Ethnische Konflikte

Unruhen im Kosovo - Nato verstärkt Truppen

18. März 2004 Die Nato schickt zusätzliche Soldaten in den Kosovo, um nach den schweren Ausschreitungen zwischen Serben und Albanern einen weiteren Ausbrch der Gewalt zu verhindern. Eine Einheit von 100 bis 150 amerikanischen Soldaten sei bereits auf dem Weg, zwei weitere in Bereitschaft, teilte ein Nato-Sprecher in Brüssel mit. Die Truppen werden von Bosnien in den Kosovo verlegt.

Am Vortag waren nach Angaben der Vereinten Nationen (UN) mindestens 22 Menschen bei den Zusammenstößen getötet und 500 verletzt worden. Der Kosovo wird seit 1999 von der UN verwaltet. Für die Sicherheit ist die Nato zuständig. Die neuen Zusammenstöße waren die schwersten Kämpfe zwischen den den beiden Volksgruppen seitdem die formal weiterhin zu Serbien gehörende, jedoch nach staatlicher Unabhängigkeit strebende Provinz 1999 Mandatsgebiet der Vereinten Nationen (UN) wurde.

Mehrere UN-Sicherheitskräfte und Soldaten der Kosovo-Schutztruppe Kfor wurden verletzt. In der serbischen Hauptstadt Belgrad wurde eine Moschee von aufgebrachten Serben in Brand gesetzt. UN-Generalsekretär Kofi Annan sprach von einer Gefahr für die Stabilität des Kosovo. Aus serbischen Kreisen verlautete, der UN-Sicherheitsrat werde sich am Donnerstag mit der Gewalt beschäftigen.

Amerikanische Soldaten beschützen Serben

Behörden, Augenzeugen und Medien berichteten von Gewaltausbrüchen an mehr als ein Dutzend verschiedenen Orten im Kosovo, darunter Mitrovica im Norden, Urosevac im Süden und Pec im Westen.

In der Pristina umstellten hunderte aufgebrachte Albaner ein serbisches Wohlviertel, setzten Fahrzeuge der UN in Brand und bewarfen Polizisten mit Steinen. Die Beamten setzten
Gummigeschosse ein, amerikanische Soldaten brachten Serben aus ihren Wohnungen in Sicherheit. Die serbische Nachrichtenagentur Beta meldete, eine Kolonne von 30 gepanzerten Fahrzeugen habe aus Caglavica zehn verletzte Nato-Soldaten evakuiert. In dem Ort hätten Albaner eine Enklave von 1.000 Serben angegriffen. In der geteilten Stadt Mitrovica brannten zwei Jeeps der UN aus. Dort zogen Soldaten von Häuserblock zu Häuserblock, um eine Sicherheitszone zu errichten.

„Eine sehr gefährliche Situation"

Die Gewalt hatte begonnen, nachdem sich in Mitrovica zahlreiche aufgebrachte Albaner versammelt hatten. Am Vortag waren drei albanische Jungen im Fluß Ibar ertrunken. Albanische Medien hatten berichtet, sie seien von Serben verfolgt worden, die wiederum Rache für einen angeschossenen Jugendlichen üben wollten. Als die Albaner versuchten, den serbischen Teil der Stadt zu stürmen, setzte die Polizei Tränengas und Gummigeschosse ein.

Ein Vertreter der multinationalen Polizeitruppe der UN sprach von „einer sehr gefährlichen Situation". Der Kosovo-Politiker Momcilo Trajkovic, ein Serbe, sagte: „Wir sind zurück in 1999.“ Die Nato hatte damals elf Wochen lang Luftangriffe gegen Jugoslawien geflogen, um die Regierung zur Annahme eines Friedensplans für den Kosovo zu zwingen. Dort waren Sicherheitskräfte aus Jugoslawien und der Teilrepublik Serbien mit großer Härte gegen albanische Separatisten vorgegangen. Inzwischen ist Jugoslawien durch den lockeren Staatenbund Serbien und Montenegro ersetzt worden.

Die Atmosphäre war schon seit Wochenbeginn gespannt, als ein junger Serbe in einem Vorort Prishtinas aus einem Auto heraus angeschossen wurde. Ende vergangener Woche war zudem ein Anschlag auf das Haus des kosovarischen Präsidenten Rugova verübt worden, ein weiterer auf das Hauptquartier der UN-Verwaltung im Kosovo konnte verhindert werden.



Text: Reuters
Bildmaterial: AP

 
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