Chile

Folteranklage gegen Pinochet erhoben

31. Oktober 2006 Die chilenische Justiz hat den ehemaligen Militärmachthaber Augusto Pinochet wegen Folter angeklagt. Zugleich wurde der 90jährige wieder unter Hausarrest gestellt, wie der zuständige Richter Alejandro Solis am Montag bekannt gab.

In der Anklage geht es um Folter und Entführungen in der Villa Grimaldi, einem berüchtigten Zentrum der chilenischen Geheimpolizei, im Anschluß an den Pinochet-Putsch von 1973. Solis hat Pinochet in diesem Zusammenhang der Folter in 24 Fällen, der Entführung in 35 Fällen und der Tötung in einem Fall beschuldigt.

Greueltaten im Geheimgefängnis

Der Anwalt des früheren Präsidenten kündigte an, alle rechtlichen Schritte auszuschöpfen, um die Anklage abzuwehren. Pinochets schwache Gesundheit lasse einen Prozeß nicht zu, erklärte Pablo Rodriguez. Wegen der gesundheitlichen Verfassung des ehemaligen Diktators sind bereits bisherige Versuche gescheitert, Pinochet den Prozeß zu machen. Gegen ihn läuft derzeit noch ein weiteres Verfahren wegen Verstößen gegen die Menschenrechte sowie wegen Steuerbetrugs.

In dem Geheimgefängnis Villa Grimaldi wurden einem offiziellen Bericht zufolge zwischen 1973 und 1978 rund 4.500 Menschen gefangen gehalten und gefoltert. Von etwa 200 Opfern verlor sich nach der Gefangennahme jede Spur. Auch die amtierende chilenische Präsidentin Michelle Bachelet und ihre Mutter wurden den Ermittlungsakten zufolge dort festgehalten und mißhandelt. Bachelet war damals eine 22jährige Medizinstudentin. Beide haben von ihrer Folter berichtet, ihre Fälle sind aber nicht Teil des anhängigen Verfahrens. Heute ist die Villa Grimaldi im Südosten von Santiago eine Gedenkstätte für die Opfer der Militärdiktatur.



Text: FAZ.NET mit Material von dpa und AP
Bildmaterial: AFP, Reuters

 
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