10. Januar 2007 Die Vereinigten Staaten haben nach Angaben von Anwohnern und aus somalischen Regierungskreisen am Mittwoch wieder Luftangriffe im Süden Somalias geflogen. Stammesälteste aus den Dörfern Badade und Afmadow berichteten per Funk von einem Luftangriff in ihrer Region nördlich von Kismayo. Aus somalischen Regierungskreisen hieß es, die Ortschaften Hayo, Garer, Bankajirow und Badmadowe seien bombardiert worden. Am schwersten habe es Bankajirow und Badmadowe getroffen. Der somalische Regierungssprecher Abdirahim Dinari bezeichnete solche Berichte als Unsinn. Auch das Pentagon in Washington bestätigte die neuen Angriffe zunächst nicht.
Die Vereinigten Staaten hatten am Dienstag erstmals seit dem Abzug aus Somalia 1994 wieder militärisch dort eingegriffen und im Süden des Landes mutmaßliche Verstecke der Al Qaida angegriffen. Nach eigenen Angaben töteten sie dabei einen der Drahtzieher der Anschläge von 1998 auf Botschaften der Vereinigten Staaten in Kenia und Tansania. Fazul Abdullah Mohammed war einer der meistgesuchten mutmaßlichen Terroristen auf der Liste der amerikanischen Bundespolizei FBI. Für seine Ergreifung war eine Belohnung von fünf Millionen Dollar ausgesetzt.
Bei den Luftangriffen am Dienstag wurden nach Angaben somalischer Regierungsvertreter etwa 30 Menschen getötet. Anwohner sagten, unter den Opfern seien mindestens 19 Zivilisten.
Ban verurteilt Amerikas Angriffe
Der neue UN-Generalsekretär Ban Ki-moon kritisierte die Luftangriffe der Amerikaner in Somalia. Er mache sich Sorgen, dass der Einsatz zu einer Eskalation der Feindseligkeiten führen könnte, ließ Ban über eine Sprecherin mitteilen. Die EU-Kommission kritisierte, die Luftangriffe trügen nichts zur Friedenssicherung in dem Land bei. Auch Italiens Außenminister Massimo D'Alema verurteilte die so genannte Aktionen Einzelner, die neue Spannungen in einer ohnehin instabilen Region auslösen könnten.
Somalia gilt seit langem als Zufluchtsort für die Terrororganisation Al Qaida. Das mehrheitlich muslimische Land befindet sich seit dem Sturz von Diktator Mohammed Siad Barre vor mehr als 15 Jahren in einem Zustand der Gesetzlosigkeit. Mit ihren Aktionen unterstützen die Amerikaner die Übergangsregierung in ihrem Kampf gegen die Islamisten.
Nur die Amerikaner haben das Knowhow
Der stellvertretende somalische Ministerpräsident Hussein Aideed sagte am Mittwoch, nur mit Hilfe von Sondereinsatzkräften der Vereinigten Staaten könnten die Terroristen getötet oder gefasst werden. Sie hätten das nötige Knowhow und die Ausrüstung. Die Islamisten hätten sich in praktisch unzugänglichen Regionen in unterirdischen Bunkern eingegraben. Um sie aufzuspüren, sei Technik nötig, die in Somalia nicht vorhanden sei. Soweit wir wissen, sind die Amerikaner noch nicht am Ort, sagte Aideed, aber das sei nur eine Frage der Zeit. Vielleicht sind sie auch schon hier, denn sie agieren unabhängig von uns.
Unterdessen kamen bei einem Anschlag auf ein äthiopisches Militärlager in Mogadischu am Dienstagabend nach Augenzeugenberichten drei Menschen ums Leben. Äthiopien hatte der somalischen Übergangsregierung in einem Krieg Ende vergangenen Jahres militärisch geholfen, die Islamisten aus Mogadischu zu vertreiben. In der somalischen Hauptstadt waren indes am Mittwoch wieder Schüsse zu hören.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: dpa, F.A.Z.