08. April 2004 Zwei Zähne des Neandertalers, die unbekannte Täter Ende März aus dem Neanderthal-Museum in der Nähe von Mettmann bei Düsseldorf gestohlen hatten, sind wieder da. Eine Sekretärin des Museums hat die beiden Zähne im Museums-Briefkasten entdeckt. Dies teilte eine Sprecherin des Kreises Mettmann am Donnerstag mit.
Der offenbar reumütige Zahn-Dieb hatte die beiden rund 40.000 Jahre alten Beißer eines erwachsenen Neandertalers und eines etwa zwölfjährigen Kindes in Papiertaschentücher gewickelt und in einem Briefumschlag verstaut.
Die augenscheinlich sachkundigen Täter, auf die bisher jeder Hinweis fehle, hatten mit Spezialwerkzeugen die beiden Wandvitrinen geöffnet und die wissenschaftlich wertvollen Backenzähne an sich genommen, berichtete die stellvertretende Museumschefin Bärbel Auffermann. Ganz zweifelsfrei seien die beiden Stücke aus dem Briefkasten die beiden Originale, betonte die Wissenschaftlerin. Ab sofort seien die zwei bedeutenden Stücke wieder in einer großen Museums-Vitrine hinter Panzerglas zu betrachten. Das Verpackungsmaterial der Zähne werde von der Kripo derzeit eingehend untersucht.
Weitere Forschungsprojekte in Planung
Auch der Archäologe Ralf W. Schmitz (Universität Tübingen), der zusammen mit seinem Kollegen Jürgen Thissen vor knapp vier Jahren die Zähne am historischen Fundplatz im Neandertal entdeckt hat, zeigte sich überglücklich, weil jetzt die Stücke weiter wissenschaftlich untersucht werden können. Er hatte ebenso wie das Museum öffentlichum die anonyme Rückgabe der Urmenschen-Relikte (Das ist Weltkulturerbe!) gebeten, die nach seiner Darstellung über keinerlei Marktwert verfügen. Seit diesem Aufruf habe ich im Geheimen immer gehofft, daß sie mal im Briefkasten liegen, meinte Museumssekretärin Christa Binder als glückliche Finderin: Wir sind so froh, daß der Täter sie zurückgegeben hat.
Nach den Worten des Wissenschaftlers ist ein neues Projekt in Vorbereitung, die Funde erneut mit hochmodernem technischen Gerät zu analysieren. So seien etwa anhand der Kaufläche des Backenzahnes Rückschlüsse auf die bevorzugte Nahrung der vor 300.000 bis 30.000 Jahren in Europa und Vorderasien lebenden Urmenschen möglich. Zudem gebe eine eingehende Analyse Hinweise auf den gesamten Kiefer des Neandertalers.
Text: dpa
Bildmaterial: dpa/dpaweb
