26. Juli 2006 Wenige Tage vor den Präsidenten- und Parlamentswahlen in Kongo ist die Bundeswehr in der kongolesischen Hauptstadt Kinshasa in Ausschreitungen am Rande einer Wahlkundgebung verwickelt worden. Ein VW-Bus der deutschen Soldaten sei bei einer Fahrt durch die Stadt in die Kundgebung geraten und angegriffen worden, sagte Oberstleutnant Peter Fuss am Dienstag abend in Kinshasa. Dabei seien die Front- und die Heckscheibe des Busses zu Bruch gegangen.
Die drei deutschen Soldaten in dem Bus hätten ihre Fahrt vom Flughafen N'Djili zum Hauptquartier N'dolo dennoch fortsetzen können. Es habe sich nicht um einen gezielten Angriff gegen die Deutschen oder die europäische Kongo-Truppe Eufor gehandelt. Auch die übrigen Fahrzeuge am Rande der Kundgebung seien angegriffen worden. Vermutlich hätten die Angreifer ihrem Frust Luft machen wollen. Insgesamt sei die Lage ruhig, für die deutschen Soldaten stelle der Vorfall keine Bedrohung dar.
Straßenschlachten mit der Polizei
In Kinshasa hatten sich am Dienstag Tausende Anhänger der Opposition fünf Tage vor den Wahlen Straßenschlachten mit der Polizei geliefert. Die kongolesische Polizei feuerte Warnschüsse und Tränengas ab, um die Menge zu zerstreuen, die die Straße zum Flughafen blockierte. Die Oppositionsanhänger rissen Wahlplakate ab, warfen Steine und Brandsätze. Sie beschuldigten der internationalen Gemeinschaft, die Wahlen nur deshalb zu unterstützen, um dem amtierenden Präsidenten Joseph Kabila zum Sieg zu verhelfen. Einige Demonstranten bedrohten Ausländer mit dem Tod. Die Polizei ging mit Schlagstöcken gegen die Menge vor.
Die gewalttätigen Proteste gaben Befürchtungen neue Nahrung, daß es mit den Wahlen am Sonntag abermals zu Gewaltausbrüchen in dem von Bürgerkriegen gezeichneten Land kommen könnte.
In den vergangenen Wochen war es im Zusammenhang mit den für Sonntag angesetzten Wahlen bereits mehrfach zu Zwischenfällen gekommen. Die ersten freien Parlaments- und Präsidentenwahlen in Kongo seit vier Jahrzehnten sollen einen Schlußstrich unter den Bürgerkrieg ziehen, bei dem von 1998 bis 2003 etwa vier Millionen Menschen ums Leben kamen. Die Bundeswehr hat zur Sicherung der Wahlen 780 Soldaten nach Kongo und nach Gabun entsandt. Sie sind Teil einer aus 2000 Soldaten bestehenden EU-Truppe.
Text: FAZ.NET mit Reuters
Bildmaterial: dpa
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