10. September 2007 Mittelmaß reicht Frankreichs Autoherstellern nicht mehr. Renault-Chef Carlos Ghosn hat vor einem Jahr den Anfang gemacht und dem größten französischen Autohersteller eine Fitnesskur verordnet: Der sinkenden Rendite setzt er einen Sparkurs entgegen, dem biederen Image aufregendere Modelle. Vor wenigen Tagen folgte Christian Streiff, der neue Vorstandsvorsitzende des PSA-Konzerns mit den Marken Peugeot und Citroën. Auch Streiff hat den Rotstift hervorgeholt, will dabei sogar 8000 Stellen streichen und geht, genau wie Ghosn, in die Modelloffensive. Die Deutschen nimmt Streiff als Vorbild: Wir werden unsere Ziele erreichen, indem wir ein wenig deutsch werden.
Nun sind Renault und PSA keine Unternehmen, die gerade eine Existenzkrise durchmachen; sie sind aber meilenweit von den hohen Renditen früherer Jahre entfernt. Ghosn und ebenso Streiff sehen den Hebel zum Guten in einer Verbesserung der Qualität, und die soll beim Produkt beginnen. Renault ist dabei schon einen Schritt weiter: Auf der IAA präsentiert der Konzern den neuen Laguna. Die Mittelklasselimousine, die es gleich zum Start auch in einer Kombiversion gibt, soll den ersten Beweis liefern, dass es französische Autos in punkto Qualität mit den deutschen Wettbewerbern aufnehmen können.
Deutschlands Autofahrer sind die anspruchsvollsten
Der Messeauftritt vor deutschem Publikum kommt wie gerufen. Deutschlands Autofahrer sind die anspruchsvollsten in Europa, sagt Renaults Deutschland-Chef Jacques Rivoal, wer hier Erfolg haben will, muss die beste Qualität bauen. Und der Laguna ist unser Flaggschiff in punkto Qualität. Das neue Auto soll selbstbewusst gegen VW Passat, Ford Mondeo und sogar den neuen Audi A4 antreten. Renault will und muss auf dem deutschen Markt neue Kunden erobern. Denn in Deutschland steht das gesamte Mittelklassesegment gewaltig unter Druck.
Der alte Laguna hat sich bei seinem Marktstart 2002 auf Anhieb 30.000-mal verkauft. Damals spielten die sportlichen Geländewagen (SUV) noch keine nennenswerten Rollen, und die Großraumautos wie Opel Zafira und VW Touran kamen erst in Mode. Rivoal weiß, dass es der neue Laguna schwerer hat. Denn der Nachfolger geht zusätzlich mit der Hypothek seines Vorgängers ins Rennen: Der Laguna war jahrelang das Schlusslicht in der ADAC -Pannenstatistik, erst zum Ende seines Lebenszyklus wurde die Qualität besser.
Laguna nicht der einzige Hoffnungsträger
Der Laguna ist nicht der einzige Hoffnungsträger. Unser zweiter Trumpf für mehr Wachstum ist der neue Twingo, sagt Rivoal. Auf deutschen Straßen gibt es 500.000 Twingo-Fahrer. Sie sollen auch vom Nachfolger überzeugt werden, der durch objektive Vorteile beim Platz und Komfort und bei der Qualität besticht. Wohin das führen soll, sagt Rivoal auch: Bis 2009 streben wir einen Marktanteil von 6 Prozent an. Zuletzt wurden die Franzosen von Toyota als stärkste Importmarke in Deutschland abgelöst. Der Marktanteil von Renault sank zur Jahresmitte sogar auf 4,5 Prozent ab. Zulegen konnte dagegen Renaults Schwestermarke Dacia mit dem Billigauto Logan, das in Deutschland mittlerweile 15.000-mal verkauft worden ist.
Als weiteren Wachstumsträger hat Rivoal den aktuellen Kleinwagen Clio ausgemacht, den es mit einem 1,5-Liter-Diesel gibt und der mit diesem Motor nur 119 Gramm des klimaschädlichen Treibhausgases CO2 ausstößt. Auch der neue Twingo wird in dieser Version zu haben sein. Für den deutschen Markt ein wichtiges Verkaufsargument, wie Rivoal sagt. Denn die Deutschen achten seiner Meinung nach nicht nur auf Qualität, sondern auch auf die Umwelt.
Text: F.A.Z., 11.09.2007, Nr. 211 / Seite 17
Bildmaterial: ddp
The Full Monty: Ganz oder gar ![]()
Car Kit für das iPhone: Mehr als nur eine Halterung
Der Schrecken der Mietwagenbranche
Internationaler Finanzmarkt: Keine Eile mit dem Ausstieg
Risikospiele in der Fußball-Oberliga: Kleine Stellvertreterkriege