Bill Gates

Reichtum entspannt

Von Roland Lindner

28. Oktober 2005 Was macht Bill Gates, wenn er mal so richtig auf den Putz hauen will? Der reichste Mann der Welt verfällt nicht in einen Kaufrausch, sondern spielt einen Abend lang Poker mit seinem Kumpel Warren Buffett - und vielleicht geht er dann um 500 Dollar ärmer nach Hause. Das sagte er kürzlich in einem gemeinsamen Interview mit Buffett, dem zweitreichsten Mann der Welt, in der Zeitschrift "Fortune". Zwei Kaliber wie Gates und Buffett haben ihre ganz eigene Art von Humor, wenn sie miteinander reden. So weist Bill Gates lachend von sich, daß er die Buffett Holdinggesellschaft Berkshire Hathaway übernehmen will, nachdem er weitere Aktien gekauft hat. Und Buffett meint darauf: "Wenn irgend jemand übernimmt, dann hoffentlich Bill." Woraufhin Gates wiederum witzelt: "Wenn ich einmal ein Prozent habe, lasse ich es dich wissen." Die beiden Männer kommen laut "Forbes"-Liste der reichsten Menschen in der Welt zusammen auf ein Vermögen von 91 Milliarden Dollar, davon entfallen auf Bill Gates 51 Milliarden Dollar.

Bill Gates hat am gestrigen Freitag seinen fünfzigsten Geburtstag gefeiert. Damit ist der Mitbegründer des weltgrößten Softwarekonzerns Microsoft noch immer weit vom Rentenalter entfernt. Trotzdem wird ihm immer häufiger die Frage gestellt, ob er daran denkt, sich irgendwann von Microsoft zurückzuziehen. Gates tritt heute schon etwas kürzer: Im Jahr 2000 hat er den Posten als Chief Executive Officer bei Microsoft an seinen langjährigen Weggefährten Steve Ballmer abgegeben. Seither nennt er sich Chef-Softwarearchitekt, neben seinem Posten als Verwaltungsratschef, den er behalten hat.

Gates hat sich mit diesem Rollenwechsel etwas aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen. Er ist in die Rolle des Bastlers zurückgekehrt und beschäftigt sich mehr mit strategischen Softwarefragen. Er verfolgt die Trends in der Branche und erklärt bei öffentlichen Auftritten seine Visionen von Microsoft und dem Rest der Industrie. Dabei stichelt er auch gerne gegen Wettbewerber. In einem Interview mit dieser Zeitung in diesem Jahr sagte er ein Ende der Erfolgsserie des digitalen Musikspielers iPod vom Rivalen Apple voraus und meinte außerdem, Microsoft habe ein besseres Produkt für drahtlose Kommunikation auf Lager als den erfolgreichen Blackberry. In den vergangenen Jahren ließ die Innovationskraft von Microsoft freilich zu wünschen übrig. Das Unternehmen stützt sich noch immer vor allem auf seine alten Umsatzträger wie das Betriebssystem Windows und die Bürosoftware Office. Microsoft ist traditionell eher für seine harten Bandagen im Wettbewerb bekannt als dafür, bahnbrechende neue Produkte zu entwickeln. Kein Unternehmen in der Welt geriet wegen seiner Geschäftspraktiken so sehr ins Visier von Wettbewerbsbehörden wie Microsoft. Den Weg des Unternehmens pflastern viele Opfer, das prominenteste davon ist wohl der Internet-Browser Netscape, den Microsoft mit seinem Konkurrenzprodukt Internet Explorer überrollt hat. Mit den ruppigen Methoden von Microsoft wird in erster Linie Bill Gates persönlich identifiziert, und daher ist er auch ein immer wieder gerne genommenes Feindbild in der Technologiebranche. In den vergangenen Jahren hat sich Bill Gates aber auch zunehmend mit seinem karitativen Engagement einen Namen gemacht. Die von ihm und seiner Frau Melinda gegründete Stiftung hat ein Vermögen von fast 29 Milliarden Dollar - die mit Abstand größte Privatstiftung in der Welt. Allerdings ist Gates mit seiner Stiftung seit je auf Argwohn gestoßen. Für viele Menschen paßt das Bild des rücksichtslosen Geschäftsmannes nicht mit altruistischen Motiven zusammen, und Gates werden gerne niedere Beweggründe wie Steuervorteile unterstellt.

Im Moment ist die Stiftung für Gates ein Nebenjob, der nach seiner Aussage wöchentlich zehn Stunden seiner Zeit in Anspruch nimmt. Künftig soll es aber mehr werden, spätestens wenn er das nächste Jahrzehnt voll macht, denn dann will er sich von seiner derzeitigen Rolle bei Microsoft verabschiedet haben. In dem Interview sagte er: "Wenn jemand 60 Jahre alt ist, sollte das Verfolgen technischer Trends besser in die Hände eines anderen gelegt werden."



Buchtitel: Bill Gates

Text: F.A.Z., 29.10.2005, Nr. 252 / Seite 20
Bildmaterial: dpa

 
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