Gesundheitsreform

Ärzteverband bezahlt Protestierer

16. Dezember 2006 Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat für eine Protestaktion gegen die Gesundheitsreform 170 Mitarbeiter eines Dienstleisters engagiert. Ein Hostessen-Service habe die Mitarbeiter für jeweils 30 Euro Tagespauschale gestellt.

Der Verband hatte am Donnerstag vor dem Reichstag die „längste Garderobe der Welt“ mit Tausenden von Arztkitteln gebildet. Diese Mitarbeiter hätten die 400 Meter lange Garderobe aufgebaut und auf ihren Schultern getragen, teilte der Verband am Samstag mit.

Die „Bild“-Zeitung hatte zuvor berichtet, die Kassenärzte hätten Demonstranten gemietet. Das Blatt zitierte KBV-Sprecher Roland Stahl mit den Worten, er finde das „total normal“. Die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Elke Ferner sagte der Zeitung dagegen: „Das zeigt die wahre Gesinnung, daß man für sein eigenes Anliegen nicht selbst
demonstriert, sondern dafür Berufs-Protestler anheuert.“

Abschluß einer Kampagne

KBV-Chef Andreas Köhler hingegen sagte, es habe sich nicht um eine Demonstration, sondern um den Abschluß der PR-Kampagne gegen die Gesundheitsreform gehandelt. „Mit der Kittelaktion sollte symbolisch gezeigt werden, daß heute bereits mehr als 12.000 Mediziner im Ausland leben und arbeiten, weil sie dort bessere Arbeitsbedingungen finden als in Deutschland“, erklärte Köhler.

Die Arztkittel seien bundesweit von Ärzten gespendet worden. Insgesamt seien rund 12 000 Kittel zusammengekommen, die nun an Krankenhäuser nach Benin in Westafrika geliefert würden. Köhler betonte: „Die KBV hat nie zu einer Demonstration vor dem Reichstag aufgerufen, beziehungsweise nie davon gesprochen, eine solche gegen die Gesundheitsreform durchzuführen.“ Die KBV behalte sich presserechtliche Schritte gegen die Berichterstattung der „Bild“- Zeitung vor.

Mehrere Ärzteverbände und Krankenhäuser haben sich zum Ziel gesetzt, die Gesundheitsreform zu stoppen und wollen die Umsetzung blockieren, falls das Gesetz in Kraft tritt. Nach ihrer Darstellung verschlechtert sich mit der Reform die Versorgung der Patienten.



Text: FAZ.NET mit Material von AP, dpa
Bildmaterial: AP

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