29. Juli 2003 Die vatikanische Glaubenskongregation unter Leitung des deutschen Kardinals Ratzinger wird am Donnerstag in einer offiziellen "Note" an die katholischen Parlamentarier in aller Welt appellieren, sich gegen Gesetze zu wenden, die Partnerschaften zwischen Homosexuellen mit der Ehe zwischen Mann und Frau gleichsetzen.
In der Note mit dem Titel "Bemerkungen über die Pläne zur gesetzlichen Anerkennung der Gemeinschaften zwischen Homosexuellen" heißt es: "Seine Stimme einem für das Gemeinwohl der Gesellschaft so schädliches Gesetz zu geben ist ein schwer unmoralischer Akt."
Die Note spiegelt dem Vernehmen nach die Sorge des Papstes wider. Johannes Paul II. fürchtet nicht nur, daß die Leitlinien der katholischen Kirche nicht genügend beachtet werden. Nach seinem Verständnis leidet auch die gesamte Gesellschaft Schaden. In einigen europäischen Ländern hätten bereits solche "moralpolitischen" Verschiebungen durch die Ausrichtung auf das Faktische stattgefunden, ohne daß die Gesellschaft sich der Bedeutung solcher Veränderungen bewußt geworden wäre. Deshalb sollten katholische Politiker und verantwortungsbewußte Laien verstärkt ihre Gewissensüberzeugungen durch deutliche politische Akte zur Geltung bringen, fordert die Note.
In keinem Fall zu billigen"
Die Aufregung darüber in der Öffentlichkeit wäre dem Vatikan sogar willkommen, um eine Diskussion zu fördern. Bereits im Januar dieses Jahres hatte die vatikanische Glaubenskongregation eine allgemeine Handreichung für "katholische Politik" veröffentlicht. Die jetzige Note setzt die katholische Lehre über Homosexualität voraus. Im verbindlichen, von Johannes Paul II. im Oktober 1992 approbierten "Katechismus" heißt es dazu, "daß homosexuelle Handlungen in sich nicht in Ordnung sind; sie sind in keinem Fall zu billigen".
Zugleich ermahnt der nächste Katechismus-Paragraph (2358) jedoch: "Eine nicht geringe Anzahl von Männern und Frauen sind homosexuell veranlagt. Sie haben diese Veranlagung nicht selbst gewählt; für die meisten von ihnen stellt sie eine Prüfung dar. Ihnen ist mit Achtung, Mitgefühl und Takt zu begegnen. Man hüte sich, sie in irgendeiner Weise ungerecht zurückzusetzen. Auch diese Menschen sind berufen, in ihrem Leben den Willen Gottes zu erfüllen." Gegenüber diesen bedachten Worten scheint jetzt im Vatikan die Sorge um die traditionellen Ehen zu überwiegen.
Text: hjf.; Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.07.2003, Nr. 174 / Seite 4
Bildmaterial: dpa/dpaweb
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