giraudo, Italiener von Geburt und als Chef-Volkswirt des Pariser Maklerhauses Viel Tradition beschäftigt, hat auf diese Weise eine ebenso spannende wie kurzweilige Sammlung von zwei bis zwölf Seiten umfassenden Geschichten geschrieben, in denen das Geld eine dominierende Rolle spielt. Das Buch ist die englische Übersetzung der Anfang 2007 in Französisch erschienenen Originalausgabe.

Giraudos Zeitreise beginnt in der Bronzezeit und führt zum Trojanischen Krieg, der in der Realität wohl weniger um eine schöne Frau gefochten wurde, sondern um die Kontrolle des Seehandels in der Ägäis. Delphi ist Schülern, die im Geschichtsunterricht die Antike kennenlernen durften, in erster Linie als eine religiöse Stätte bekannt. In der griechischen Wirklichkeit spielte Delphi vor allem als Münzstätte eine Rolle. So geht es munter weiter: Dass Verdun um das Jahr 1000 ein Zentrum des europäischen Sklavenhandels bildete, ist vielleicht nicht jedem bekannt; ebenso wenig wie der Verlauf des 100 Jahre währenden "Pfefferkriegs" zwischen Venedig und Lissabon oder gar die Abgründe des zwischen Frankreich und Venedig ausgefochtenen "Glaskriegs". Selbstverständlich tauchen auch übliche Verdächtige auf: Die Hanse, die Fugger und die seit Jahren unvermeidlichen Tempelritter.

GERALD BRAUNBERGER



Buchtitel: Money Tales
Buchautor: Giraudo, Alessandro

Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.06.2008, Nr. 138 / Seite 12

 
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