FAZ.NET-Spezial

Unser zweites Gesicht

11. Oktober 2006 Demographische Krise, soziale Kälte, Terrorismus, Kindermangel - die Welt steht Kopf. Wir müssen uns umstellen. Die Menschen hierzulande werden älter, sie werden weniger, und letzten Endes verändern sich unsere Gesellschaften und ihre Bezüge zueinander nicht weniger als andere Gesellschaften, die das Gegenteil erleben: Mehr Volk, mehr Kinder, mehr Jugend. Mit der Demographie ändern sich aber nicht nur die Zahlenverhältnisse.

Das Kulturwesen Mensch paßt sich den veränderten Umständen an, er ändert sein Verhalten, Familien fallen auseinander oder suchen nach neuen Kontakten, und immer versuchen die Individuen das beste daraus zu machen. Ein Verhalten, das in vielen Situationen seine Wurzeln tief in der Evolution findet.

Kein „Freigelassener der Schöpfung“

Herder hatte eben nicht recht, behauptet der Gießener Biophilosoph und Soziobiologe Eckart Voland, als dieser den Menschen als „ersten Freigelassenen der Schöpfung“ und damit von aller natürlicher Determination befreit sah. Das soziale Tier im Menschen zu entdecken, gehört zu den spannendsten Entdeckungen der jüngeren Wissenschaftsgeschichte.

Wo die egoistischen Gene Macht von uns ergreifen und wo die kooperativen und altruistischen Elemente der Evolution die Regie führen, erklärt Voland in seinem „Grundkurs der Soziobiologie“.



Text: jom.
Bildmaterial: F.A.Z.

Grundkurs in Soziobiologie (18)

Lernfähig, aber nicht belehrbar

Lohnt sich das Lernen? Das entscheidet das Gehirn schon im Voraus.

Der Hinweis auf die außergewöhnliche Lernfähigkeit des Menschen stellt die Bedeutung der Gene in Frage. Dabei ist das kein Widerspruch: Auch das Gehirn legt unbewusst fest, was sich überhaupt zu lernen lohnt - das, was man in seiner Lebenswelt braucht.

Grundkurs in Soziobiologie (17)

Das eine Drittel Glück

Vorbilder des Medienkonsumenten? Fernsehserie “Reich und schön“

Emotionen dienen als Navigationssystem durchs menschliche Leben. Sie sind Teil des unbewussten Apparates, der sich im Laufe der Evolution gebildet hat. Auch negative Emotionen haben ihre Funktion: Dauerhaftes Glück ist biologisch nicht vorgesehen.

Soziobiologie

Die Arena der Ehrlichen

Pinocchio, ein ehrlicher Zeitgenosse?

Das Prinzip der Kommunikation mit teuren Signalen entwickelt sich in der menschlichen Kulturgeschichte zum Prinzip der Angeberei. Frei nach dem Motto: Tue Gutes und rede darüber.

Grundkurs in Soziobiologie (15)

Angeberei als Hochkultur

Gute Chancen bei der Partnersuche: ein prächtiger Pfau

Die Evolution hat nicht nur nützliche Merkmale hervorgebracht. So ist das prächtige Kleid des Pfauen eher hinderlich für das Tier. Diese „Handicaps“ haben aber eine wichtige Funktion: Mit Luxus signalisieren auch Menschen ihre verborgenen Eigenschaften.

Grundkurs in Soziobiologie (14)

Nichts ist vom Himmel gefallen

Unser zweites Gesicht

Auf den ersten Blick ist Religiosität alles andere als naturgeschichtlich plausibel. Was immer Kunst und Religion heute auszeichnen mag, fiel bestimmt nicht einfach so vom Himmel. Teil 14 des Grundkurses in Soziobiologie.

Grundkurs in Soziobiologie (13)

Großmutters Glückskinder

Wichtig fürs Wohlergehen: die Oma

Wozu gibt es eigentlich Großmütter? Der Mensch ist die einzige Art mit einer langen Lebensphase nach der Fortpflanzungsfähigkeit. Großmütter spielen aber durchaus eine wichtige Rolle für die Reproduktion.

Grundkurs in Soziobiologie (12)

Der Mann auf dem Drahtseil

Prototyp des neuen Vaters: Mann im Erziehungsjahr

Die Entscheidung von Männern, sich für eine aktive Vaterrolle zu entscheiden, folgt einfachen Überlegungen. Wenn es mit der Besitzvermehrung nicht so recht klappt, wird der Mann zum fürsorglichen Vater.

Grundkurs in Soziobiologie (11)

Ist es ein Junge oder ein Mädchen?

Bruder oder Schwester : In wen wird mehr investiert?

Zu fast allen Zeiten und in fast allen Kulturen haben Eltern ihre Söhne anders behandelt als ihre Töchter. Aber auch in unserer Gesellschaft investieren privilegierte Eltern mehr in männliche Nachkommen, unterprivilegierte setzen ihre Hoffnungen eher in Mädchen.

Grundkurs in Soziobiologie (10)

Evolution im Kinderzimmer

Innerfamiliäre Ungerechtigkeit: Geschwister zählen nicht immer gleich

Mit der Fortpflanzung ist es wie mit der Vermögensbildung: Das mühsam aufgebaute Kapital will möglichst gewinnträchtig investiert werden. Deshalb werden Kinder trotz aller Ideale auch innerhalb einer Familie nicht immer gleich behandelt.

Ein Grundkurs in Soziobiologie (9)

Kindersegen und Kinderfluch

Beim menschlichen Nachwuchs geht Qualität meist vor Quantität

Bei Lebewesen gibt es zwei Strategien zum Artenerhalt: Verdrängung und Expansion. Sie entsprechen den grundlegenden Wettbewerben der Natur. Aber gelten diese Strategien der Fortpflanzung auch beim Menschen?

Grundkurs in Soziobiologie (8)

Die monogame Ehe ist erklärungsbedürftig

Hand in Hand durchs ganze Leben: Kein plausibles Konzept

Jeder, der eine normative Ehemoral predigt, begibt sich auf dünnes Eis. Als „normal“ erscheint gar nichts, nicht einmal im statistischen Sinne. Aus soziobiologischer Sicht erscheint die monogame Ehe sogar als besonders erklärungsbedürftiges Konzept.

Grundkurs in Soziobiologie (7)

Auf dem Markt der Liebe

Ewiges Mysterium: Welche Kriterien entscheiden die Partnerwahl?

Sexuelle Anziehung verändert sich mit den kulturellen Umständen. Wir passen unser Verhalten biologisch an. War in den 1950ern noch die pummelige Marilyn Monroe die „Idealfrau“, hätte sie heute kaum noch Aussicht auf Erfolg.

Grundkurs in Soziobiologie (6)

Krieg der Keimzellen

Frau und Mann - nur biologisch sind die Unterschiede eindeutig

Viele glauben, man könne zwischen männlich und weiblich trennscharf unterscheiden. Doch der Versuch, die Geschlechter kategorial typologisieren zu wollen, ist schon im Ansatz falsch. Was ist nun aber weiblich und männlich?

Grundkurs in Soziobiologie (5)

Ewig lockt der Hahnenkampf

DSDS: Anerkennung durch Öffentlichkeit

Bekanntlich tun Menschen sehr viel, um in der Hierarchie möglichst weit oben zu rangieren. Ob Schützenfest oder „Deutschland sucht den Superstar“, ob Nobelpreis oder Fußball. Prestige ist eine biologische Ausnahmeerscheinung.

Grundkurs Soziobiologie (4)

Das Doppelgesicht der Moral

Die Gruppenmoral auf der Bühne der Evolution

Die Moral kennt keine Verlierer - oder doch? Schon Freud hat es gewußt: Mit der Gewißheit des eigenen Gutseins wächst auch das Nicht-Gutsein der Anderen. So ist es auch kein Zufall, daß die lautesten Moralisten immer wieder Feindbilder schüren.

Grundkurs in Soziobiologie (3)

Rudel rund ums runde Leder

Die WM entfacht Rudelbildungen

Die soziale Gruppenzugehörigkeit bestimmt ganz entscheidend die persönliche Biographie eines jeden Individuums. Das Ich wird durch die Gruppe mitbestimmt, und der Verstand in den Primatengehirnen beginnt dies zu begreifen.

Grundkurs in Soziobiologie (2)

Die Goldene Regel

Verpackte die Goldene Regel in philosophisch bedeutsame Worte: Immanuel Kant

Die Goldene Regel gilt überall auf der Welt als Definition der menschlichen Sittlichkeit. Sie beschreibt, was als fair und gerecht zu bewerten ist. Dennoch wird sie häufig gebrochen. Woran liegt das? Moralskeptikern fällt die Antwort leicht.

Grundkurs in Soziobiologie (1)

Blut ist dicker als Wasser

Charles Darwins “survival of the fittest“ führt zu egoistischer Kälte

Wie kann es sein, daß Lebewesen überhaupt kooperative Sozialverbände eingehen? Charles Darwin hatte doch gelehrt, daß den „struggle for life“ nur jene Individuen erfolgreich bestehen, die sich unsentimental und eigeninteressiert durchs Leben kämpfen.